
Andreas Fill, Geschäftsführer Fill und Entrepreneur Of The Year in der Kategorie „Innovation & Hightech“, und Marion Raninger, Partnerin EY, über Innovation, Optimismus und das Pflichtenheft der Politik.
Was bedeutet die Auszeichnung EY Entrepreneur Of The Year für Sie und das Unternehmen? Welchen Mehrwert bringt sie?
Innerhalb kürzester Zeit haben wir zwei wichtige Auszeichnungen erhalten: Fill wurde vom trend als innovativstes Unternehmen Österreichs ausgezeichnet, und ich erhielt den EY Entrepreneur Of The Year Award – Wertschätzung und Anerkennung für das gesamte Team. Bei Vorträgen entsprechend angekündigt zu werden, ist ein sehr gutes Gefühl, und auch die Außenwirkung und Strahlkraft dieser Auszeichnungen sind enorm.
Warum ist Innovation besonders wichtig?
Innovation ist in unserer DNA: Wir sind ein Maschinenbauer, der maßgeschneiderte Lösungen entwickelt, die es nur einmal auf der Welt gibt. Ohne Weiterentwicklung wären wir schon in wenigen Jahren nicht konkurrenzfähig. Auch um als Unternehmen aus Europa international erfolgreich sein zu können, müssen wir bei unseren Prozessen Vorsprung zeigen. Daher setzen wir auch stark auf KI, die hier ein enormes Potenzial bietet.
Europa steht im globalen Wettbewerb vor Herausforderungen. Durch Innovation, Qualität und den gezielten Ausbau von Know-how können nachhaltige Wettbewerbsvorteile entstehen. KI spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie gewinnt rasant an Bedeutung und transformiert zunehmend industrielle Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wer diese Dynamik nutzt, legt den Grundstein für die Champions von morgen.
Mehr als 200 Millionen Euro Umsatz, 1.000 Mitarbeitende: Fill wächst stark trotz Sorgen in Kernbranchen des Unternehmens wie Automotive. Wie gehen Sie mit Herausforderungen um? Was können andere davon lernen?
edes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden. Aber Agilität und Resilienz sowie der Blick über den Tellerrand hinaus sind wichtig: Die Wirtschaft ist seit Jahren im Dauerkrisenmodus, wir sind anpassungsfähig und nutzen Synergien. Zudem können wir als Generalunternehmer eine große Bandbreite an Lösungen anbieten. Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, ist auch essenziell – wir haben immer auf neue Themen gesetzt und auch in Kauf genommen, wenn wir um Jahre zu früh dran waren. Und wenn etwas nicht funktioniert, muss man seinen Optimismus bewahren und darf nicht nur nach hinten schauen und Schuldige suchen: Nach dem Regen braucht man keinen Schirm mehr.
Diversifikation kann ein zentraler Erfolgsfaktor sein: Wer auf mehrere Standbeine setzt, erhöht seine Resilienz und schafft die Basis für stabile Entwicklungen – auch in herausfordernden Phasen. Strategischer Weitblick und Mut sind entscheidend, gerade in einem zunehmend volatilen Umfeld, das langfristige Planung erschwert. Gerade Familienunternehmen haben hier oft einen Vorteil: Kurze Entscheidungswege und ein Denken in Generationen stärken ihre Handlungsfähigkeit nachhaltig.
Was das Umfeld betrifft, soll in Österreich die neue Industriestrategie helfen – 94 Prozent der Unternehmen sind mit dieser laut einer Umfrage des KSV1870 aber unzufrieden. Welche Stellschrauben sollte die Politik anfassen?
Als Exportnation muss Österreich seine Wettbewerbsfähigkeit aktiv stärken, insbesondere angesichts zu hoher Produktionskosten. Ein koordiniertes Entlastungspaket würde den Unternehmen den notwendigen Freiraum für Wachstum und Innovation eröffnen.
Dass die Politik sich zum Industriestandort bekennt, ist erfreulich, doch dem Staat fehlt es noch an unternehmerischem Spirit. Das Ziel sollte nicht sein, ein, zwei Prozentpunkte bei den Steuern einzusparen, sondern die Kosten des Staats generell zu senken. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit steigern, dafür braucht es aber mutige Entscheidungen ohne Rücksicht auf politisches Kleingeld.
EY Entrepreneur Of The Year …
… würdigt herausragende unternehmerische Leistungen. Ausgezeichnet werden Unternehmerinnen und Unternehmer mit Eigeninitiative, Weitsicht und Innovationsfreude. Die österreichischen Topunternehmerinnen und -unternehmer des Jahres werden in den Kategorien „Nachhaltigkeit“, „Innovation & Hightech“, „Dienstleistungen“ und „Social Entrepreneur“ ausgezeichnet. Einer der ausgezeichneten Entrepreneure in den vier Kategorien vertritt Österreich beim EY World Entrepreneur Of The Year 2026 in Monte Carlo.
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