Wenn Stromversorgern der Strom ausgeht

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Niederwasser im Donaukraftwerk Altenwörth in Niederösterreich©APA/Harald Schneider
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Die politisch verordneten Billigtarife machen tatsächlich Druck auf die Strompreise – und auf den Ertrag der Energieunternehmen, die ohne üblichen Billigstrom aus Wasserkraft hunderte Millionen Euro draufzahlen müssen.

Zu Jahresbeginn hat die Regierung den Energieunternehmen zur Inflationsbekämpfung Billigtarife verordnet, ein Beispiel dafür ist der „Österreich-Tarif“ von rabattbedingt netto 9,5 Cent/KWh, mit dem der halbstaatliche Verbund seit März den Markt aufmischt. Nun bringt die Maßnahme die Stromversorger in eine unerwartete Zwangslage, zeigt eine brandneue Analyse des heimischen Strommarktes durch den Regulator E-Control.

Im ersten Halbjahr ist nämlich die Stromerzeugung aus Wasserkraft massiv eingebrochen. Jetzt fehlt den Versorgern die – dank vieler alter, bereits abgeschriebener Kraftwerke – sonst konkurrenzlos günstig produzierte Energie für die Abdeckung der steigenden Billig-Nachfrage, man muss weit teurer am Spotmarkt zukaufen (siehe Grafik unten), zu einem guten Teil tatsächlich aus tschechischen Atomkraftwerken (Temelin, Dukovany), die laut Netzbetreiber APG zuletzt regelmäßig in der Nacht und an den Tagesrändern zwischen zwei und 2,5 Gigawatt Leistung geliefert haben (bei einem Bedarf von etwa fünf bis sieben GW). Mit jeder Kilowattstunde unter zehn Cent setzt es derzeit Verluste, heißt es hinter vorgehaltener Hand in der Branche. Die Werbung zu den neuen Billigtarifen wurde auf ein Minimum reduziert.

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Schneller als die durchschnittlichen Stromtarife (blaue Linie, Quelle: E-Control) schmelzen nur die Erträge der Stromversorger. Ihnen fehlt die eigene billige Wasserkraft, um die steigende Nachfrage nach den politisch verordneten 10-Cent-Tarifen befriedigen zu können. Sie müssen immer öfter am weit teureren Spotmarkt zukaufen, der abseits der Durchschnittswerte (rote Linie) teils hohe Preisausschläge zeigt.

Kunden sparen, Stromversorger rechnen

Es geht um viel Geld. Alleine dem größten Betreiber Verbund fehlen seit Jahresbeginn mehr als fünf Terawattstunden (TWh) Wasserkraft, ein Zehntel des gesamten Stromverbrauchs Österreichs, im Vergleich zu einem sogenannten Regeljahr. Im Vergleich zum ohnehin schon schlechten Wasserjahr 2025 ist der Ertrag noch einmal um rund zehn Prozent gesunken. Auf der anderen Seite – so zeigt die Analyse der E-Control – sinken die Stromtarife für die Kunden bereits seit zwei Jahren langsam, aber stetig von über 20 auf mittlerweile unter 14 Cent je KWh (ein nach verkaufter Menge gewichteter Durchschnittswert aller Anbieter, siehe Grafik).

Stimmen die Hochrechnungen, wird diese Entwicklung weitergehen. Seit Bundeskanzler Christian Stocker im Jänner 2025 den Verbund vorschickte, mussten auch die Mitbewerber sukzessive nachziehen, in unterschiedlichsten Ausprägungen: Im April etwa die EVN (mit einem speziellen Sonnentarif), danach die Kelag (Kelag Strom Bonus, 9,9 Euro) und die Energie AG (feelgood-Tarif um 10 Cent), die Tiwag fror ihre Strompreise ein, detto die Salzburg AG. Das wird sich auf die Durchschnittspreise deutlich auswirken.

Seither ist man in der Branche mittelgut auf Verbund zu sprechen, denn die Nachfrage ist hoch. Kaum am Markt, berichtete Verbund-Chef Michael Strugl schon nach dem ersten Quartal von einer „fünfstelligen“ Zahl an Neukunden, die EVN hat mittlerweile schon 180.000 ihrer Kunden auf den Sonnentarif umgestellt. Leo Lehr, Preisexperte und stellvertretender Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der E-Control, legt nach: „Ein aktiver Wechsel würde derzeit besonders hohe Einsparungen bringen, ich würde mich nicht auf eine automatisierte Umstellung durch die Energieversorger verlassen“. 

Verbund: Bis zu 750 Millionen Euro negativer Ergebniseffekt durch Trockenheit

Wie sich die Entwicklung im gesamten Jahr auswirkt, hängt stark vom Wasserkraftanteil im jeweiligen Strommix der Versorger ab. An den veröffentlichten Ergebniszahlen des börsenotierten Verbunds (mit besonders hohem Wasserkraftanteil) lässt sich die Schieflage schon deutlich ablesen: Einen Teil der traditionell bereits vorab im Vorjahr verkauften Strommenge aus Wasserkraft (80 Prozent der erwarteten Gesamterzeugung) musste man wieder zurückkaufen – alleine das brachte einen Verlust von 100 Millionen Euro, wie es bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse hieß. Für einen anderen Teil mussten teure Ersatzlieferungen organisiert werden.

In Summe sank der erzielte Absatzpreis aus der Eigenerzeugung Wasser von 117,2 auf 86,2 Euro/MWh, gab Verbund bekannt. Ändert sich an dem Tarifniveau nichts (oder sackt es noch weiter ab), wird sich die Entwicklung dank der Preissensitivität der Erzeugung im Gesamtjahr 2026 mit einem negativen Ergebniseffekt von 775 Millionen Euro niederschlagen, 370 waren es schon zum Halbjahr. Sorgen muss man sich um Verbund dennoch keine machen: Immer noch erwartet man für 2026 ein Konzernergebnis in Höhe von über einer Milliarde Euro. Das ist allerdings um 25 Prozent niedriger als 2025 und 44 Prozent weniger als 2024.

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