Verbund-Chef Strugl: "Nur politische Strategien zu haben, reicht nicht"

Paid Content Identifier
Exklusiv für Abonnent:innen
Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
9 min
Artikelbild
 © Verbund AG / Christian Jungwirth
Verbund-CEO Michael Strugl©Verbund AG / Christian Jungwirth
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

MICHAEL STRUGL, Chef von Österreichs Stromriesen Verbund, im trend. Interview über ein ganzes Bündel fehlender Energiegesetze, zu niedrige Netzgebühren und Gewinnabschöpfung durch die Regierung.

trend

Beobachtet man die Konzernaktivitäten bei Verbund, macht es offenbar derzeit mehr Spaß, drei komplette Windparks in Spanien zu kaufen, als ein einziges Windrad in der Steiermark durchzubringen?

Michael Strugl

Nein, das kann man so nicht sagen. Nach wie vor tätigen wir mehr als drei Viertel unserer Investitionen in Österreich. Unser Hauptfokus sind dabei Stromnetze.

Der zweite große Brocken sind Speicher und Wasserkraft. In Salzburg und Kärnten investieren wir zur Zeit gerade rund 700 Millionen Euro in den Ausbau der beiden Kavernenkraftwerke in den Kraftwerksgruppen Kaprun und Malta Reißeck.

In Summe entstehen da rund 550 Megawatt Speicherleistung, also grüne Batterien für die Energiewende. Gemeinsam mit der Salzburg AG bauen wir das 14-MW-Kraftwerk Stegenwald, bei den Donaukraftwerken setzen wir auf große Effizienzsteigerungen durch Maschinentausch.

trend

Heißt das, alles im grünen Bereich hierzulande?

Michael Strugl

Das heißt, wir sind bereit, massiv in den Ausbau der Erneuerbaren und in Versorgungssicherheit zu investieren. In Kraftwerke, in Erzeugungsanlagen, in Netze, in Speicher. Wir sind bis jetzt davon ausgegangen, bis 2030 ungefähr 3,5 bis vier Milliarden Euro in unsere Übertragungsnetze zu investieren. Mittlerweile wissen wir, dass wir bis spätestens 2033 über neun Milliarden investieren werden, mehr als das Doppelte.

trend

Wenn Sie bereit dafür sind, wer ist es dann nicht?

Michael Strugl

Die Herausforderungen sind gewaltig. Um das Ziel der Verdoppelung der erneuerbaren Stromerzeugung in Österreich zu schaffen, müssen wir die installierte Leistung verdreifachen. Für zusätzliche Erzeugungsanlagen brauchen wir aber auch zusätzliche Flächen, die offiziell dafür ausgewiesen werden. Das ist eine Sache der Bundesländer und betrifft Windräder, PV-Anlagen und Trassen für Stromleitungen. Das Zweite sind die Genehmigungsverfahren, die nach wie vor zu lange dauern und immer wieder gestoppt werden, z. B. die Leitung Reschenpass. In dem forstrechtlichen Verfahren genügte ein Grundbesitzer, um alles zu stoppen. Auch die neue Anspeisung der Voestalpine in Linz wurde eben von drei Einsprüchen gegen einen einzigen Strommast blockiert. Aber wenn man den Erneuerbarenausbau wirklich vorantreiben will, muss man ihm auch ein übergeordnetes Interesse in den einschlägigen Gesetzen einräumen.

trend

Ist das in Österreich nicht längst schon passiert?

Michael Strugl

Nein. All diese Priorisierungen, von denen man viel hört, sind Ideen aus der EU, aber in Österreich nirgendwo festgeschrieben. Es gibt eine UVP-Gesetznovelle, die sehr gute Ansätze enthält. Aber just dieses überragende öffentliche Interesse wurde nicht gewährt. Es fehlt ein "Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz", da gibt es nicht einmal einen Begutachtungsentwurf.

Nur politische Strategien zu haben, das reicht halt nicht. Wenn sie als Investor nicht wissen, ob sie eine faire Chance auf Genehmigung ihrer Projekte haben, dann entwickeln sie schlicht keines.

trend

Vielleicht tut sich die Klimaministerin aus ihrer Vergangenheit in Umweltschutzgruppierungen ein bisschen schwer mit der Umsetzung?

Michael Strugl

Mir ist schon bewusst, dass da ein Spannungsfeld zum Naturschutz ist. Aber die Abwägung muss ohnedies sorgsam sein. Man wird sich entscheiden müssen.

trend

Kann das neu geplante Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) an der Stagnation etwas ändern?

Michael Strugl

Das ELWG wäre eigentlich das zentrale energiewirtschaftliche Gesetzeswerk, damit diese Transformation des Stromsystems in Österreich gelingt. Der Begutachtungsentwurf liegt noch nicht vor, also kann man noch wenig dazu sagen. (Anm. Das Interview wurde im Dezember 2023 geführt. Mittlerweile liegt der Begutachtungsentwurf vor.) Wir müssen uns jedenfalls überlegen, wie wir die Erneuerbaren in das System integrieren, wie wir mit der schwankenden Erzeugung umgehen, etwa um die Abregelung von Anlagen zu minimieren. Flexibilität und Speicher sind zentrale Elemente der Energietransformation, hier braucht es klare Regelungen und Anreize. Das sollte eigentlich alles in diesem Gesetz stehen.

Paid Content Identifier
PLUS

Wer mitreden will, muss wissen, was wichtig ist.

Jetzt Abo wählen und weiterlesen

weiter
Mit der Bestätigung des Kaufs stimmen Sie unseren AGBs und Datenschutzbestimmungen zu.