Flughafen Wien: Auch Budapest ist auf der Überholspur

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Flughafen Wien

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Wien verliert Billigflieger an Bratislava, und im Frachtgeschäft vergrößert Budapest seinen Vorsprung immer mehr. Warum die Nachbarflughäfen stärker zulegen und was das für den Standort Wien bedeutet.

Wer heute bei Temu oder Shein bestellt, weiß vermutlich nicht, dass das Paket in Budapest zwischenlanden wird. Denn: Der ungarische Flughafen ist in den letzten Jahren zum Luftfrachtdrehkreuz Mittel- und Osteuropas aufgestiegen. Noch 2019 schlug Wien doppelt so viel Fracht um wie Budapest, heute liegen die Ungarn klar vorne. Auch bei den Passagieren verliert Wien bekanntlich an Boden: Billigfluglinien kehren Wien den Rücken und bauen ihr Angebot nur 60 Kilometer weiter östlich in Bratislava aus.

China fliegt auf Budapest

Am Flughafen der ungarischen Hauptstadt wurden im Jahr 2025 nicht weniger als 426.519 Tonnen Fracht umgeschlagen, ein Plus von 42,3 Prozent. In Wien waren es nur 313.763 Tonnen, was einem Plus von 5,3 Prozent entsprach – auch für Wien ein Rekordjahr. Bereits 2024 überholte Budapest Wien, seither wurde der Vorsprung deutlich ausgebaut.

Dahinter steckt eine gezielte Strategie. Seit 2018 wurden rund 80 Millionen Euro in die Frachtinfrastruktur investiert, 2020 eröffnete das Logistikzentrum BUD Cargo City. Hinzu kommen vergleichsweise niedrige Standortkosten in Ungarn, die das Land für internationale Unternehmen attraktiv machen. Die Körperschaftsteuer beträgt regulär nur neun Prozent, auch die Arbeitskosten liegen unter dem österreichischen Niveau.

Das lockt Länder wie China an, mit dem Ungarn eine enge Partnerschaft pflegt: Laut dem polnischen Osteuropa Forschungsinstitut OSW stammen mehr als 40 Prozent der in Ungarn ankommenden Luftfracht aus China. Ein erheblicher Teil davon sind E-Commerce-Sendungen. Chinesische Konzerne wie BYD investieren Milliarden in Ungarn, etwa in den Bau von Werken. Das fördert die Warenströme aus China und treibt damit die Luftfracht in Budapest zusätzlich an. Am Flughafen Wien ortet man das nicht als Gefahr, denn: „Seit 1. Juli 2026 gilt in der EU ein Pauschalzoll für Pakete aus Drittstaaten, der auch kleinere Onlinebestellungen aus Drittstaaten stärker belastet“, heißt es seitens des Flughafens Wien. Dies mache sich bereits bemerkbar: Im August sank die Fracht in Budapest um 21 Prozent, während Wien um 8,3 Prozent wuchs. Trotzdem liegt Budapest mit rund 290.000 Tonnen von Jänner bis August klar vor Wien.

Die Frachtgeschäftsmodelle sind allerdings unterschiedlich: In Wien wird ein bedeutender Teil der Fracht als Belly Load im Frachtraum regulärer Passagierflugzeuge transportiert. Außerdem spezialisiert sich Wien auf Pharmatransporte, die besondere Anforderungen an die Infrastruktur stellen. Zwar legten medizinische Güter zuletzt zu, Auswirkungen auf die Gesamtfracht hatte das aber kaum. Wien setzt wie Budapest auch auf langfristige Partnerschaften: Zuletzt hat man den Abfertigungsvertrag mit Korean Air Cargo um vier Jahre verlängert.

Bratislava baut aus

Was Budapest beim Cargo, ist Bratislava beim Personenverkehr. Allein zwischen Jänner und August 2026 stieg die Zahl der Passagiere gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 101 Prozent auf 3,2 Millionen. Um mit dem Wachstum Schritt zu halten, werden Sicherheitskontrollen, Gepäckabfertigung und Passagiereinrichtungen erweitert, langfristig sind sogar größere Terminals im Gespräch.

Flughafen-Bratislava-Geschäftsführer Dušan Novota bestätigt: „Hauptgrund für das außergewöhnliche Wachstum war die deutliche Expansion unserer beiden größten Airline-Partner, Wizz Air und Ryanair.“ Wizz Air eröffnete im November 2025 eine Basis und baute ihr Netz auf mehr als 30 Linienverbindungen aus, auch Ryanair erweiterte ihr Angebot. Eine Flugabgabe wie in Österreich gibt es in der Slowakei nicht, die Standortbedingungen für Airlines sind deutlich günstiger. Luftfahrtexperte Stefan Höffinger: „Wien ist einer der teuersten Standorte, nicht zuletzt aufgrund der Ticketsteuer.“

Am Flughafen Wien machte sich das durch ein geringeres Passagieraufkommen bemerkbar: Minus 7,5 Prozent im September. Zum Vergleich: Die Lufthansa-Hubs lagen im selben Zeitraum im Schnitt lediglich bei minus zwei Prozent. Zu ihnen gehören auch München und Zürich, die ähnliche Geschäftsmodelle wie Wien haben. Begründet wird das Minus vor allem mit dem schrumpfenden Angebot der Billigfluglinien. Zusätzlicher Wermutstropfen: Vor Kurzem hat Air India angekündigt, sich aufgrund von Budgeteinsparungen komplett aus Wien zurückzuziehen.

Die unterschiedlichen Standortbedingungen verschärfen den Wettbewerb zwischen den Nachbarn. Offiziell bezeichnet Novota den Flughafen Wien nicht als Konkurrenten, räumt aber ein, dass die Nähe Herausforderungen mit sich bringt: Airlines von Bratislava zu überzeugen, sei schwierig, wenn sie bereits in Wien vertreten seien. Damit beschreibt er einen Wettbewerb, auch wenn er ihn nicht als solchen benennt. In Wien ist man deutlicher. Die Flughafen-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner sind überzeugt: „Die Flugticketabgabe hilft nicht dem Klima, sondern nur unseren Konkurrenten.“

Novota erkennt in der österreichischen Ticketabgabe eine Chance, denn Bratislava wird immer mehr zu einer eine kostengünstigen Alternative zu Wien. Und dieses Potenzial wird auch genutzt: Seit Mai gibt es eine direkte Busverbindung zwischen dem Wiener Stadtzentrum und dem Flughafen Bratislava, Tickets bekommt man ab 7,90 Euro. Höffinger hält es für möglich, dass Bratislava für preisbewusste Österreicher eine echte Alternative zu Wien werden könnte.

Wiens Antwort

Der Flughafen Wien rechnet bereits heuer mit rund zwei Millionen Passagieren weniger. Das senke das Steueraufkommen des Staats um etwa 25 Millionen Euro, rechnet der Flughafen Wien vor. Die Regierung hat der Luftfahrt zwar im Doppelbudget 2027/28 jährlich 30 Millionen Euro zugesagt, wofür das Geld eingesetzt werden soll, ist aber noch unklar. Aus Sicht der Flughafen-Wien-Vorstände besteht jedoch kein Zweifel, wo angesetzt werden sollte: Bei der Abschaffung der Flugabgabe. In einer Aussendung erklären sie, dass ein wettbewerbsfähiger Standort langfristig mehr Steuereinnahmen bringe als die Abgabe. Dafür bekommen sie auch massive politische Rückendeckung: Die Landeshauptleute von Wien und von Niederösterreich – beide Länder sind auch Kernaktionäre des Flughafens – haben sich für eine Abschaffung ausgesprochen.

Trotz der Zugewinne seiner Nachbarn verfügt Wien immer noch über ein großes Streckennetz, kurze Umsteigezeiten und eine etablierte Frachtinfrastruktur. Darauf könne sich der Flughafen Wien aber nicht verlassen, mahnt Höffinger. Denn während Österreich über Standortkosten streitet, investieren die Nachbarflughäfen eifrig in weiteres Wachstum.

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