Fahrräder und E-Bikes steuerfrei: bis zu 40 Prozent sparen

Unternehmen können ihren Mitarbeitern steuerlich begünstigt Dienstfahrräder und E-Bikes zur Verfügung stellen. Wie Dienstnehmer davon profitieren, welche Förderungen es für Unternehmen gibt, welche Anbieter am Markt sind. Plus: Bike-Leasing-Rechner.

Fahrräder und E-Bikes steuerfrei: bis zu 40 Prozent sparen

Ob herkömmliches Fahrrad oder E-Bike: Der Fiskus schafft für die Anschaffung von Dienstfahrrädern steuerliche Anrieze.

Dienstfahrrad statt Dienstauto? Was in Deutschland bereits gang und gäbe ist kommt langsam auch in Österreich an. Attraktive Finanzierungs- und Fördermodelle machen Dienstfahrräder für Unternehmen zu einer interessanten Möglichkeit, um Steuern zu sparen und den Mitarbeitern einen Bonus zukommen zu lassen. Unter dem Strich werden durch die Modelle Fahrräder und E-Bikes für Benutzer um bis zu 40 Prozent günstiger.

Steuerliche Rahmenbedingungen für betrieblich genutzte E-Bikes

Die Unternehmen können ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu günstigen Bedingungen Dienstfahrräder nach Wahl zur Verfügung stellen, wobei das Rad - ob mit E-Antrieb oder ohne - auch privat in der Freizeit nach freiem Ermessen des Mitarbeiters verwendet werden kann. Die Basis für die neuen steuerlichen Möglichkeiten liefert die im Jahr 2019 beschlossene Steuerreform, die eine solche Finanzierung auch in Österreich möglich machte. Damit kann seit Anfang 2020 der Vorsteuerabzug für betrieblich genutzte E-Bikes von 20 Prozent machen. Für die Mitarbeiter fällt kein Sachbezug an. Sie müssen sich lediglich verpflichten, das Fahrrad nach Möglichkeit für den Weg zur Arbeit und für dienstliche Wege einzusetzen. Wobei der Begriff "nach Möglichkeit" nicht näher definiert ist.

So kommen Unternehmen zur Förderung

Die Betriebe können dabei Förderungen in Anspruch nehmen, wie die Förderaktion E-Fahrräder und E-Transportfahrräder für den Betrieb von umweltförderung.at. Dazu müssen sich Unternehmen bei der Abwicklungsstelle KPC (Kommunalkredit Public Consulting zuvor registrieren und anschließend die Förderung einreichen. Registrierungen können bis längstens 31. März 2023 eingebracht werden, sofern dann noch Geld im Fördertopf ist.

Das Erklärvideo zur Förderung

Umweltförderung in Österreich

Die Voraussetzung für einen E-Mobilitätsbonus ist unter anderem dass die Bikes mindestens 48 Monate im Betrieb bleiben und der Bonusabzug auf der Rechnung des Fahrzeugimporteurs steht. Das Umweltministerium hat für die Förderung auch einen Leitfaden herausgegeben.

In 5 Schritten zum Jobrad

  • 1. Betrieb informiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • 2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wählen Wunsch-Fahrräder aus.
  • 3. Betrieb kauft die Fahrräder und stellt sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Job-Fahrräder zur Verfügung
  • 4. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlen für die Nutzung der Fahrräder eine monatliche Nutzungsgebühr
  • 5. Nach vier Jahren erwerben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Fahrräder um einen symbolischen Euro vom Betrieb

So viel Geld können sich Mitarbeiter durch das Dienstbike sparen

Die Mitarbeiter zahlen ihr Fahrrad eine monatlichen Nutzungsgebühr in 48 Monatsraten. Nach Ablauf der vier Jahre hat das Fahrrad keinen Buchwert mehr und kann von den Mitarbeitern um einen symbolischen Euro erworben werden. Unter dem Strich sparen die Mitarbeiter beim Fahrrad-Kauf so bis zu 40 Prozent des normalen Listenpreises.

Praktischer Bike-Leasing-Rechner

Berechnungen, wie hoch die Ersparnis gegenüber einem Direktkauf ist, sind mit dem Leasing-Rechner für Arbeitnehmer möglich.

Die monatlichen Leasingraten für Dienstnehmer sind frei wählbar. Der Vorsteuerabzug und die monatliche Gehaltsumwandlung senken die Rate und damit auch die Gesamtkosten für den Mitarbeiter beträchtlich. Beispiel laut Bikeleasing.at.

Mehrere Anbieter

In Österreich ist die Region Vorderwald in Vorarlberg Jobrad-Vorreiter: Hier wurde erstmals die Jobrad-Aktion für eine ganze Region angeboten und mit Testaktionen (Faltrad- und E-Bike) kombiniert. Mittlerweile gibt es mehrere Unternehmen, die Betrieben die Arbeit und den Papierkram rund um die Organisation der Diensträder und die korrekte Abwicklung der Leasing-Geschäfte abnehmen. Sie bieten dabei All-In-Pakete, ähnlich wie das Fuhrpark-Leasing-Anbieter bei Autos tun.

Der erste Anbieter war willdienstrad.at. Unternehmer und Initiator Harald Bauer ist im Februar 2021 mit einem Finanzierungsmodell und Kooperationen mit dem Fachhandel angetreten, um Österreicher zum Umsteigen auf (E-)Fahrräder zu bewegen. Es folgten unter anderem firmenradl.at, ein von der Sporthandelskette Intersport ins Leben gerufenes Modell sowie der Deutsche Pionier und Marktführer "JobRad".

Mehr als 40.000 deutsche Unternehmen – vom DAX-Konzern bis zu kleinen und mittelständischen Unternehmen – sind bereits Kunden von JobRad. „Firmenfahrrad-Leasing boomt, die Verkehrswende ist ein Thema mit großem Potenzial und Österreich ist ein hochinteressanter Markt“, betonen die JobRad-Gesellschafter Ulrich Prediger und Holger Tumat. „Als hier die gesetzlichen Voraussetzungen für Firmenfahrrad-Modelle geschaffen wurden, war für uns klar: Wir möchten auch österreichische Unternehmen und ihre Beschäftigten fürs JobRadeln begeistern.“

JobRad Geschäftsführer Ulrich Prediger hat in Deutschland bereits die Finanzierung von weit über 300.000 Diensträdern abgewickelt.

JobRad Geschäftsführer Ulrich Prediger hat in Deutschland bereits die Finanzierung von weit über 300.000 Diensträdern abgewickelt.

Bei der Wahl des Rads stehen alle Hersteller und Marken offen. JobRad arbeitet in Österreich derzeit mit 46 Fachhändlern zusammen, darunter SPORT 2000 und eBIKE now. "Wir sind mit allen großen Ketten, aber auch mit kleineren Fachhändlern im Austausch", erklärt Österreich-Geschäftsführer Edwin De Jong. Interessenten, Arbeitgeber, Angestellte und Fachhandelspartner vor Ort können sich unter at.jobrad.org über JobRad in Österreich informieren.

Zuletzt hinzugekommen ist Lease a Bike (LaB), eine Plattform für Dienstradleasing. Das Unternehmen bringt Firmen und deren Mitarbeiter, die Leasinggesellschaft und Fachhändler zusammen. „Die Unternehmer sind unsere eigentlichen Kunden, mit ihnen wird der Vertrag geschlossen“, erklärt Donna Galle, Österreich-Chefin von LaB. Der Arbeitgeber kann seinen Mitarbeitern so die Diensträder anbieten und wird von LaB beim gesamten Prozess unterstützt, etwa bei der Implementierung des Service durch Auftaktveranstaltungen und Webinare, der Erstellung eines personalisierten Online-Portals oder einer persönlichen Betrauung vor Ort. „Wir sehen uns als Full Service Anbieter und bieten jedem Unternehmen je nach Größe oder Branche speziell maßgeschneiderte Lösungen an“, so Galle. Die Mitarbeiter wählen ihr Wunschrad beim Fachhändler aus, der an die Leasinggesellschaft verkauft, über die das Rad finanziert wird.

Win-Win-Win-Win-Projekte

Und die Riege der Fahrrad-Hersteller zieht bei den Angeboten natürlich höchst interessiert mit, sind diese doch willkommene Möglichkeiten, um allen, die etwa ein altes, kaum mehr benutztes Rad im Keller und haben mit der Anschaffung eines E-Bikes liebäugeln, wieder in den Sattel zu bringen.

Stefan Limbrunner, Geschäftsführer des größten österreichischen Fahrrad-Herstellers KTM, bewertet die Initiativen daher auch als „Win-Win-Win-Win-Projekte", die besonders in Städten und Ballungszentren einen Beitrag zur Reduzierung des Verkehrs und zur Linderung der Parkplatznot leisten können: „Der Autoverkehr nimmt ab, die CO2-Belastung reduziert sich, in den Städten werden Parkplätze frei." Auch der gesundheitliche Aspekt und selbstredend der steuerliche Aspekt sprechen für ihn klar für Fahrräder als Firmenfahrzeuge": "Die Mitarbeiter werden fitter, Unternehmen sparen Steuern, der Handel profitiert und der gesundheitspolitische Effekt ist enorm.“


Das Deutsche JobRad hat zwar zehn Jahre Vorsprung, zeigt aber, dass es funktioniert

Stefan Limbrunner, Geschäftsführer des Fahrrad-Herstellers KTM

Limbrunner ist daher auch überzeugt, dass die österreichischen Modelle letztlich ähnlich erfolgreich sein werden, wie es JobRad in Deutschland bereits ist. Der Pionier hat dort bereits die Finanzierung von weit über 300.000 Fahrrädern abgewickelt. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie BMW, die Hypo Vereinsbank, der REWE-Konzern oder die Deutsche Bahn. Limbrunner: „Das Deutsche JobRad hat zwar zehn Jahre Vorsprung, zeigt aber, dass es funktioniert. Das ist eine super-feine Sache, bei der alle gewinnen.“

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