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Das zeigt, wie schwierig es für den einstigen Branchenprimus ist, auf dem extrem umkämpften chinesischen Markt wieder Tritt zu fassen. Der deutsche Autobauer war lange Zeit Platzhirsch in China: Noch 2019 war jeder fünfte verkaufte Neuwagen ein VW. Inzwischen ist der Marktanteil auf 10 Prozent in diesem Jahr zusammengeschrumpft.
Das hat auch Folgen für die Konzernbilanz: In der Vergangenheit sorgte China für etwa die Hälfte des Gewinns bei Volkswagen, nun sind es gerade einmal rund 10 Prozent. Deshalb herrscht in den Führungsetagen in der Zentrale in Wolfsburg Alarmstufe Rot, das Management um Vorstandschef Oliver Blume verfolgt einen harten Spar- und Schrumpfkurs.
Seit Verkaufsstart im April wurden nach Daten des Beratungsunternehmens ThinkerCar im Schnitt monatlich gerade einmal 267 Stück vom einstigen Hoffnungsträger UNYX 08 verkauft. Das ist ein Bruchteil der 3.622 Fahrzeuge pro Monat, die sich VW nach Reuters vorliegenden Unterlagen für 2026 vorgenommen hat.
Der Neustart kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Der chinesische Markt bricht ein. Verbrennerautos sind wegen der mit dem Iran-Krieg gestiegenen Spritpreise weniger gefragt. Die zuvor stark gestiegene Elektroauto-Nachfrage leidet unter dem Wegfall staatlicher Kaufanreize. Insgesamt herrscht in China auch wegen der Nachwehen der Immobilienkrise, einer hohen Arbeitslosigkeit vor allem bei jungen Menschen und der unklaren wirtschaftlichen Aussichten Kaufzurückhaltung.
Der Konkurrenzkampf von mehr als 100 Herstellern wird unterdessen immer schärfer. Chris Liu, Experte beim Analysehaus Omdia, weist darauf hin, dass derzeit auf dem weltweit größten Automarkt im Schnitt täglich drei neue Modelle vorgestellt würden. "Es ist das schlechtestmögliche Jahr, ein neues Modell in China auf den Markt zu bringen", sagte Liu.
Der UNYX 08 hat es gegen die Konkurrenz schwer: Der Xiaomi YU7 bietet zum gleichen Preis von rund 34.500 Dollar mehr Sensoren, der Zeekr 7X lädt deutlich schneller. Nach Daten von ThinkerCar wurden zwischen April und August fast 57.000 YU7 und mehr als 21.000 7X verkauft, verglichen mit den 1.300 UNYX 08. "Chinesische Kunden fragen sich, warum sie ein teures deutsches Auto kaufen sollen, wenn sie die Technologie viel billiger haben können", sagte Pedro Pacheco, Experte beim Analysehaus Gartner.
Dabei hat VW schon früh erkannt, dass die Tage der Benzin- und Dieselautos gezählt sind. Vor sieben Jahren kündigten die Wolfsburger an, bis 2025 in China 40 neue Elektroautos und Hybride auf den Markt zu bringen. Absatzziel waren 1,5 Millionen Pkw. Im vergangenen Jahr waren es nur 115.500.
Aber auch BMW und Mercedes-Benz haben es auf dem chinesischen E-Auto-Markt schwer. Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management, führt das auf Managementfehler zurück. Die deutschen Automanager hätten unterschätzt, wie schnell die chinesischen Hersteller das Ruder übernehmen, auch dank der staatlichen Förderung.
Ralf Brandstätter, der seit 2022 das China-Geschäft bei VW leitet, setzt auf Kooperationen, um wieder Boden gutzumachen. Insidern zufolge erwog VW 2022 eine Zusammenarbeit mit BYD und 2023 mit Leapmotor, beides zerschlug sich. Dann wurde 2023 die Kooperation mit Xpeng unterzeichnet, die eine neue Architektur für Elektroautos und schnellere Entwicklung zum Ziel hatte.
Technisch sei die Zusammenarbeit ein Erfolg, sagte einer der Insider. Volkswagen erklärte dazu, die gemeinsame Architektur CEA sei in einer Rekordzeit von 18 Monaten entwickelt worden.
Eine Ursache der Absatzschwäche ist den Insidern zufolge das lückenhafte Vertriebsnetz. Das Auto sei deshalb zu wenig bekannt. Der UNYX 08 wird vor allem über ein neues Händlernetz von Volkswagen Anhui verkauft, und nicht über die mehr als 3.000 Händler, die VW mit seinen Partnern FAW und SAIC bedient.
Laut Volkswagen hat das Anhui-Händlernetz 166 Niederlassungen. Mit FAW soll das Auto künftig über mehr Anlaufstellen angeboten werden. Der Absatz der UNYX-Modelle ziehe an, erklärte VW.
Vor zwei Jahren peilte Volkswagen 32.600 verkaufte UNYX 08 für 2026 und 70.400 für 2027 an, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Vor einigen Monaten wurden diese Prognosen auf 12.300 und 64.000 gekürzt.
Als zweites mit Xpeng entwickeltes Auto kommt demnächst der UNYX 09 heraus. Das Absatzziel ist mit 4.900 Stück pro Monat oder fast 60.000 im Jahr wieder hoch gesteckt. Ambitionierte Ziele seien notwendig, damit die Zentrale in Wolfsburg grünes Licht für ein Fahrzeugprojekt gibt, sagten zwei Insider.
VW-China-Chef Brandstätter informierte die Belegschaft im September über die schwierige Lage. Die Branche kämpfe mit einer "außergewöhnlichen" Kontraktion, hieß es in der Reuters vorliegenden Botschaft. VW erwarte, dass der chinesische Automarkt 2026 um 20 Prozent oder rund 4,5 Millionen Fahrzeuge schrumpft.
Die Gewinnmargen in der Branche seien auf 1,5 Prozent gesunken. Die Produktzyklen hätten sich von sieben auf drei Jahre verkürzt, neue Modelle verkauften sich schon nach drei Monaten kaum noch. Volkswagen müsse deswegen seine Produktionskapazitäten an die Marktrealität anpassen.
Ein ehemaliger VW-Mitarbeiter verglich die Entwicklung mit dem, was Nokia, Kodak oder BlackBerry passierte - die Marken gingen unter, weil sie Innovationen versäumten.
BEIJING - CHINA: FOTO: APA/APA/AFP/PEDRO PARDO