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Schiffe könnten teilweise nur noch mit 20 bis 30 Prozent ihrer normalen Kapazität beladen werden, einige Lade- und Entladestellen seien gar nicht mehr erreichbar. Lanxess habe bereits vor fünf Wochen ein Krisenteam eingesetzt und Transporte im großen Stil auf Straße und Schiene verlagert.
Die Mehrkosten seien mit einem einstelligen Millionenbetrag bisher verkraftbar. "Das Kritische ist allerdings eher Produktionsausfall", betonte Zachert. Bis auf einen kleineren Betrieb habe Lanxess die Produktion in Nordrhein-Westfalen bisher aufrechterhalten können. Für die kommenden ein bis zwei Wochen sei die Rohstoffversorgung gesichert. Allerdings müsse man sich täglich neu ausrichten. Das Krisenteam arbeite bereits an den Belieferungen für die nächsten vier bis sechs Wochen. "Das ist kein Walk in the Park."
Der Rhein ist ein wichtiger Transportweg für viele Rohstoffe. Die Lage an der wichtigen Engstelle Kaub hatte sich wegen der anhaltenden Trockenheit zuletzt weiter verschärft: Am Mittwoch sank der Pegelstand erstmals unter 20 Zentimeter, ein historisches Tief. Während das Niedrigwasser branchenweit für Unruhe sorgt, stand bei den Lanxess-Anlegern am Freitag ein anderes Thema im Fokus: Dass der Konzern im Gegensatz zu anderen Branchenvertretern wie BASF und Evonik seine Jahresziele nicht anhob, schickte die Papiere auf Talfahrt. Die Aktie fiel um mehr als fünf Prozent.
Dabei ging es bei Lanxess zuletzt aufwärts. "Im zweiten Quartal hat sich die erwartete Dynamik bestätigt und wir konnten von einer gestiegenen Nachfrage profitieren, auch durch temporäre Effekte infolge des Konflikts im Nahen Osten", erklärte Zachert. "Erstmals seit einem Jahr haben wir Steigerungen der Mengen und Preise wieder zeitgleich umsetzen können." Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) stieg binnen Jahresfrist um 1,3 Prozent auf 152 Millionen Euro - im Vergleich zum ersten Quartal legte es sogar um 62 Prozent zu. Lanxess übertraf damit die Analystenschätzungen von 150,6 Mio. Der Umsatz kletterte um 6,5 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro.
Unter dem Strich fiel im zweiten Quartal ein Verlust von 53 Millionen Euro an, nach einem Minus von 45 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Gründe für die roten Zahlen sind Wertberichtigungen und Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen.
Lanxess bestätigte die bisherige Prognose, die für 2026 ein bereinigtes Ergebnis zwischen 450 und 550 Mio. Euro vorsieht. Für das dritte Quartal rechnet der Vorstand mit einem operativen Gewinn zwischen 130 und 150 Mio. Euro. Zachert verteidigte die Entscheidung, den Ausblick nicht anzuheben, mit den bereits optimistischen Zielen. Zudem bleibe das Umfeld schwierig. Es sei kein nachhaltiger Aufschwung der Nachfrage in den Kernmärkten in Sicht. "Die Marktbedingungen bleiben weiter anspruchsvoll." Bis Ende des Jahres gebe es voraussichtlich keine weiteren konjunkturellen Impulse. "Dafür erwarten wir aber aus unseren Kostensenkungsprogrammen höhere Beiträge als im ersten Halbjahr."
Mit dem Sparkurs reagiert Lanxess auf die tiefe Branchenkrise, die dem Unternehmen im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch und die niedrigste Anlagenauslastung seit 30 Jahren eingebrockt hatte. Um die Kosten zu drücken, kündigte der Konzern im März den Abbau von weltweit 550 Stellen an - rund zwei Drittel davon in Deutschland. Bis Ende 2028 sollen so jährlich etwa 100 Mio. Euro eingespart werden.