Grazer Emerald Horizon startet "Test Loop"-Bau bei VDL

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Emerald Horizon beim Börsegang im Juni
 © Apa, Alexander Felten, Wiener Börse
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Das börsenotierte Energie-Technologieunternehmen Emerald Horizon hat am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Graz offiziell den Baustart für den "Test Loop", das Herzstück des Thoriumreaktors namens SMRX, bei der niederländischen VDL Groep in Eindhoven bekannt gegeben. CEO Florian Wagner sowie der Managing Director der VDL, Markjan Vermeer, unterzeichneten den Vertrag. Der Prototyp soll 2029 fertig sein und ab 2031 in Serienfertigung gehen können.

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Der SMRX ist eine Kombination aus mehreren Technologien, Speicher- und Energieproduktionsmethoden. Wagner präsentierte am Dienstag erstmals das komplette Konzept mit den "vier Armen": Wärmespeicher, Batteriespeicher, Konverter und Teilchenbeschleuniger zur Herstellung von Neutronen. In der Mitte ist die Kontrolleinheit, die mittels Künstlicher Intelligenz (KI) die Elemente optimiert und steuert. Unter den vier "Armen", die jeweils aus Containern bestehen und so einfach transportiert werden können, soll künftig der thoriumbasierte Reaktor im Boden eingelassen sein. Der Prototypenbau dieses "Loops" beginnt nun in den Niederlanden bei VDL.

Der SMRX fällt in die Gruppe der Small Modular Reactors (SMR), ist aber im Gegensatz zu anderen Modellen eine modulare, unterkritische Energiequelle auf Thoriumbasis. Der "Loop", der Kreislauf, in dem das flüssige Trägersalz zirkulieren wird, arbeitet unter Umgebungsdruck und überträgt Wärme bei Prozesstemperaturen von bis zu 900 Grad Celsius, so die Pläne. Die physikalischen Grundlagen für das Konzept wurden in Graz bei Emerald Horizon erforscht - nun soll in Kooperation mit der VDL Groep in den kommenden drei Jahren der Prototyp gebaut werden. Für Wagner ist der Schritt nun die "entscheidende Phase zwischen Labor und Fertigung". "Wenn der SMRX funktioniert, wird Emerald Horizon eines der wertvollsten Unternehmen der Welt", prognostizierte der CEO.

Ein SMRX-Modul könne bis zu 25 Megawatt (MW) thermische und rund 10 MW elektrische Leistung liefern. Damit können laut Wagner rund 10.000 Haushalte versorgt werden. Der Generator habe eine Lebenszeit von rund 20 Jahren und muss nicht "nachgefüllt" werden. Auch um die Sicherheit müsse man sich laut dem Firmenchef keine Sorgen machen. Der Reaktor komme im Gegensatz zu einem klassischen Atomkraftwerk ohne kritische Kettenreaktion aus, die ein Explosionsrisiko und das Risiko einer Kernschmelze birgt. Statt Uran oder Plutonium wird Thorium verwendet. Es entstehe kaum Abfall - die Rede ist von etwa 200 Kilogramm nach 20 Jahren.

Hans Priem von VDL schilderte bei der Pressekonferenz, dass das Projekt ein "Abenteuer" sei, doch das innovative Konzept aus Graz habe nun eine "maximale Chance, erfolgreich zu sein". Als Auftragsfertiger könne VDL mit seinem Team nun den Bau in Angriff nehmen, bringe sich aber auch mit gemeinsamer Entwicklung ein. Entwicklungen mit flüssigem Salz zur Energiespeicherung - so wie es im bereits bestellbaren Speicher von Emerald Horizon zum Einsatz kommt - seien für Priem eine Lösung für die Zukunft, in der immer mehr Energie nötig sein wird - Stichwort Datacenters und KI. Managing Director Markjan Vermeer lobte die Vorarbeit in Graz: "Wir bringen das nun in Serienreife."

Emerald Horizon, 2019 von Florian Wagner und Philipp Pölzl gegründet, verfolgt das Konzept "Energy as a Service". Das bedeutet, dass der Endkunde nicht für das Gerät an sich - dieses wird nur vermietet -, sondern nur für die entnommene Energie zahlt. Als angedachten Preis nannte Wagner rund 8,5 Cent pro Kilowattstunde. Zielgruppe sind vor allem große Unternehmen, aber auch Gemeinden oder öffentliche Infrastruktur wie ein Krankenhaus kommen als Kunden in Frage. Gedacht sind die Reaktoren jedenfalls in erster Linie als Ergänzung zur normalen Energieversorgung und nicht als Kannibalisierung anderer Energiequellen. Weitere Anwendungsgebiete sind aber neben Datacenters auch Nahrungsmittel- und Metallindustrie, der Transportsektor (beispielsweise für den Schiffsantrieb) oder auch Tankstellen, die zu E-Tankstellen umgewandelt werden.

Geografisch sieht Emerald Horizon seine Zielgruppe weltweit - Potenzial gebe es nicht nur in der hoch industrialisierten Welt, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Unter anderem könnten die Reaktoren für Afrika durchaus eine Lösung sein. Denn auf dem Kontinent gehe die Industrialisierung oft aufgrund fehlender Stromleitungen nur schleppend voran. Der Thoriumreaktor würde dieses Problem lösen, da er auch "kalt" starten könne, also ohne an das Stromnetz angeschlossen zu sein.

In Österreich selbst dürfte es aufgrund des Verfassungsgesetzes gegen Atomstrom dagegen schwierig werden, das Produkt zu vermarkten. Ziel von Emerald Horizon und VDL ist es, 2035 bereits an mehreren Standorten die Thoriumgeneratoren herzustellen. Genannt wurden dabei jedenfalls die USA, wo das Grazer Unternehmen gerade eine Niederlassung aufbaut, sowie auch im Mittleren Osten und Asien.

Das Thorium an sich komme weltweit übrigens häufig vor und werde derzeit als eine Art Abfallprodukt beim Abbau von seltenen Erden auf Halden gelagert. Es müsse daher mittelfristig nicht einmal abgebaut werden, so Wagner. Chefentwickler Mario J. Müller brachte zur Veranschaulichung zur Pressekonferenz einen Monazit-Kieselstein mit etwa zwei Gramm Gewicht mit. Dieser enthalte etwa 0,2 Gramm Thorium, das eine Energie in sich habe, um einen Drei-Personen-Haushalt ein Jahr lang zu versorgen.

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