EZB hält Zins kommende Woche wohl konstant

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
++ ARCHIVBILD ++ EZB steht vor Zinspause
 © DPA, Andreas Arnold, Apa
©DPA, Andreas Arnold, Apa
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Trotz der hartnäckig hohen Inflation im Euroraum steht die EZB vor einer Zinspause. Nachdem sie die Zügel im Juni und zuletzt im September angezogen hat, ist aus Sicht vieler Experten nun die Zeit zum Innehalten gekommen. Der für die Geldpolitik relevante Einlagensatz dürfte somit am Donnerstag bei 2,50 Prozent bleiben. EZB-Chefin Christine Lagarde hat signalisiert, dass die Zinsen nicht im Gleichschritt mit der Inflation steigen werden.

von

Sie gab damit einen Hinweis auf eine mögliche Pause. Doch dürfte die EZB schon zum Jahresende nachlegen, wenn der Inflationsdruck wie von vielen Experten erwartet noch zunimmt.

Die Teuerungsrate ist im Zuge des Ölpreisschocks zuletzt auf 3,8 Prozent gestiegen und liegt damit bereits fast doppelt so hoch, wie von der EZB angestrebt. "In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate weiter auf mindestens vier Prozent steigen", so die Prognose von Ulrike Kastens, Senior Economist Europe beim Vermögensverwalter DWS. Sie verweist darauf, dass sich allein aufgrund der Dauer des Energiepreisschocks Zweitrundeneffekte entwickeln könnten. Damit ist gemeint, dass sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln und die Inflation verfestigen. "Wachsamkeit vonseiten der EZB bleibt daher geboten", fügte die EZB-Beobachterin hinzu. Neben den Inflationssorgen rückten nun auch noch die ungünstigeren Finanzierungsbedingungen stärker in den Fokus.

Denn der jüngste Zinsanstieg am Anleihemarkt verteuert die Kreditaufnahme in der Eurozone und dämpft damit das Wirtschaftswachstum sowie die Inflation. Die Finanzierungsbedingungen hätten sich verschärft, da die langfristigen Zinsen seit der jüngsten Sitzung der EZB spürbar gestiegen seien, erläuterte Lagarde jüngst auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Bangkok. Dies werde das Wachstum bremsen. Zudem dürfte es Unternehmen erschweren, höhere Kosten – etwa für Treibstoff infolge des Iran-Krieges – an die Verbraucher weiterzugeben. Angesichts der sehr volatilen Marktumgebung gilt für die EZB die von Bundesbankchef Joachim Nagel ausgegebene Devise, flexibel und mit "ruhiger Hand" auf die Situation zu reagieren.

Insbesondere die Schuldenkrise in Frankreich, dem Heimatland Lagardes, bereitet den Währungshütern allerdings immer größeres Kopfzerbrechen: Der Schuldenberg der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist auf einen Nachkriegsrekord von 119 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Die wachsende Sorge der Anleger über die angespannte Haushaltslage hat wiederum die Renditen für französische Staatsanleihen auf neue Höchststände getrieben, was die Kreditaufnahme des Staates weiter verteuert.

"Fragen zur Situation in Frankreich dürften die Pressekonferenz bestimmen", meint DWS-Expertin Kastens mit Blick auf Lagardes Auftritt vor Journalisten im Anschluss an die Zinssitzung. Die Ausweitung der Renditedifferenzen sei auf die fiskalischen Probleme Frankreichs zurückzuführen. Die EZB verfüge jedoch über Instrumente, die sie notfalls einsetzen könnte, falls es zu Ansteckungseffekten auf andere Länder oder Marktsegmente kommen sollte, meint die DWS-Ökonomin: "In diesem unsicheren Umfeld ist eine abwartende Haltung sicherlich die angemessenste Option."

Doch die hartnäckige Inflation dürfte die Frankfurter Währungshüter zum Jahresende nochmals an der Zinsfront aus der Reserve locken: An den Finanzmärkten ist eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt fest eingepreist. Auch die Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner und Marco Wagner erwarten dies: "Die Prognose für die EZB steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Lage am Markt für französische Staatsanleihen nicht eskaliert."

Über die Autoren

Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages