Bilfinger: Jobabbau statt Aufholjagd

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++ ARCHIVBILD ++ Bilfinger kommt nur schwer aus der Talsohle raus
 © DPA, Uwe Anspach, Apa
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Die Hoffnungen des deutschen Industriedienstleisters Bilfinger auf eine Aufholjagd im zweiten Halbjahr sind jäh zerstoben. Stattdessen schwenkt Vorstandschef Thomas Schulz auf einen Sparkurs ein und streicht weltweit 1.500 Arbeitsplätze. Damit "erhöhen wir die Flexibilität unserer Organisation, um auf Marktveränderungen - wie den anhaltenden Konflikt im Mittleren Osten - künftig schneller und unabhängiger reagieren zu können", sagte Schulz.

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Die deutlich gesenkten Gewinnerwartungen für das laufende Jahr schockten die Börsianer: Die im Nebenwerteindex MDAX notierte Bilfinger-Aktie brach am Donnerstag um bis zu 26,4 Prozent auf 55,60 Euro ein, den tiefsten Stand seit fast eineinhalb Jahren. Seit Februar hat sich die Aktie mehr als halbiert.

Die Entwicklung sei im Sommer deutlich hinter den ursprünglichen Annahmen zurückgeblieben, weil der Iran-Krieg länger dauere als gedacht, räumte Bilfinger am Mittwochabend ein. Der Krieg bremst Bilfinger, Vorstandschef Schulz hatte aber auf eine Belebung des Geschäfts gesetzt, etwa durch den Wiederaufbau der Infrastruktur im Nahen Osten. Die Kunden hätten sich aber auch im dritten Quartal zurückgehalten, sowohl bei Neuaufträgen als auch beim Abruf von Rahmenverträgen. Das drücke auf die Renditen, weil Mitarbeiter nicht ausgelastet seien.

Die Schwäche in Europa sei offenbar nicht nur vorübergehend, sagte Analyst Pal Skirta von Bernstein SG. "In einem Quartal, in dem verschobene Arbeiten eigentlich hätten kommen sollen, kam es stattdessen zu weiteren Verschiebungen." Damit fehlten den Optimisten die Argumente für die Annahme, dass die Aufträge eher verschoben worden und nicht verloren seien. Das Management habe in einer Analystenkonferenz auf politische Faktoren verwiesen: langwierige Entscheidungsprozesse in Deutschland, den Iran-Konflikt und hohe Energiepreise.

Mit einem Sparprogramm namens "Agile" will sich Bilfinger nun gegen die Flaute stemmen. Es gehe um "die Anpassung von Kapazitäten an veränderte Marktbedingungen", die ohnehin geplant gewesen sei, nun aber vorgezogen werde, erklärte der Konzern. Die Streichung von weltweit 1.500 der 31.000 Stellen dezimiert den Gewinn in diesem Jahr aber um 75 Millionen Euro, die im vierten Quartal als Rückstellungen gebucht werden. Ab 2028 soll das Programm dann 75 Millionen Euro mehr Gewinn im Jahr bringen.

Für 2026 rechnet Bilfinger nur noch mit einem Umsatz von 5,3 bis 5,7 (bisher 5,4 bis 5,9) Milliarden Euro. Die Umsatzrendite vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITA-Marge) soll aber nur noch zwischen 3,2 und 3,6 Prozent liegen. Bisher hatte Bilfinger 5,8 (2025: 5,5) Prozent angepeilt. Auch ohne die Kosten für das Sparprogramm würde die Marge aber mit 4,6 bis 5,0 Prozent hinter dem bisherigen Zielwert herhinken. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) würde damit auf 245 bis 285 (299) Millionen Euro schrumpfen.

Die Mittelfristziele blieben unverändert, erklärte Bilfinger: Bis 2030 soll der Umsatz pro Jahr - auch mit Hilfe von Zukäufen - im Schnitt um acht bis zehn Prozent zulegen. Die EBITA-Marge soll dann zwischen acht und neun Prozent liegen. Die Ziele blieben anspruchsvoll, bis sich die Auslastung wieder sichtbar normalisiert habe, sagte Analyst Skirta.

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