Trend Logo

Heinrich Steinfest: „Ich bin noch mit dem Sparefroh aufgewachsen“

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
0 min

Heinrich Steinfest

©APA / Eva Manhart
  1. home
  2. Lifestyle
  3. Kunst & Kultur

Mit sprachspielerischen Formulierungen und Blick für absurde Details gilt Heinrich Steinfest als einer der originellsten Erzähler seiner Generation. Was dem Autor zum Thema Geld durch den Kopf geht.

von

trend

Welche Bilder löst denn das Thema Geld bei Ihnen aus? Haben Sie selbst eine gute Hand fürs Geld?

Heinrich Steinfest

Beim Wort Geld muss ich augenblicklich an dieses Foto denken, das einen Bewohner der Yap-Inseln im Pazifik mit einer gewaltigen, tonnenschweren Münze aus Stein zeigt: unbewegliches Geld. Wäre das nicht eine Lösung? Ich glaub, ich gehe da so einen Mittelweg, was das Geld betrifft, hab also eine mittelgute Hand. Werd nicht arm und werd nicht reich und schau zu, nicht in Schrecken zu erstarren angesichts des drohenden Monatsendes.

trend

Was ärgert Sie am aktuellen Wirtschaftssystem?

Heinrich Steinfest

Was mich schon immer geärgert hat: Ungleichheit, die wiederum zu Unfrieden führt. Seitdem wir Sprache und Technik entwickelt haben, entscheidet die Wirtschaft über Glück oder Unglück der Menschen. Jeder Konflikt resultiert genau betrachtet aus einem unvernünftigen Wirtschaften – siehe den Kampf um die Wasserstelle, als wäre nicht genug Wasser für alle da, wenn man’s nur vernünftig verteilt.

trend

Was machen Sie mit Ihrem Geld? Beschäftigen Sie sich auch mit der Börse oder Bitcoins?

Heinrich Steinfest

Keine Aktien, keine Bitcoins, ich bin ein Mann von gestern, der noch mit dem Sparefroh aufgewachsen ist. Also spare ich, so gut’s geht.

trend

Was halten Sie für ein sinnvolles Investment?

Heinrich Steinfest

Kinder. Wenn man nämlich gesellschaftlich denkt. Na ja, und Whisky finde ich auch ganz gut.

trend

Warum heißt es hierzulande immer noch: Über Geld spricht man nicht?

Heinrich Steinfest

Heißt es das? Ich hab ganz im Gegenteil das Gefühl, dass ständig übers Geld gesprochen wird, über das, das man hat, und noch mehr über das, das man nicht hat. Das ist mitunter echt eine Plage, diese Fokussierung aufs liebe Geld.

trend

Wissen Sie noch, was Sie mit Ihrem ersten selbst verdienten Geld gemacht haben?

Heinrich Steinfest

Da war ich dreizehn und habe es gemäß meiner Dreizehnjährigkeit in diverse Süßigkeiten umgewandelt. Denn das ist ja der Sinn von Geld, die Verwandlung.

trend

In Ihrem neuen Roman „Sprung ins Leere“ geht es um eine abenteuerliche familiäre Spurensuche rund um eine künstlerische Hinterlassenschaft. Was wollen Sie abseits Ihrer Bücher einmal hinterlassen?

Heinrich Steinfest

Ordnung. Das ist wirklich so ein Ziel von mir, eine Ordnung zu hinterlassen. Da gibt es eine Äußerung aus einem frühen Roman von mir, wo der Erzähler rät: „Räume deine Küche auf, bevor es zu spät ist.“ Ich hoffe, Sie verstehen, was ich meine.

trend

Was halten Sie denn für Ihren ganz persönlichen Reichtum?

Heinrich Steinfest

Na ja, trotz aller Mühe und Plage und Ungewissheit am und im Leben gewesen zu sein. Das Leben selbst – die Dinge erfahren zu haben, geatmet und gedacht zu haben, bei Bewusstsein gewesen zu sein – stellt den Reichtum dar.

trend

Wofür geben Sie gerne Geld aus? Und wofür sind Sie sich zu „neidig?

Heinrich Steinfest

Essen gehen mit der Familie, und zwar gut essen gehen. Zu neidig wiederum bin ich für „sehr gut essen gehen“, weil ich gewisse Skrupel gegenüber Lokalen habe, in denen die Vorspeise mehr kostet als ein gebundenes Buch.

trend

Was würden Sie auch für viel Geld nicht machen?

Heinrich Steinfest

Meine eigene Biografie verfassen. So was wie „Mein Weg“ oder „Ich, Heinrich“ und so weiter.

trend

Was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?

Heinrich Steinfest

Da muss ich jetzt wirklich lange nachdenken, weil ich wohl all meine Verrücktheiten und Maßlosigkeiten in meine Literatur gefügt habe … aber um nun doch zu antworten: aus purer Lust daran, sich wie in einem Spielfilm zu fühlen, in ein Taxi gestiegen zu sein, einen größeren Geldschein nach vorn gereicht und den Fahrer angewiesen zu haben: „Fahren Sie mich einfach in der Gegend herum!“

trend

Haben Frauen ein anderes Verhältnis zu Geld als Männer?

Heinrich Steinfest

Vielleicht etwas zärtlicher? Und da meine ich jetzt die Männer. In dem Sinne zärtlicher, wie man zärtlich über eine Motorhaube streicht.

trend

Was bedeutet Luxus für Sie?

Heinrich Steinfest

Vom Schreiben leben können.

trend

Und wofür würden Sie Ihren letzten Cent ausgeben?

Heinrich Steinfest

Ich weiß, das ist symbolisch gemeint. Aber mich plagt die Gegenfrage, was man denn heutzutage für einen Cent überhaupt bekommt. Ich glaube, ich würde den Groschen einfach behalten, um mich daran zu erinnern, wie das ganze Unglück begann. Das nennt man dann, glaube ich, Katharsis.

Das Interview ist der trend. EDITION vom März 2024 entnommen.
Zur Magazin-Vorschau: Die aktuelle trend. Ausgabe
Zum trend. Abo-Shop

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat