
„Wenn man es nicht versucht, hat man es nicht probiert.“ – Dieser Leitsatz begleitet Lisa Buchner sowohl im Extremsport als auch in ihrer Arbeit als Speakerin und Trainerin.
©Ian EhmWas braucht es, um unter Druck klare Entscheidungen zu treffen und auch in unsicheren Situationen handlungsfähig zu bleiben? In der Interviewreihe Performance-Talks von SPORTS.Selection & trend. spricht Extremsportlerin, Managerin und Keynote Speakerin Lisa Buchner über Mut, Resilienz, Leadership und den bewussten Umgang mit Rückschlägen. Ihr Credo: Mentale Stärke entsteht nicht ohne Herausforderungen, sondern durch den Mut, die eigene Komfortzone immer wieder zu verlassen.
In einer Arbeitswelt, die von Veränderung, Komplexität und steigenden Anforderungen geprägt ist, gewinnen Resilienz, Mut und Entscheidungsstärke zunehmend an Bedeutung. Die mentale Dynamik dahinter liegt oft näher am Spitzensport, als man vermuten würde. Genau hier setzt die Interviewreihe „Performance-Talks“ von trend. und SPORTS.Selection an: Sie zeigt, welche Erfolgsgeheimnisse Athlet:innen und Expert:innen auszeichnen und welche Impulse daraus für den Berufsalltag entstehen.
In dieser Ausgabe spricht Extremsportlerin, Managerin und Keynote Speakerin Lisa Buchner über Mut, Leadership und Handlungsfähigkeit unter Druck. Als erste und bislang einzige Wingsuit-Trainerin Österreichs kennt sie Situationen, in denen Entscheidungen innerhalb von Sekunden getroffen werden müssen. Zugleich bringt sie mehr als 15 Jahre Erfahrung in internationalen Managementpositionen mit.
Für Buchner entsteht nachhaltiger Erfolg nicht allein durch Leistung, sondern vor allem durch den Umgang mit Rückschlägen, Weiterentwicklung und den Mut, die eigene Komfortzone zu verlassen. Im Gespräch erklärt sie, warum Resilienz trainierbar ist, kleine Schritte oft große Veränderungen bewirken und was Führungskräfte vom Extremsport über Leadership und Entscheidungsfindung lernen können.
Die Wiener Agentur SPORTS.Selection hat sich darauf spezialisiert, Erfahrungen aus dem Hochleistungssport für Unternehmen und Organisationen nutzbar zu machen. Gemeinsam mit einem Netzwerk aus mehr als 75 Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft und Gesundheit bringt sie Perspektiven aus einer Welt ein, in der Fokus, Resilienz und Performance täglich unter realem Druck erprobt werden. Was Spitzensportler:innen über Jahre trainieren, kann auch Führungskräften, Teams und ambitionierten Mitarbeiter:innen helfen, den eigenen Umgang mit Druck, Energie und Leistung bewusster zu gestalten.
Im Porträt: Mag. Lisa Buchner, MA
Lisa Buchner vereint zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: internationale Managementerfahrung und Extremsport auf höchstem Niveau.
Mit mehr als 15 Jahren Berufserfahrung in internationalen Unternehmen sowie über 1.700 Fallschirmsprüngen, drei österreichischen Rekorden im Wingsuitfliegen und Teilnahmen an Weltmeisterschaften steht sie für Leistung, Fokus und Entscheidungsstärke. Als erste und bislang einzige Wingsuit-Trainerin Österreichs begleitet sie Menschen dabei, ihre Komfortzone zu verlassen und neue Grenzen zu überwinden.
Heute gibt sie ihre Erfahrungen als Keynote Speakerin weiter. In ihren Vorträgen und Workshops verbindet sie Erkenntnisse aus Spitzensport und Management und zeigt, wie Mut, Resilienz, Leadership und Verantwortung zu nachhaltigem Erfolg beitragen können.
Das Interview: „Es gibt immer einen Weg!“
Erfolg basiert im Sport wie in der Wirtschaft meist auf harten Fakten. Was ist deine persönliche Philosophie, um nicht nur an die Spitze zu kommen, sondern auch dort zu bleiben?
Nachhaltiger Erfolg entsteht für mich nicht allein durch Leistung, sondern vor allem durch den Umgang mit Rückschlägen. Viele Menschen betrachten Rückschläge als Hindernis oder Zeichen des Scheiterns. Ich sehe sie als einen unverzichtbaren Teil von Entwicklung. Jeder Fehler, jede Niederlage und jede unerwartete Herausforderung liefert wertvolle Informationen darüber, was funktioniert und was eben nicht funktioniert hat. Wer lernt, schwierige Situationen bewusst anzunehmen und daraus zu lernen, entwickelt etwas, das langfristig deutlich wertvoller ist als kurzfristiger Erfolg: Resilienz. Gleichzeitig entsteht dadurch Mut. Denn sobald man erlebt hat, dass man schwierige Situationen überwinden kann, wächst automatisch die Bereitschaft, sich größeren Herausforderungen zu stellen – auch dann, wenn der Ausgang ungewiss ist. Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen kurzfristigem Erfolg und echter Beständigkeit. Nicht die Vermeidung von Problemen macht Menschen erfolgreich, sondern die Fähigkeit, an ihnen zu wachsen. Wer Rückschläge als Trainingsfeld nutzt, entwickelt Selbstvertrauen, mentale Stärke und die Bereitschaft, sich immer wieder neu weiterzuentwickeln.
Gesundheit ist das Fundament für Leistung. Wie sieht deine konkrete Strategie aus, um körperlich und mental in Bestform zu bleiben?
Für mich ist die Balance zwischen Belastung und Entlastung entscheidend – sowohl körperlich als auch mental. Die größte Herausforderung besteht darin, den Moment zu erkennen, in dem Belastung in Überlastung kippt. Genau diese Grenze wird im Alltag häufig übersehen. Deshalb plane ich bewusst kleine Ruheinseln ein. Das kann ein Kaffee ohne Handy sein, einige Minuten Stretching zwischen Terminen oder ein kurzer Spaziergang. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern die Konsequenz. Diese Momente der Regeneration verdienen denselben Stellenwert wie berufliche Termine. Mental hilft mir vor allem die Fähigkeit, bewusst einen Schritt zurückzutreten und Situationen aus einer Metaperspektive zu betrachten. Oft erkennt man dadurch, dass vieles weniger dramatisch ist, als es sich im ersten Moment anfühlt. Gleichzeitig versuche ich, meinen Fokus gezielt auf positive Aspekte zu richten. Selbst an schwierigen Tagen gibt es immer etwas, das gut gelaufen ist – und wenn es nur ein guter Kaffee ist.
Rund 75 Prozent der Österreicher:innen bewegen sich zu wenig. Wo fangen Personen an, die etwas ändern wollen?
Im Kleinen. Und manchmal sogar im ganz Kleinen. Das kann bedeuten, die Stiegen statt des Lifts zu nehmen oder bei Fahrten mit den Öffis eine Station früher auszusteigen und den Rest zu Fuß zu gehen. Entscheidend ist, die eigenen Ansprüche am Anfang bewusst niedrig anzusetzen. Bewegung muss zuerst Teil des Alltags werden, bevor man sie steigert. Viele Menschen scheitern nicht am fehlenden Willen, sondern daran, dass sie sich zu viel vornehmen. Deshalb liegt der Schlüssel für mich ganz klar in der Kontinuität und nicht in der Leistung. Auch ein zehnminütiger Spaziergang kann an manchen Tagen ein großer Erfolg sein. Wer sich zu schnell zu hohe Ziele setzt, wird oft frustriert und gibt auf. Nachhaltige Veränderung entsteht durch Regelmäßigkeit. Deshalb lautet mein Rat: Nicht perfekt starten, sondern einfach beginnen und dranzubleiben.
Welchen Ratschlag gibst du der nächsten Generation mit auf den Weg?
Trau dich. Trau dich, deinen eigenen Weg zu gehen. Trau dich, sichtbar zu sein. Trau dich, deine Meinung zu vertreten. Mut ist keine angeborene Eigenschaft. Er lässt sich trainieren. Baue bewusst kleine Mut-Challenges in deinen Alltag ein. Geh in Situationen, die Überwindung kosten. Frag Kolleg:innen um Hilfe, wenn es dir schwerfällt. Geh alleine essen. Lass das Handy bewusst einmal in der Tasche. Es geht nicht darum, sich zu überfordern, sondern Schritt für Schritt die eigene Komfortzone zu erweitern. Genau in diesen kleinen Momenten wächst Selbstvertrauen. Oft liegen die größten Chancen genau dort, wo wir zunächst Unsicherheit verspüren. Wer regelmäßig Mut trainiert, entwickelt nicht nur mehr Selbstvertrauen, sondern auch mehr Resilienz und die Fähigkeit, Herausforderungen gelassener zu begegnen.
Was können Führungskräfte konkret vom Extremsport lernen, wenn es um Leadership, Verantwortung und Teamdynamik geht?
Als Wingsuit-Trainerin begleite ich Menschen in Situationen, die für sie völlig neu und oft auch beängstigend sind. In solchen Momenten geht es um Leadership. Führung bedeutet für mich, Sicherheit zu geben, Vertrauen aufzubauen und Menschen Schritt für Schritt dabei zu unterstützen, ihre Komfortzone zu erweitern. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Fähigkeit, Menschen richtig einzuschätzen. Manche benötigen mehr Orientierung, andere mehr Freiraum. Gute Führung erkennt diese Unterschiede und schafft den passenden Rahmen. Menschen entwickeln sich dort am besten, wo sie sich sicher fühlen und gleichzeitig gefordert werden. Genau diese Balance ist entscheidend – im Extremsport genauso wie in Unternehmen. Gerade in Zeiten von Veränderung wird diese Form von Leadership immer wichtiger. Führung bedeutet heute weit mehr als Kontrolle oder Anweisung. Es geht darum, Orientierung zu geben, Vertrauen aufzubauen und Entwicklung zu ermöglichen.
Im Extremsport müssen Entscheidungen oft in Sekundenbruchteilen getroffen werden. Welche Prinzipien helfen dir dabei?
Viele glauben, solche Entscheidungen basieren ausschließlich auf Intuition. Tatsächlich beruhen sie vor allem auf Vorbereitung. Je besser Abläufe trainiert sind, desto mehr Handlungssicherheit entsteht unter Druck. Ein weiterer wichtiger Faktor ist Fokus. In stressigen Situationen muss man Komplexität reduzieren und sich auf das konzentrieren, was wirklich entscheidend ist. Und schließlich braucht es Vertrauen in die eigene Entscheidung. Perfekte Entscheidungen gibt es selten. Klarheit und Entschlossenheit sind oft wichtiger als Perfektion. Zweifel kosten Zeit und Energie – beides ist in kritischen Situationen meist knapp. Genau diese Prinzipien lassen sich auch auf den Unternehmensalltag übertragen. Gute Vorbereitung, klarer Fokus und die Fähigkeit, auch unter Unsicherheit konsequent zu handeln, zählen sowohl im Extremsport als auch im Business zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Wie wichtig ist Mut im Leadership und wie können wir lernen, mutiger zu werden?
Mut ist für mich eine der wichtigsten Führungs- und Unternehmerqualitäten. Wer Verantwortung übernimmt, muss Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, neue Wege gehen und auch dann handeln, wenn nicht alle Antworten bereits feststehen. Dabei geht es nicht darum, keine Angst zu haben. Im Gegenteil: Angst und Unsicherheit liefern wertvolle Informationen. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Weil Mut für erfolgreiche Führung und Unternehmertum so essenziell ist, habe ich das zweitägige Programm MUT. entwickelt. Am ersten Tag beschäftigen wir uns mit Mut, Angst und Unsicherheit sowie mit Methoden, die ich aus meinen Erfahrungen im internationalen Management und Extremsport entwickelt habe. Am zweiten Tag wird Mut erlebbar: Die Teilnehmer:innen absolvieren gemeinsam einen Fallschirmsprung. Denn Mut entsteht nicht durch Theorie allein, sondern durch persönliche Erfahrung. Wer erlebt, dass er mehr kann, als er sich zugetraut hat, gewinnt nicht nur selbst an Mut, sondern lernt auch, andere dabei zu unterstützen, über sich hinauszuwachsen.
Fazit:
Das Gespräch mit Lisa Buchner zeigt, dass nachhaltiger Erfolg weit mehr ist als Leistung oder Talent. Entscheidend ist die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, mit Rückschlägen konstruktiv umzugehen und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.
Gerade für Führungskräfte, Teams und Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selbst liegt darin eine wertvolle Erkenntnis: Mentale Stärke entsteht nicht durch die Abwesenheit von Herausforderungen, sondern durch den bewussten Umgang mit ihnen. Wer bereit ist, seine Komfortzone regelmäßig zu erweitern, entwickelt genau jene Fähigkeiten, die langfristig über Erfolg entscheiden – im Sport ebenso wie im Business.