
Privatanleger können nun über spezielle Fonds in nicht börsennotierte Unternehmen wie Open AI, Anthropic, Velvet Care oder die Song-Lizenzrechte-Tochter von Warner investieren.
Das Wort ELTIF ist ein sperriger Begriff. Doch hinter der Abkürzung für European Longterm Investment Fund verbirgt sich die in Europa am rasantesten wachsende Anlageform. Das in ELTIFs verwaltete Vermögen stieg
laut der Ratingagentur Scope 2025 um 55 Prozent auf 34 Milliarden Euro.
ELTIFs sind eine neue Investmentmöglichkeit, bei der auch Kleinanleger in Private Debt, also die Kreditvergabe an Unternehmen über Nichtbanken, in staatliche Infrastrukturprojekte oder auch in Private Equity, also direkte Unternehmensbeteiligungen investieren können. Bislang waren Investments in diesen Bereichen meist erst ab Größenordnungen von 500.000 Euro und mehr möglich. Denn sie können zwar hohe Gewinne bringen, aber auch zu großen Verlusten führen. JP-Morgan-Boss Jamie Dimon warnte wiederholt, dass speziell der Private-Debt-Bereich Gefahren in sich birgt. Im Schnitt liegen die Gewinne von Private-Market-Invstments zwischen zehn und 15 Prozent im Jahr.
BOOM.
Die EU hat bereits vor rund zehn Jahren rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, in denen das Risiko für derartige Investments für Kleinanleger begrenzt wurde. Mit dem Ziel, dass auch ihr Kapital gezielt langfristig zu Wirtschaftswachstum beitragen kann. Jetzt beginnt die Strategie zu wirken. Laut Scope wurden im vergangene Jahr 113 ELTIFs neu aufgelegt, fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Insgesamt waren bis Ende 2025 268 Produkte auf dem Markt.
ELTIFs sind ein Anlageprodukt aus dem Segment der Privatmärkte. Das Gegenstück dazu sind die öffentlichen Märkte – die Börsen. Ein Börsengang wird auch als „Going Public“ bezeichnet. Über ELTIFs kann man, ähnlich wie bei Private Equity, in nicht börsennotierte Unternehmen investieren. Die Privatmärkte gewinnen seit Jahren immer mehr an Bedeutung. So sind rund 93 Prozent aller Unternehmen in Europa mit mehr als 100 Millionen US-Dollar Umsatz nicht börsennotiert, können nun aber für Anleger zugänglich werden.
Die Überlegung bei Veranlagung in Privatmärkten ist klar: Ein großer Teil des Unternehmenswachstums und seiner Bewertung entsteht, noch bevor es an die Börse geht. Ein aktuelles Beispiel dazu: Die Google-Mutter Alphabet hat sich im Jahr 2015 mit knapp einer Milliarde US-Dollar an Elon Musks Raumfahrtunternehmen Space X beteiligt. Alphabet hält damit nun rund sieben Prozent an Space X. Wenn das Unternehmen an die Börse geht, könnte es eine Bewertung zwischen 1,5 und zwei Billionen US-Dollar erreichen. Alphabets frühe Beteiligung über den Privatmarkt wäre dann rund 110 Milliarden US-Dollar wert. Das Beispiel zeigt: Mit Beteiligungen in Privatmärkten sind die Gewinnchancen ungleich höher als an den Börsen.
Natürlich können derartige Beteiligungen auch schiefgehen. Aber dennoch, Investoren gehen immer mehr in Private Markets: Das weltweit in den Privatmärkten eingesammelte Kapital lag 2024 bei 840 Milliarden US-Dollar. Das globale Emissionsvolumen von Aktien liegt hingegen bei 505 Milliarden US-Dollar. Während institutionelle Investoren bereits zwischen zehn und 20 Prozent ihres Vermögens in Private Markets investieren, ist dieser Anteil bei Privatanlegern noch gering: Er liegt knapp unter drei Prozent. In Österreich gibt es bislang nur ELTIFs ausländischer Kapitalanlagegesellschaften. Etwa den „Amundi Private Market ELTIF“, den „Multi Alternatives Growth“ von Blackrock oder den „Commit for Tomorrow“ ELTIF von Oddo BHF.
NEWCOMER.
Nun hat mit der Erste Asset Management Gesellschaft (EAM) auch eine bedeutende österreichische Kapitalanlagegesellschaft einen ELTIF gelauncht, den „Erste Private Markets Evergreen ELTIF“ (ISIN: LU3284407171). Die Umsetzung des ELTIFs erfolgt in Kooperation mit der Partners Group, einem weltweit führenden Anbieter im Bereich Private Markets mit rund 185 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen. „Mit dem neuen Evergreen ELTIF ermöglichen wir erstmals auch Privatanlegern eine breite diversifizierte Beteiligung an globalen Privatmarktinvestments“, sagt Thomas Kraus, Mitglied der Geschäftsführung der Erste Asset Management. Die Mindestanlage beträgt 10.000 Euro. Das Kapital sollte mindestens zehn Jahre im Fonds bleiben. Ausstiege sind unter gewissen Vorzeichen quartalsweise möglich.
Der Begriff Evergreen im Fondsnamen bedeutet, dass Zeichner des Fonds in ein bereits bestehendes Portfolio investieren. Bei einem klassischen Private-Equity-Fonds zahlen die Anleger zunächst Kapital ein. Der Fondsmanager sucht dann nach geeigneten Unternehmen für Beteiligungen. Dadurch kommt es zu Beginn meist zu Verlusten. Die Performance entwickelt sich ähnlich einer J-Kurve zunächst nach unten. Zu den Unternehmen, an denen der ELTIF der EAM Beteiligungen hält, zählen etwa Velvet Care, der größte Hygienepapierhersteller in CEE. Auch an dem niederländischen Unternehmen Eteck ist der Erste-ELTIF beteiligt. Eteck entwickelt Energy-as-a-Service-Modelle für den Gewerbeimmobilienbereich. Es ist auf Wärmepumpen für niedrige Temperaturen spezialisiert. Die glamouröseste Beteiligung ist aber die an Warner Brothers Discovery. Die Warner-Tochter hält ein Portfolio von mehr als tausend Musikrechten der meistgesehenen TV-Sendungen und Filmproduktionen.
Doch es gibt noch einen weiteren spektakulären ELTIF, der in Österreich gerade das Licht der Welt erblickt hat. Das Berliner Finanzunternehmen Nao und Cathie Woods US-Investmentgesellschaft Ark Invest haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, mit der Privatanleger systematischen Zugang zu nicht börsennotierten Tech-Unternehmen wie Open AI, Space X oder Anthropic erhalten. Der „Ark Private Innovation ELTIF“ investiert vorwiegend in mittelreife bis späte Wachstumsunternehmen, die noch nicht börsennotiert sind. Im Mittelpunkt stehen Technologien aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Robotik, Energiespeicherung und Blockchain. Auch hier richtet sich der ELTIF ganz an Kleinanleger. Man kann sogar ab einem Euro investieren – wahlweise als Einmalanlage oder als Sparplan.