
Das Facelift des Continental GT, nun ausschließlich als Hybrid erhältlich, gibt Anlass, sich dem Fahrgefühl und dem Mythos der Marke Bentley zu widmen.
Beginnen wir beim Ursprung aller Bentleys, dem Stammwerk in Crewe nahe Manchester: Dort findet die Endfertigung statt, zu beträchtlichem Anteil per Hand. Man muss es gesehen haben, um es wertzuschätzen. Allein die Lager für die seltenen Hölzer sind beeindruckend und schon für sich einen Werksbesuch wert. Und natürlich die Halle per se, in der einst die Rolls-Royce-Merlin-Flugmotoren der legendären Spitfire gebaut wurden. „Handcrafted in Crewe“ steht für was. Und dennoch setzt der Continental GT, so der Name des zweitürigen Luxus-Coupés, seit 2017 auf eine Porsche-Plattform (nämlich auf jene des Panamera). Das heißt allerlei Technik zur Erhöhung der Fahrdynamik, Luftfederung mit Zweikammer-Dämpfersystem, aktive Wankstabilisierung dank 48-V-System, variable Drehmomentverteilung mittels elektronisch geregelten Sperrdifferenzials an der Hinterachse, enorme Bremsen (Scheiben mit 420 Millimeter Durchmesser vorne, 380 Millimeter hinten) und zackige Doppelkupplung statt butterweicher Wandlerautomatik. Und natürlich der Motor, technisch mit dem Doppel-Turbo-V8-Benziner aus dem Konzern eng verwandt, etwas mehr auf Drehmoment und Komfort getrimmt, kombiniert mit einer E-Maschine und Akku.
Am Steuer
fühlt man das einzigartige Bentley-Feeling, und dazu tragen die Ausstattungsvarianten vergleichsweise wenig bei. Azure, Mulliner, Speed oder auch die Basisvariante sind etwas anders gestaltet, aber das ist für den Gesamteindruck eher unwesentlich.
Das Cockpit, eine Wohltat: Alles fühlt sich so wunderbar hochwertig an, und dann noch die analogen Dreifachinstrumente, die zum Vorschein kommen, wenn man den Bildschirm per Knopfdruck dazu auffordert, sich um die horizontale Achse zu drehen. Beim Abdrehen des Motors das gleiche Spiel noch mal, es bleibt dann eine schlichte Fläche. Schon allein dieses Feature macht den Continental einzigartig. So geht Luxus. Bildschirm weg, Instrumente her.
Fahrdynamisch wird das Erlebnis Bentley von Souveränität und dieser Heftigkeit dominiert. So viel Masse schnell zu bewegen, das muss man sich trauen. Man kann zwar auch auf Teufel komm raus fahren, aber das fühlt sich dann doch wenig natürlich an, man rast in einem Bentley nicht, man fährt zügig. Die Masse sorgt dann für Ruhe. Auch wenn der Motor hinter der Vorderachse sitzt und so der Schwerpunkt für ein agileres Fahrverhalten mehr in die Automitte verlegt wurde, lenkt dieser Bentley niemals -nervös ein. Der V8-Hybrid lädt per se eher zum ambitionierten Cruisen als zum Heizen ein, viel Drehmoment unten raus, da spürt man den E-Motor schon tatkräftig mithelfen, und dort, nämlich südlich von 4.000 Umdrehungen, da spielt es auch den Sound, diesen grollig-dumpfen und niemals aufgeregten Sound, den man sich in einem Bentley erwartet. Mitunter einer der Aspekte, die den V8 verraten, ansonsten hat man hier nur das Gefühl, unendlich Power zu haben, jede andere Facette wird weggefiltert. Kein künstlicher Sound im Innenraum, wunderbar! Es gäbe da auch die Fahrmodi Comfort, Sport und Individual, aber los geht’s stets im Bentley-Mode, der so ziemlich die goldene Mitte darstellt.
Man kann zeigen, was man hat, ohne aufdringlich zu sein. Der Bentley Continental GT ist in seiner Form und seiner Präsenz nobel zurückhaltend (zumindest in einer edlen, dunklen Farbe, der Grünton auf den Fotos ist vielleicht nicht das beste Beispiel). Und da wäre trotz des konservativen Labels noch eine erfrischende, fast rebellische Unangepasstheit.