
Seit den Aktienverkäufen von Hans Peter Haselsteiner ist der Kurs der Strabag-Aktie sogar noch weiter nach oben geklettert.
©trend/Sebastian ReichMit Aktienverkäufen im Ausmaß von 322 Millionen Euro ist Strabag-Manager Hans Peter Haselsteiner der Börsengewinner des Jahres 2025 in Wien. Aber nur wenige Insider profitierten wie er vom Rekordkursanstieg an der Wiener Börse.
Nicht einmal die Rekordperformance von mehr als 45 Prozent im ATX konnte die Wiener Börsenparty im vergangenen Jahr so richtig anheizen. Insider, sprich Vorstände, Aufsichtsräte und deren Angehörige von börsennotierten Unternehmen, waren bei Aktienkäufen und noch viel mehr bei -verkäufen erneut äußerst zurückhaltend. Das ergab eine Auswertung, die der trend anhand der bei der Wiener Börse gemeldeten Director’s Dealings vorgenommen hat. Lediglich sechs Managern gelang es demnach, mit dem Verkauf ihrer Aktien oder Optionen mehr als eine Million Euro zu erlösen. Allen voran Strabag-Generalbevollmächtigter Hans Peter Haselsteiner, der mit zwei Megadeals im März und im Oktober des vergangenen Jahres mehr als 320 Millionen Euro einnahm. Nicht weniger als 4,5 Millionen Strabag-Aktien verkaufte die Haselsteiner-Familien-Privatstiftung, deren Anteil am Baukonzern nun bei 26,9 Prozent liegt. Für den Bauunternehmer waren die Transaktionen wohl Balsam auf seine Seele, musste er bei seinem Investment in die inzwischen insolvente Signa bekanntlich Millionenverluste erleiden. Dennoch hätte Haselsteiner, der angeblich wieder täglich in seinem Büro im Strabag-Headquarter anzutreffen ist, mit dem Verkauf der Aktienpakete sogar noch mehr erzielen können, denn die Strabag-Aktie, die letztes Jahr einer der Topperformer im ATX war, legte seit der Veräußerung weiter zu und liegt nun bei mehr als 81 Euro. Einen Teil des Verkaufserlöses hat Haselsteiner übrigens inzwischen in das Start-up Permedio reinvestiert.
Ähnlich erging es übrigens dem Zweitplatzierten im Ranking der Börsengewinner, Haselsteiners Konkurrenten von der Porr. Karl-Heinz Strauss, der 1,175 Millionen Porr-Aktien zu je 26,5 Euro verkaufte und zusehen musste, wie der Kurs seither auf mehr als 33 Euro kletterte.
Bawag-Manager kaufen weiter zu
Die einzige Frau im Ranking der letztjährigen Börsengewinner, Michaela Friepeß, Vorständin der Pierer Industrieholding und Aufsichtsrätin der börsennotierten Pierer Mobility, bewies da ein besseres Gespür für Peaks: Sie verkaufte ihr Aktienpaket im Sommer zu mehr als 18 Euro je Stück und kassierte dafür fast eine Million Euro. Dieser Kurs wurde seither nicht mehr wieder erzielt.
Zu den eifrigsten Insiderkäufern an der Wiener Börse zählte im letzten Jahr einmal mehr Anas Abuzaakouk, der Chef der Bawag. Er kaufte um mehr als fünf Millionen Euro Aktien seines Instituts zu. Manche Pakete bekam er noch um deutlich unter 100 Euro das Stück. Inzwischen ist der Kurs der Bawag auf mehr als 130 Euro hinaufgeklettert. Auch seine Vorstandskollegen Enver Sirucic und Sat Shah kauften gleich mehrfach zu. Das gesamte Management kommt damit bereits auf fast fünf Prozent an der Bawag,
Doch nicht überall ist das Engagement für das eigene Unternehmen so groß, wie Florian Beckermann, Präsident des Interessenverbands der Anleger, bekrittelt: „Die Aktienquote von Vorständen und Aufsichtsräten ist lächerlich. Die Rahmenbedingungen sollten erleichtert werden“, fordert er. In Deutschland etwa hat die deutsche Finanzaufsicht BaFin heuer die Meldeschwelle für Director’s Dealings von 20.000 auf 50.000 Euro pro Jahr angehoben. Das soll den Aufwand für Emittenten verringern. In Österreich ist das aktuell kein Thema, heißt es dazu aus der FMA.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 16. Jänner 2026 erschienen.
