
Der Börsengang von SpaceX soll mit einem Erlös von 30 Milliarden US-Dollar der bislang größte der Geschichte werden.
©APA-Images/AP/Chris O'MearaHeuer drängen so viele Unternehmen an die Börsen wie selten zuvor. Und die Bewertungen sprengen alle Rekorde. Doch mit den IPOs steht auch die Akzeptanz der Investoren von KI und Neobanken auf dem Prüfstand.
Der Countdown läuft. Das Jahr 2026 dürfte ein Rekordjahr für Börsengänge werden, ein Party-Reigen von IPOs mit gigantischen Bewertungen. Die Liste der Kandidaten ist gespickt mit top Companies und prominenten Namen: SpaceX von Tesla-Boss Elon Musk, OpenAI mit KI-Guru Sam Altman an der Spitze oder der OpenAI-Dissident Dario Amodei und sein KI-Entwicklungsunternehmen Anthropic.
Aber auch in Europa herrscht an den Märkten Stimmung. Zwei Highlights: Nikolay Storonsky will seine Neobank Revolut gleich in London und in New York an die Börse bringen. Und BitpandaMastermind Eric Demuth dürfte in Frankfurt einen Börsengang anpeilen. Ob auch an der Wiener Börse gefeiert wird, bleibt offen.
Schon 2025 hat der IPO-Markt an Fahrt aufgenommen. Trotzdem wurden viele bereits geplante IPOs verschoben. Und die drängen heuer an die Börsen. Manuel Schleifer, Aktienmarktstratege bei der Raiffeisenbank International (RBI): „Auch wenn es zunächst paradox klingt: Die derzeit hohen Bewertungen, nicht nur im Tech-Bereich, sind ein großer Vorteil für IPOs. Unternehmen, die an die Börse gehen, wollen möglichst viel erlösen. Und je höher die Bewertungen sind, desto höher sind auch die bei einem IPO zu erzielende Beträge.“
Den größten Hype gibt es derzeit um den Börsegang um SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen peilt eine Bewertung von rund 1,5 Billionen Dollar an. Zuletzt hatte Musk den KI-Entwickler xAI mit dem Unternehmen fusioniert. Musk erwartet scih von dem IPO mehr als 30 Milliarden US-Dollar. Es wäre damit der größte der Geschichte und würde jenen von Saudi Aramco im Jahr 2019 übertreffen. Armaco nahm beim IPO damals rund 29 Milliarden US-Dollar ein.
Der große Börsentest für die KI-Milliarden
Doch die Börsengänge der KI-Entwickler wie OpenAI oder Anthropic, aber auch die von kleineren Unternehmen aus dem Bereiche künstlicher Intelligenz wie Databricks oder Dataiku versprechen die größte Spannung. Denn sie werfen ein Scheinwerferlicht auf die aktuell dringlichste Frage: Glauben die Aktienkäufer von OpenAI, Anthropic & Co., dass die Milliardenausgaben für die Entwicklung von künstlicher Intelligenz monetarisiert werden können? Bernhard Ruttenstorfer, Experte für Technologie-Aktien und Fondsmanager des Erste Stock Techno bei der Erste Asset Management Gesellschaft: „Die Börsengänge im KI-Sektor sind ein Gradmesser dafür, ob die hohen Bewertungen von den Investoren auch akzeptiert werden.“ Anders gesagt: Wenn OpenAI oder Anthropic den Schritt an die Börse wagen, sind das nicht einfach Tech-IPOs, sondern wichtige Indikatoren für den Erfolg der gesamten KI-Story.
Von einem negativen Ausschlag könnten in weiterer Folge auch die großen Tech-Companies betroffen sein, denn es gibt starke finanzielle Verflechtungen mit den KI-Pionieren. Der Onlinehändler Amazon liebäugelt gerade mit einem Einstieg bei OpenAI in der Höhe von 50 Milliarden US-Dollar. Auch der Chipkonzern Nvidia plante eine Kapitalbeteiligung in zweistelliger Millionenhöhe. CEO Jensen Huang ruderte aber zurück. Laut einem Bericht des „Wall Street Journals“ zeigte er sich unzufrieden mit der Geschäftsgebarung des ChatGPT-Erfinders.
OpenAI-Boss Altman peilt dennoch eine Bewertung seines Unternehmens von 750 bis 800 Milliarden US-Dollar an. Sollte die bei einem IPO nicht erreicht werden, könnte sich das auf die Kurse der großen Techgiganten negativ durchschlagen. Raiffeisen-Experte Schleifer: „Wenn die IPOs, vor allem in der Phase danach, kein voller Erfolg werden, könnte es schon einmal an den Märkten um 20 Prozent nach unten gehen. Aber nicht langfristig. Denn die großen Techkonzerne haben Geschäftsmodelle, bei denen sie auch ohne KI hervorragend verdienen. Wir sind der Meinung, das KI eine nachhaltige strukturelle Entwicklung ist.“
Im Finanzbereich stehen mit den kommenden IPOs von Revolut, Raisin oder auch Bitpanda die Neobanken auf dem Prüfstand. Revolut-Gründer Nikolay Storonsky hat den alten Banken den Krieg erklärt. Er möchte eine globale Onlinebank aufziehen, in der alles rascher, effizienter und kundenfreundlicher abläuft als bei klassischen Geldinstituten.
Revolut hat bei der Bewertung von knapp 75 Milliarden US-Dollar bereits mit der Deutschen Bank gleichgezogen. Durch den geplanten IPO in London und New York peilt Storonsky sogar eine Verdopprlung der Bewertung in den kommenden Jahren an. Nicht ganz ohne Eigennutz. Er verfügt ähnlich wie Elon Musk über einen Vertrag, der ihm bei Erreichen einer Bewertung von Revolut in der Höhe von 150 Milliarden US-Dollar einen Anteil von zehn Prozent an der Bank garantiert.
Bitpanda-Gründer Eric Demuth strebt beim Börsengang in Frankfurt eine Bewertung von vier Milliarden Euro an. Er sieht sich mit seiner Krypto-TradingPlattform eher als Partner der Großbanken. Doch für den IPO wird auch die generelle Stimmung für die Krypto-Welt ausschlaggebend sein. Und die ist frostig.
Betrachtet man die Statistik, zeigt sich, dass bei der Mehrzahl der IPOs nach einem anfänglichen Hype die Kurse absackten: RBI-Experte Schleifer meint daher: „Anleger sollten zunächst abwarten und die Entwicklung beobachten.“
Rüstungsboom und Industrieerlöse
Auch in der Old Economy stehen heuer eine Reihe von Börsengängen an. Große Industrielle wollen die Gunst der Stunde nutzen und sich von Anteilen an ihren Unternehmen trennen, nicht zuletzt in der Rüstungsindustrie. Der tschechische Unternehmer Michael Strnad hatte die von seinem Vater gegründete Munitionsfabrik Czechoslovak Group (CSG) im Jänner in Amsterdam an die Börse gebracht. Die Aktie stieg an ihrem ersten Handelstag um 30 Prozent. Insgesamt hat Strnad damit 3,3 Milliarden Euro eingesammelt.
Als sicher gilt der Börsengang des Leopard-Panzerbauers KNDS. Eigentümer sind je zur Hälfte der französische Staat und die drei Familien Bode, Braunbehrens und Sethe, die auf der Liste der reichsten Familien Deutschlands Platz 24 einnehmen, aber die Öffentlichkeit meiden wie Panzerbauer den Frieden. Der geheimnisumwitterte Clan sieht gerade jetzt den richtigen Zeitpunkt, um sich durch einen Börsengang schrittweise aus dem Rüstungsunternehmen zurückzuziehen. Verständlich. Die mit dem IPO beauftragten Banken haben KNDS mit 20 Milliarden Euro bewertet.
Und nicht zuletzt hat der österreichische Industrielle Michael Tojner mit Asta Energy Solutions Ende Jänner in Frankfurt einen höchst erfolgreichen Börsengang aufs Parkett gelegt. Der Verkaufserlös von 45 Prozent des auf Kupferkomponenten für die Energieinfrastruktur spezialisierten Unternehmens betrug 190 Millionen Euro. Abzüglich der 55 Millionen Euro für Kernaktionäre wie Siemens Energy, die sich bereits im Vorfeld beteiligt haben, war der IPO für Tojner ein solides Geschäft.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 6. Februar 2026 erschienen.
