
Rechenzentren, Energiewende, Rüstungsindustrie, Smartphones und Notebooks treiben die Nachfrage nach Kupfer, Lithium und Seltenen Erden an. Die besten Fonds und ETFs, um am Preisanstieg zu verdienen.
Im Bergbau steht eine Megafusion bevor. Der brasilianische Minenbetreiber Rio Tinto lotet eine Übernahme des Schweizer Konkurrenten Glencore aus. Zusammen kämen die beiden Konzerne auf einen Börsenwert von 207 Milliarden US-Dollar und wären der größte Minenbetreiber der Welt.
Hintergrund der Fusion ist die rasant steigende Nachfrage nach Industriemetallen. Rio Tinto hält ein Drittel an der weltgrößten Kupfermine Merida und ist auch in den Abbau von Lithium eingestiegen. Glencore ist einer der weltweit führenden Kupferproduzenten und plant, seine Förderung auszubauen.
In den vergangenen Monaten hat eine massive Nachfrage nach Industriemetallen die Preise rasant nach oben getrieben. Vor dem Einbruch hat sich der Silberpreis mit einem Anstieg von 30 auf 95 US-Dollar in einem Jahr verdreifacht. Kupfer hat um 45 Prozent zugelegt. Lithium verteuerte sich in einem Jahr um 95 Prozent.
Der Run auf Rohstoffe zeigt sich auch am Interesse von US-Präsident Donald Trump an Grönland. Die Insel gilt als die Schatzkammer der Arktis, denn sie verfügt nicht nur über gewaltige Erdölvorkommen, sondern laut dem Geologycal Survey von Grönland auch über 25 von 34 der von der EU als kritische Rohstoffe eingestuften Erze und Gesteine. Allein der Abbau gilt aufgrund der weitgehend fehlenden Infrastruktur und der Tiefe der Lagerstätten als extrem schwierig. Möglicherweise hat auch das Trump zu einem Zurückrudern bei seinen Grönland-Plänen bewegt.
Was die Kurse antreibt
Die Aussichten für einen weiteren Anstieg der Preise für Industriemetalle sind gut. Sie „werden durch tiefgreifendere, längerfristige Faktoren gestützt“, heißt es in einer Analyse des Vermögensverwalter Wisdomtree. Hauptfaktor dabei ist der zunehmende Einsatz von KI und Rechenzentren, wodurch der Stromverbrauch massiv steigen wird. Erneuerbare-Technologien der Energiewende benötigen ebenfalls große Metallmengen. Und nicht zuletzt treibt die weltweite Aufrüstung die Lithium-, Kupfer- und Aluminiumnachfrage nach oben. Die Rohstoffpreise haben sich trotz aller Verwerfungen – weltweite Konflikte, erratische US-Politik, Handelskriege und Zölle – als widerstandsfähig erwiesen. Auch der schwache US-Dollar stützt die Nachfrage, denn in den lokalen Währungen der größten Abbaugebiete werden Rohstoffe so billiger.
Kupfer ist derzeit der am heißesten gehandelte Industrierohstoff an den Finanzmärkten. Denn aufgrund der Energiewende und des steigenden Strombedarfs dürfte sich die Kupfernachfrage laut der Internationalen Energieagentur (IEA) vervielfachen. Gleichzeitig geht die Fördermenge zurück, unter anderem wegen sinkender Kupfergehalte im Erz. Bereits 2035 dürfte daher die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage bei 30 Prozent liegen. Für Anleger, die darauf setzen wollen, gibt es einige rein auf Kupfer spezialisierte ETFs. Der Sprott Copper Miners ETF der britischen Fondsgesellschaft HANetf zählt zu den erfolgreichsten am Markt. Er enthält die größten Kupferförderer wie BHP, Ivanhoe Mines, Ero Copper oder Freeport-MacMoRan und hat in einem Jahr um 123 Prozent zugelegt.
Geologen
Wer das Investment in Industriemetalle breiter anlegen will, dem bietet sich mit dem Essential-Metal-Producers-ETF von iShares eine günstige Variante. Der von der Earth Resource Investments AG (ERI) für Union Investment aktiv gemanagte Earth-Exploration-Fond ist zwar teurer, aber eine Anlage der Sonderklasse. Die ERI mit Sitz in Zug in der Schweiz ist eine ausschließlich auf den Rohstoff sektor spezialisierte Fondsboutique. Gründer Joachim Berlenbach hat als Geologe in Minen in Südafrika und später bei Investmentbanken gearbeitet. Danach hatte er die Idee, eine Fondsgesellschaft zu gründen, in der Geologen und Bergbauingenieuren die Investmententscheidungen treffen. Die Experten analysieren, welches Potenzial eines Minenbetreibers im Aktienkurs noch nicht eingepreist ist.
Häufig handelt es sich dabei um geologische oder bergbauingenieurstechnische Aspekte. Berlenbach: „Wenn ein Erzkörper hochgradig ist und gleichzeitig das Umfeld stimmt, etwa in Bezug auf geopolitische Risiken, Managementqualität oder Infrastruktur, investieren wir oft bereits vor der Veröffentlichung neuer Bohrergebnisse. Dadurch verschaffen wir uns einen zeitlichen Vorsprung gegenüber anderen Investoren.“
ERI managt drei Fonds, die sich auf verschiedene Rohstoffbereiche konzentrieren: den Earth Gold Fund (Jahresplus 185 Prozent), den Earth Strategic Resources Fund (140 Prozent in einem Jahr) und den Earth Exploration Fund (100 Prozent in zwölf Monaten). Für Berlenbach zählt Silber trotz des Einbruchs zu jenen Metallen, die von der Energiewende am stärksten profitieren: „Ob Solarzellen, Windturbinen oder Elektromotoren – überall werden Metalle mit hoher Leitfähigkeit benötigt. Silber besitzt die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle.“ Er hat daher Mitte 2025 im Goldfonds teilweise Positionen aus Goldin Silberaktien umgeschichtet, da Silber begonnen hat, Gold outzuperformen.
Seltene Erden
Beim Rohstoffboom spielen auch Seltene Erden eine wichtige Rolle. Smartphones, Notebooks, LED-Leuchten, Elektromotoren, KIRoboter, autonome Fahrzeuge oder modernste Verteidigungssysteme würden ohne Seltene Erden nicht funktionieren.
Der Quasimonopolist bei Seltenen Erden ist China. Die Volksrepublik verfügt nicht nur über 90 Prozent des weltweiten Vorkommens, sondern auch über die größten Verarbeitungswerke. Die US-Regierung steckt daher Milliarden in den Aufbau von eigenen Lieferkette für Seltene Erden. Es fließt massiv Kapital in Projekte innerhalb der USA, aber auch in Unternehmen in Australien oder Kanada. Der Rare-Earth-and-Strategic-Metals-ETF von VanEck ist entsprechend dieser Entwicklung zusammengesetzt. Er enthält neben den wichtigsten chinesischen Produzenten Seltener Erden an vorderster Stelle auch die US-Bergbaukonzerne Albermarle und MP Materials oder die australischen auf den Abbau Seltener Erden spezialisierten Bergbauunternehmen Lynas und Liontown Resources. Die Mischung stimmt: In einem Jahr hat der Kurs um 100 Prozent zugelegt.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 6. Februar 2026 erschienen.
