Welche Chancen fondsgebundene Lebensversicherungen bieten

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Das staatliche Pensionssystem kommt immer stärker unter Druck. Private Vorsorge wird für einen entspannten Lebensabend immer wichtiger. Fondsgebundene Lebensversicherungen bieten Chancen für einen Vermögensaufbau mit lebenslanger Absicherung.

Verdrängen kann in vielen Fällen ein hilfreicher Mechanismus zur Alltagsbewältigung sein. Wenn es um die Zukunft geht, kann er gefährlich werden. Eine aktuelle Studie von Raiffeisen Versicherung und Raiffeisen Capital Management zur privaten Altersvorsorge in Österreich zeigt, dass sich nur wenige Menschen bewusst mit ihrer finanziellen Situation in späteren Jahren auseinandersetzen. Hannes Cizek, CEO von Raiffeisen Capital Management: „Viele Österreicherinnen und Österreicher haben nur eine diffuse Vorstellung davon, mit welchen monatlichen Beträgen sie in der Pension rechnen können und wie hoch die zu erwartende Lücke im Vergleich zum derzeitigen Einkommen sein wird.“

Pensionsschock

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Drei Viertel der Frauen gaben an, dass ihnen finanzielle Vorsorge wichtig ist – aber nur 39 Prozent haben sich bislang intensiv damit beschäftigt. Für die Experten ist das kein individuelles Versäumnis, sondern Folge herrschender Rahmenbedingungen: Frauen verfügen im Durchschnitt über geringere Einkommen. Hinzu kommt: Frauen kümmern sich nach wie vor überproportional um Familie und Angehörige und beschäftigen sich seltener regelmäßig mit Finanzthemen.

Doch das staatliche Pensionssystem gerät immer mehr an seine Grenzen. Die dringend notwendige Reform hängt wie ein Damoklesschwert seit vielen Jahren über Österreich, ohne dass etwas geschieht. Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin Wiener Städtische: „Wir finanzieren die Pensionen derzeit über neue Schulden – und laden der jungen Generation damit eine doppelte Bürde auf: Sie muss künftig immer mehr Pensionisten erhalten und zugleich die Schulden abtragen. Das hat mit Generationengerechtigkeit nichts zu tun.“

Hinzu kommen die steigende Lebenserwartung und der Rückgang der Geburtenrate, die eine private Altersvorsorge immer wichtiger machen. René Knapp, Vorstand für Personenversicherung und Asset Management bei der Uniqa Insurance Group AG: „Private Vorsorge gewinnt wieder deutlich an Bedeutung, wir sehen eine wachsende Nachfrage nach flexiblen Lösungen.“ Versicherungen bieten vermehrt ein breites Spektrum an Vorsorgeprodukten, von klassischen Lebensversicherungen mit garantierter Sicherheit bis hin zu fondsgebundenen Lebensversicherungen mit attraktiven Renditechancen.

Kapitalmarkt

Dabei gewinnen die Fondspolizzen immer mehr an Bedeutung. Denn langfristig führt – auch mit Blick auf die Inflation – kein Weg an kapitalmarktnahen Produkten vorbei. Der große Vorteil von fondsgebundenen Lebensversicherungen: Man zahlt für die Prämien zwar die Versicherungssteuer in Höhe von vier Prozent. Die Auszahlung ist nach einer Behaltefrist von zehn Jahren aber weitgehend steuerfrei. Versicherungen bieten zur Vorsorge auch Hybridprodukte an, also Kombinationen aus klassischer und fondsgebundener Lebensversicherung. Vor allem für jüngere Menschen mit einem langen Vorsorgehorizont sowie mit einer gewissen Risikobereitschaft und Ertragserwartung empfiehlt sich aber eine fondsgebundene Lebensversicherung.

Die Wiener Städtische hat bei der Neuausrichtung ihrer Vorsorgestrategie die fondsgebundene Lebensversicherung stark in den Fokus gerückt. Um bessere Renditechancen zu bieten, wurde die Fondsauswahl stark vergrößert. 120 Investmentfonds und 16 ETFs stehen nun zur Auswahl. Alle relevanten Märkte wie Europa, Amerika, Asien und Pazifik und Schwellenländer können damit abgedeckt werden.

Auch Fonds mit Themenschwerpunkten wie etwa Gesundheit, Technologie, Umwelt, Energie oder künstliche Intelligenz können zum Kapitalaufbau genutzt werden. Im Portfolio finden sich etwa ein Goldminenfonds von BlackRock, der über fünf Jahre eine durchschnittliche Rendite von 20 Prozent gebracht hat, der Erste Green Invest, der seit seiner Auflage jährlich um knapp zehn Prozent zugelegt hat, oder auch der ETF der Black-Rock-Tochter iShares 50 Global Titans. Seit seiner Auflage ist der ETF im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr gestiegen. Bei einem Großteil der Fondspalette sind auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt.

Auch Uniqa setzt vermehrt auf fondsgebundene Lebensversicherungen. Dafür hat sie etwa den ETF von Amundi MSCI World SRI Climate Paris Aligned mit einer durchschnittlichen Rendite von zehn Prozent über drei Jahre im Programm. Oder den defensiver ausgerichteten Raiffeisen-Green-Bonds mit einem durchschnittlichen Plus von knapp vier Prozent.

Bei den Fondspolizzen der Generali Versicherung kommen beispielsweise die Aktien-, Misch- und Sachwerte-Fonds der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft zum Einsatz. Man kann für den Vermögensaufbau aber auch unter Fonds von Flossbach von Storch, BlackRock oder Amundi wählen.

Uniqa-Vorstand Knapp zu den Vorteilen von Fondspolizzen: „Die fondsgebundene Lebensversicherung verbindet die Chancen des Kapitalmarkts mit der Struktur- und Planungssicherheit eines Versicherungsrahmens. Und der Versicherungsrahmen schafft zugleich steuerliche Effizienz.“

Hinzu kommt noch die Verrentung. Genauso wie bei der klassischen Lebensversicherung wird aus dem angesparten Kapital einer Fondspolizze eine lebenslange Rente ausbezahlt. Das garantiert finanzielle Sicherheit, unabhängig davon, wie alt man wird.

Einer der wichtigsten Punkte, die bei finanzieller Vorsorge bedacht werden sollten, lautet: Wer früh beginnt, hat am Ende mehr. Um im Alter ein zusätzliches finanzielles Polster zu haben, ist die Bereitschaft, mit einer privaten Vorsorge zu beginnen, der alles entscheidende Punkt. Denn Reformen im staatlichen Pensionssystem werden kommen. Wiener-Städtische-Vorständin Brandtmayer: „Notwendig wären eine Anhebung des Pensionsantrittsalters und eine stärkere Integration kapitalmarktorientierter Modelle auch in der ersten Vorsorgesäule, der staatlichen Pension.“

Der Text ist im trend.PREMIUM vom 6. März 2026 erschienen.

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