Holz-Baron Franz Mayr-Melnhof

Mayr-Melnhof spricht. Die Holz-Gruppe von Franz VI. Mayr-Melnhof hat den Sprung an die europäische Spitze geschafft. Für den steirischen Baron der Anlass, sich erstmals öffentlich über Firma, Familie und Pläne zu äußern.

Es ist irgendwie skurril. Über Franz VI. Mayr-Melnhof will niemand so wirklich gern ­sprechen. Weder Freunde noch Verwandte. Nicht, dass sie den jungen Mann, der von vielen als Herr Baron tituliert wird, nicht schätzen würden oder nichts Gutes über ihn zu berichten wüssten. Vielmehr meinen sie, er sähe seinen Namen nicht gern in der Presse, was sie eben zu respektieren hätten. „Das müssen Sie verstehen, er meidet die Medien und lebt mit seiner Familie zurückgezogen“, erklärt ein entfernter Verwandter höflich. Von Franz VI. gibt es keine Zitate in irgendwelchen Gazetten, auch Fotomaterial, ob im Internet oder sonstwo, ist rar. Als erstes Medium hatte FORMAT nun aber die Möglichkeit, mit dem zurückhaltenden Euro-Milliardär über die Geschäfte seiner Firmengruppe zu sprechen.

Nummer eins in Europa. Der Grund, warum der blaublütige Steirer sich erstmals an die Öffentlichkeit wagt: Im April übernahm seine Mayr-Melnhof Holz Holding die deutsche Stallinger-Kaufmann-Industrie. Durch den Kauf wurde Mayr-Melnhof zum europäischen Marktführer in der Holzverarbeitung. „Auch in der Sägewerkindustrie liegen wir jetzt an ­dritter Stelle und haben somit den Sprung in die Champions League geschafft“, freut sich der 31-Jährige. Und er will auch gleich mit dem gängigen Vorurteil aufräumen, dass die Holzbranche langweilig sei: „Wir sprechen allein in Österreich von einem Produktionswert von mehr als sieben Milliarden Euro in der gesamten Branche“.

Auf seinen Adelsstand gibt der Clanchef einer der reichsten und legenden­umwobensten österreichischen Unternehmerfamilien nicht viel. „Nennen Sie mich nicht Herr Baron“, bittet er bei ei­nem Rundgang durch die Leobener Firmenzentrale. Stolz ist er auf seinen Stammbaum dennoch: Der Name Hans Mayr wurde erstmals im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Genaue Aufzeichnungen existieren seit Franz Mayr, der Hammerwerke bei Bruck an der Mur betrieb und 1837 das erste steirische Stahlwerk bauen ließ. Dessen Sohn Franz II. gründete die heutige Holz Holding in Leoben und wurde ob seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben. Als „von Melnhof“ begann er auch, Forste zu erwerben. Noch heute besitzt die Familie Wälder in der Steiermark, Franz VI. Mayr-Melnhof ist mit 32.400 Hektar Österreichs größter Privatwaldbesitzer. 1888 setzte Franz III. mit der Gründung einer Pappefabrik in Frohnleiten schließlich den Grundstein für die börsennotierte Mayr-Melnhof Karton AG, an der knapp fünfzig Fami­lienmitglieder sechzig Prozent halten. Alleine diese Anteile des Clans sind ak­tuell 792 Millionen Euro wert.

Familientragödie. In den Brennpunkt des öffentlichen Interesses gerieten die Mayr-Melnhofs im Jahr 1993 aus tragischem Anlass: Der Vater des Barons verunglückte in seinem Ferrari im Kanaltal tödlich – für den damals 16-jährigen Haupterben ein schwerer Schlag. „Leider ist er viel zu früh gestorben“, sagt Franz VI. heute gefasst. Der Berufsweg des Stammhalters war damit vorgezeichnet. Während Großvater Carl-Anton Goess-Saurau zwischenzeitlich das Ruder übernahm, schloss Franz VI. Schule und Wirtschaftsausbildung ab und wurde später Aufsichtsratsmitglied in der Holzfirma seines Vaters. „Zu seinen Lebzeiten gab es nur die Sägewerke, heute verarbeiten wir das Holz weiter und sind darin die Nummer eins in Europa“, sagt er nicht ohne gewissen Stolz.

Der Deal, der Mayr-Melnhof an die Spitze katapultierte, die Übernahme der Stallinger-Gruppe, brachte Vorstandsvorsitzender Josef Dringel über die Bühne. „Unser Umsatzvolumen ist damit von 400 auf 650 Millionen Euro gestiegen. Jetzt werden wir vor allem unsere Posi­tion in Russland stark ausbauen“, so Vorstandschef Dringel, selbst Privatwald­besitzer. Noch im Herbst soll, gleich neben der Papierfabrik von Mondi, 300 Kilometer östlich von Sankt Petersburg ein neues Sägewerk entstehen. Die dort zugeschnittenen Holzteile sind vor allem für die boomende Baubranche bestimmt. „Bauen mit Holz hat in Russland Tradi­tion“, erzählt Dringel.

Gute Geschäfte. Franz VI. Mayr-Melnhof verdient aber nicht nur mit Holz gut. Der Baron mischt mit seinen fünf Ge­schwistern, zwei davon sind Halbbrüder, auch in der Immobilienszene mit. Sie be­sitzen landesweit Zinshäuser und Grundstücke. „Es ist nichts Exotisches dabei“, so Mayr-Melnhof. Dessen Vermögen inklusive aller Beteiligungen wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt (siehe Kasten Seite 8). Sein immenser Reich-tum ist dem Baron aber nicht anzumerken. „Er ist ein ganz normaler, liebevoller und ausgewogener Mensch“, erklärt Erbprinz Johannes Schwarzenberg die un­kapriziöse Art seines guten Freundes. Ehefrau Eva Wiltrud, mit der Franz VI. zwei kleine Kinder hat, stammt aus dem Bürgertum. Romuald Bertl, einst Steuerberater seines Vaters und Vermögensverwalter des milliardenschweren Erbes, meint über Franz VI: „Er ist eine Unternehmerpersönlichkeit und seinem Vater im Wesen sehr ähnlich.“ Nur die Vorliebe für schnelle Autos teilt der Junior nicht. So wurde auch einer der Ferraris von Franz V., ein schwarzer 412i mit roten Ledersitzen, verkauft. Heutiger Besitzer: „profil“-Herausgeber Christian Rainer.

Von S. Jelincic, A. Kramer

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