Zahlungsmoral: rote Laterne für Chinesen und Südeuropäer

Zahlungsmoral: rote Laterne für Chinesen und Südeuropäer

Die Zahlungsmoral der Unternehmen stieg 2018, fünf EU-Länder zählten trotzdem zu jenen mit der schlechtesten Zahlungsmoral. Manche erfüllen das Klischee beim Zahlen von Rechnungen lange zuzuwarten. In bestimmten Branchen wird das Zahlen ebenfalls gerne auf die lange Bank geschoben.

Die Zahlungsmoral weltweit ist im Vorjahr gestiegen - wenn auch nur um einen Tag. Aber immerhin. Gemessen wird das durch die sogenannten „Days of Sales Outstanding“ – also die Forderungslaufzeit zwischen Rechnungslegung und der tatsächlichen Bezahlung. 2018 dauerte es weltweit durchschnittlich 65 Tagen bis die Rechnung beglichen wurde. Das ergab eine Untersuchung des Kreditversicherers Acredia.


2017 hatte allerdings den höchsten Stand seit zehn Jahren markiert. Die schlechte Zahlungsmoral war damals am Höhepunkt. Die leichte Verbesserung des Zahlungsverhaltens dürfte sich auch 2019 fortsetzen. Wenn man sich allerdings auch nicht all zu viel erwarten darf. Für 2019 wird darin eine Forderungslaufzeit von durchschnittlich 64 Tagen prognostiziert (minus ein Tag). Zu diesem Schluss kommt der österreichische Kreditversicherer Acredia in einer aktuellen Studie, die gemeinsam mit Weltmarktführer Euler Hermes durchgeführt wurde.

Brexit und Handelsstreit haben Unternehmen weniger großzügig bei Zahlungszielen gemacht
„In wirtschaftlich guten Zeiten drücken Unternehmen bei ihren Kunden gerne mal ein Auge zu. Sie gewähren längere Zahlungsziele und dulden auch eher eine schlechtere Zahlungsmoral“, sagt Gudrun Meierschitz, Acredia-Chefin. Die große Unsicherheit, die 2018 durch den Brexit, den Handelskonflikt und die plötzlich stark steigenden Handelsbarrieren entstanden ist, hat jedoch das Risikobewusstsein vielerorts wieder geschärft. Das hat zu einer stärkeren Disziplin bei den Zahlungszielen geführt. "In schlechten Zeiten scheuen Unternehmen das Risiko, haben weniger Vertrauen und bringen lieber ihre Schäfchen ins Trockene und wollen rascher das Geld", so Meierschitz. Nur ungünstig, dass die Kunden genau dann das Gegenteil wollen und längere Zahlungsziele wollen – insbesondere, wenn sie selbst recht knapp bei Kasse sind.“

Diese beiden gegensätzlichen Trends haben dazu geführt, dass sich der weltweite Durchschnitt der Zeit vom Rechnungseingang bis zur Zahlung nur leicht verbessert hat.

Branchen: Elektronikbranche, Maschinenbau und Baugewerbe zahlen spät
Weltweit müssen Unternehmen in der Elektronikbranche (89 Tage) sowie im Maschinenbau (86) und Baugewerbe (82) besonders lange auf ihr Geld warten. Letztere Branche war 2018 zudem von der höchsten Anzahl an Großpleiten betroffen: Im vergangenen Jahr meldeten weltweit 51 große Bauunternehmer Insolvenz an.

China: rote Laterne für Spätzahler – fünf EU-Länder in den „Negativ-Top-10“
„Die rote Laterne geht erneut an China“, kommentiert Acredia-Vorstand Ludwig Mertes die Detailergebnisse der aktuellen Studie: „Unternehmen müssen in China im Schnitt ganze drei Monate auf ihr Geld warten. Allerdings folgen nur knapp dahinter gleich fünf Mittelmeerstaaten, darunter zahlreiche Europäer. Sie sind zum Teil in schlechte alte Gewohnheiten zurückgefallen und erfüllen 2018 vielerorts das Klischee, dass Südeuropäer bei der Zahlungsmoral nicht gerade zu den Klassenbesten gehören.“

Spitzenreiter ist China. Firmen aus dem Reich der Mitte zahlen im Schnitt erst nach 92 Tagen ihre Rechnung. Auch die Griechen lassen sich Zeit. Sie zahlen nach 90 Tagen, Italiener nach 86 Tagen. In Marokko sind es 84 Tage, in der Türkei 79 und Spanien bequemt man sich nach 78 Tagen zu zahlen. Damit führen diese Länder die Liste der schlechtesten Zahler an.

Zahlungsmoral in Italien eklantant verschlechtert
Es folgt Saudi-Arabien (77 Tage) und Taiwan (74), Frankreich und Portugal (je 73) in den „Negativ-Top-10“. In Italien ist die Verschlechterung der Zahlungsmoral mit +5 Tagen besonders eklatant, sie ist aber auch in Frankreich, Griechenland (je +2) und Spanien (+1) spürbar.

Schnellzahler wohnen in Österreich, Schweiz, Neuseeland und Südafrika
Vorbildlich ist hingegen die Zahlungsmoral heimischer Unternehmen: Österreich landet mit durchschnittlich 49 Tagen gemeinsam mit Neuseeland (47) und Südafrika (48) in den „Top 10“, noch vor der Schweiz (50) und unseren deutschen Nachbarn (54).

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