Gabriel Felbermayr: Der Wifo-Chef im Porträt

Der Oberösterreicher Gabriel Felbermayr, ist seit Oktober 2021 Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo. Der Nachfolger von Christoph Badelt ist Freihandels- und Europa-Optimist – trotz der Trump-, Brexit- und Pandemie-Jahre. Ein Porträt.

Gabriel Felbermayr, designierter WIFO-Chef

Der Oberösterreicher Gabriel Felbermayr hat im Oktober 2021 die Leitung des Wifo übernommen.

Fast wäre ja aus dem Absolventen des Stiftsgymnasiums Schlierbach ein Historiker geworden. Doch an der Kepler-Uni Linz, wo der in Bad Hall geborene Lehrersohn zu studieren begann, stieß Gabriel Felbermayr auf den heute in Tübingen lehrenden Professor Wilhelm Kohler, einen Vorarlberger, der ihn für Ökonomie im Allgemeinen und für Welthandel im Besonderen begeisterte.

Nach einer glänzenden internationalen Karriere, die ihn zuletzt nach Kiel führte, wo er von März 2019 an das renommierte Institut für Weltwirtschaft (IfW) leitete, hat er Anfang Oktober 2021 Christoph Badelt an der Spitze des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) abgelöst. „Ich freue mich sehr darauf, die Relevanz von Österreichs führendem Institut in meiner Heimat und in Europa weiter auszubauen", ließ Felbermayr wissen, ehe er die Position antrat.

Gefragter Experte

Im deutschsprachigen Raum ist Felbermayr einer der gefragtesten Experten, wenn es um die Erklärung von weltwirtschaftlichen, insbesondere handelspolitischen Zusammenhängen geht. Ob Handelsabkommen wie TTIP, Großbritannien nach dem Brexit: Felbermayr hatte in den vergangenen Jahren Hochkonjunktur. "Er erfasst sofort den Kern wirtschaftspolitischer Probleme, hat keine Scheu vor den Medien und ist schnell sprechfähig", sagt Mentor Kohler, der mit seinem ehemaligen Schützling noch immer engen Kontakt hält. Nachsatz Kohlers: "Ich könnte so etwas nicht."

Insofern war Felbermayr, der nach dem Studium auch kurz als McKinsey-Berater tätig war, bereits für den Chefposten am etwas verstaubten Kieler Institut für Weltwirtschaft, den er im März 2019 antrat, die Idealbesetzung. Er pushte das wissenschaftlich respektierte, aber wenig wahrnehmbare Weltwirtschaftsinstitut medial nach vorne. Anders als sein Vorgänger Dennis Snower, ein in Wien geborener Amerikaner mit eher zurückhaltendem Naturell, fühlt sich Felbermayr auch auf großen Bühnen pudelwohl, nicht zuletzt auch auf Twitter (twitter.com/GFelbermayr).

Geschätzter Ökonom

Im Ökonomenranking der Frankfurter Allgemeine Zeitung kletterte er seit seinem Antritt an der Kieler Förde von Rang 26 auf Rang 6. Es darf darauf gewettet werden, dass auch das 1927 gegründete Wifo - 13 Jahre jünger als das IfW - unter seiner Ägide noch einmal einen Schub bekommt.

Diesen Geist des steten Vorwärtsdrangs hat er in fast neun Jahren als Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft am Münchner ifo Institut geatmet, dem vielleicht führenden, mit Sicherheit aber meinungsstärksten deutschen Institut, das unter seinem langjährigen Leiter Hans-Werner Sinn vorexerzierte, wie man eine Wirtschaftsforschungsmarke kreiert.

Mit seiner nächsten Rolle in Kiel betrat er auch exponierter als bisher das verminte Terrain der Politikberatung. Nicht immer fand seine Linie in der Corona-Zeit bei deutschen Politik- und Wirtschaftsbeobachtern Anklang. „Der Mann vollzieht – und zwar immer im Gleichschritt mit der Regierung – eine Kehrtwende nach der anderen“, warf ihm etwa Gabor Steingart, meinungsmächtiger Publizist aus dem Haus Axel Springer, Ende Oktober 2020 in seinem viel gelesenen „Morning Briefing“ vor.

Konstruktiver Kollege

Die Drähte zur österreichischen Politik, in seiner neuen Funktion am Wifo besonders wichtig, werden jedenfalls relativ einfach zum Glühen zu bringen sein. Den heutigen Arbeitsminister Martin Kocher, davor Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), kennt der drei Jahre jüngere Felbermayr gut aus gemeinsamer Lehrtätigkeit am Institut für Volkswirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München. Kocher beschreibt Felbermayr als „engagierten, konstruktiven Kollegen“.

Durch Trump, Brexit & Co., sagte Felbermayr in einem trend-Interview kurz vor dem Dienstantritt in Kiel, sei er in einigen seiner bisherigen Überzeugungen geradezu erschüttert worden.

Die überraschende Wiederkehr von Nationalismus und Handelszöllen stufte er aber nur als einen kurzfristigen Rückschlag ein. Langfristig sieht er keine Alternative zu einem stärker übernational verbundenen Europa: "Glücklich verarmen in einem Souveränitätsrausch kann keine Option sein." Dass er sich nach dem politischen Zeitgeist drehen und künftig den politökonomischen Unterbau für die Neonationalisten liefern wird, war schon damals und ist auch heute nicht zu erwarten.

Denn was Europa betrifft, ist er ein typisches Kind jener Erasmus-Generation, die nach dem EU-Beitritt die Vielfalt der Studienmöglichkeiten jenseits der Grenzen ausschöpfte und so oft mit einer Überdosis Europabegeisterung ausgestattet wurde. Felbermayr selbst forschte nach dem Linzer Studium am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Er ist mit einer Französin verheiratet. Seine drei Töchter, hofft er, könnten das Vereinigte Europa - keine bloße Kopie des US-Staatsgefüges - noch erleben: "In den nächsten paar Generationen werden wir die Nationen aber noch als Bausteine, als 'building blocks', haben."

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