Grassers Adabei-Advokat: Ein Porträt des umtriebigen Anwalts Manfred Ainedter

Wie Österreichs wahrscheinlich prominentester Anwalt Manfred Ainedter seinen bislang heikelsten Fall, die Causa Grasser, abwickelt und wofür er daneben noch Zeit findet.

Manfred Ainedter verbindet gerne das Angenehme mit dem Nützlichen. Vergangenes Wochenende etwa, als der Anwalt zum Tag des Sports eingeladen war und die Gelegenheit gleich einmal nützte, um mit seinem Mandanten, dem Ex-Skirennläufer Matthias Lanzinger, dessen Fall zu besprechen. Oder damals, als der Jurist im Theatercafé eigentlich die Anwaltsprüfung seines Sohnes Klaus feiern wollte und zufällig Justizministerin Claudia Bandion-Ortner des Weges kam. Wer würde die Gelegenheit zum Plausch nicht nützen? Wer würde sich nicht bei der zuständigen Ministerin aufregen, dass in der Causa Grasser zu wenig weitergeht? Für Ainedter selbst ist das alles jedenfalls ganz normal: „Die Intervention ist mein Job. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, geht man eben zum Minister.“

Mauscheln als juristische Waffe

Nicht alle seine Berufskollegen teilen diese Auffassung. „Mir würde im Traum nicht einfallen, dass ich die Ministerin wegen einer laufenden Causa anspreche. Das hat mit Juristerei nichts zu tun, das ist bloßes Mauscheln“, sagt ein Wiener Anwalt, der auf Ainedter nicht sehr gut zu sprechen ist. Genau dieses Mauscheln, manche bezeichnen den Anwalt deswegen auch als „begnadeten Kommunikator“, ist die große Stärke des 59-Jährigen. Mit vielen Staatsanwälten und Richtern ist er per Du, mit einigen ist er näher bekannt, manche zählt er sogar zu seinem engeren Freundeskreis. Er verbindet eben gerne das Angenehme mit dem Nützlichen.

Mit im Package (für 300 Euro die Stunde plus Umsatzsteuer), wenn man Ainedter als Anwalt auserkoren hat, ist aber nicht nur die Kommunikation mit der Justiz, sondern auch die mit den Medien. Der Strafrechtler ist immer für eine Wortspende zu haben, oftmals besteht sein Job mehr aus Pressearbeit denn aus juristischer Expertise. „Die Leute wissen, ich erzähle keine Geschichten. Im Nachhinein stellt sich dann alles als richtig heraus“, lobt sich der Rechtsanwalt selbst. Und Kollege Werner Tomanek, für den er erst kürzlich einen Freispruch erwirkt hat, schätzt genau seine medialen Fähigkeiten: „Es ist Ainedters Verdienst, dass die Folgeschäden gering gehalten wurden. Die richtige Sprachregelung ist essenziell.“ Dennoch: Nicht selten wird der Promi-Anwalt auch nur als „mediengeil“ bezeichnet.

Die Bilanz seiner größeren Fälle kann sich allerdings sehen lassen. Beim früheren Leiter der Wiener Kripo Ernst Geiger erwirkte er in der „Sauna-Affäre“ einen viel beachteten Freispruch, Tomanek verteidigte er mit Erfolg gegen den Vorwurf des Versicherungsbetrugs, und das Strafverfahren gegen den Doping-Radler Bernhard Kohl wurde mit Ainedters Hilfe eingestellt. Kein Wunder also, dass Kohl seinem Rechtsberater Rosen streut: „Ich habe mich immer sehr geborgen gefühlt, wenn ich bei ihm war. Er weiß auch, wie’s bei Gericht abläuft.“ Was wohl auch daran liegt, dass der Promi-Anwalt heuer bereits 30 Jahre im Geschäft ist. Exjustizminister Dieter Böhmdorfer bezeichnet ihn gar als „Vollprofi“.

Weniger schön in Ainedters Bilanz machen sich die ersten zwei Verurteilungen des Konsum-Managers Hermann Gerharter. Ein in den Fall involvierter Anwalt: „Allein auf Basis von Ainedters Plädoyer hätte man Gerharter eigentlich schon verurteilen müssen.“

Lässigkeit geht flöten

Und auch in der Verteidigung seines bislang prominentesten Klienten, Karl-Heinz Grasser, wollen einige Beobachter Schnitzer erkennen. „Für mich ist keine Strategie erkennbar“, meint ein Strafrechtsexperte. Und auch an der Kommunikation hapert es im Fall Grasser zuweilen. Ainedters Aussage „Nicht überall, wo Grasser draufsteht, ist ein Skandal drinnen“ mag zwar launig klingen, erntet aber bei vielen Juristen nur Kopfschütteln. Auch sein Auftritt als Grassers Chauffeur im eigenen Smart, geplant als lässige Inszenierung, wurde in den meisten Foren nur belächelt.

Der sonst so umgängliche, kommunikative Strafverteidiger wirkt zuweilen entnervt und beschwert sich über die politische und mediale Hetzjagd. Was man Ainedter zugutehalten muss: Tatsächlich war das Interesse der Politik und der Medien noch nie so groß wie in der Causa des gefallenen Ex-Finanzministers. Auch angebliche Versuche des Anwalts, von seinem Mandanten Grasser auf dessen weniger bekannten Freundeskreis, Walter Meischberger und Peter Hochegger abzulenken, waren nur bedingt von Erfolg gekrönt. Manche meinen gar, der Fall Grasser könnte Ainedter über den Kopf wachsen.

Aber auch wenn es momentan nicht allzu gut aussieht für KHG und seinen Rechtsberater, abschreiben sollte man den Fall nicht, denn der umtriebige Anwalt ist bekannt für seinen unermüdlichen Einsatz. „Er ist immer erreichbar, obwohl man weiß, wie eingespannt er ist“, schätzt Matthias Lanzinger an ihm. Bewundernde Kommentare erntet der Adabei auch vonseiten seiner Kollegen, etwa von Huberta Gheneff: „Hut ab vor seinem Zeitmanagement.“ Oder von Elmar Kresbach: „Er schafft es, hohen beruflichen Einsatz mit großem gesellschaftlichem Engagement zu verbinden.“

Letzteres jedenfalls ist unbestritten, ist der Sohn eines Wiener Rauchfangkehrers doch häufig Gast in der heimischen Seitenblicke-Gesellschaft. Ob Mausi Lugner, Birgit Sarata, Teppichhändler Ali Rahimi – sie alle drängen sich mit dem berühmten Rechtsanwalt gerne auf ein Bild. Allein letzte Woche war der umtriebige Jurist auf fünf Veranstaltungen zu Gast. Dass er derartige Events zur Kundenakquise nutzt, bestreitet der Partytiger aber vehement: „Wenn ich weggehe, will ich ja meine Ruhe haben.“ Dass der Vater zweier erwachsener Kinder, der vor ein Uhr nie ins Bett geht, öfter am Society-Parkett als in Gerichtssälen anzutreffen ist, verdankt er vor allem zwei Frauen: seiner Mutter, die früher auch Teil der Wiener Seitenblicke-Szene war, und seiner Frau Miriam. Die Irin ist nämlich unermüdlich für die Krebshilfe im Einsatz und organisiert auch Charity-Events wie Golfturniere zugunsten der Krebshilfe, wo der prominente Gatte natürlich nicht fehlen darf.

Dass sich Ainedter, selbst starker Raucher, mindestens genauso intensiv für die Rechte der Raucher einsetzt wie für die Krebshilfe, steht für ihn nicht im Widerspruch: „Mir geht es ja bei der Raucherkampagne darum, dass die Freiheitsrechte nicht eingeschränkt werden. Insofern ist das kein Widerspruch zur Krebshilfe.“ Und beide Engagements – so unvereinbar sie auch sein mögen – haben eines gemeinsam: Die Medien interessieren sich dafür. Manfred Ainedter verbindet eben gerne das Angenehme mit dem Nützlichen.

- Angelika Kramer
Mitarbeit: Clemens Triltsch

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