35 Jahre Roncalli: Wie Bernhard Paul sein Imperium regiert

Der Circus Roncalli feiert sein 35-jähriges Bestehen. Hinter dem bunten Zirkustreiben verbirgt sich ein hoch lukratives Entertainment-Imperium.

Zirkus ist Überleben. Der spektakuläre Kampf gegen die Gesetze der Physik macht einen guten Teil der Manegenmagie aus. Abseits der oft über zweistündigen Vorstellungen, bei denen sich Akrobaten vor staunendem Publikum in spektakuläre Gefahrensituationen bringen, beginnt dann der ökonomische Kampf. „Man muss das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster schmeißen, damit es bei der Tür wieder reinkommt“, erklärt Bernhard Paul, Direktor des Circus Roncalli, seine wirtschaftliche Überlebensstrategie.

Seit 35 Jahren gibt es nun bereits seinen Zirkus, den er mit André Heller gegründet hat. Namenspate des Unternehmens ist – so die Fama – übrigens der italienische Reformpapst Johannes XXIII., mit bürgerlichem Namen Angelo Giuseppe Roncalli. Abgesehen von Anfangsschwierigkeiten, hat der Grafiker und ehemalige Art-Director des „profil“ ein profitables Zirkusunternehmen auf die Beine gestellt und en passant auch gleich eine starke, emotional aufgeladene Marke kreiert. Menschen lieben die Manege, sie brauchen Brot und Spiele, und in den Zirkus geht jeder irgendwann einmal.

Rubel, Trubel, Heiterkeit

Beim Circus Roncalli lässt sich das praktischerweise auch mit Zahlen belegen. Frei von Kitsch und etwas unromantisch wurde demografisch erhoben, dass 85 Prozent der Deutschen den Zirkus mit Stammsitz in Köln kennen. Schaut man aufs Publikum, ist eigentlich jede relevante Altersstufe abgedeckt. Eine Herausforderung, wie Bernhard Paul anmerkt: „Ich muss ein Programm kreieren, das dem Kleinkind ebenso gefällt wie dem Intellektuellen.“

Der 64-Jährige meistert diesen Spagat erfolgreich. Neun Monate dauert eine Zirkustour, und wenn man sich dann ins Winterquartier im Kölner Stadtbezirk Mülheim begibt, werden rund 700.000 Besucher dem Roncalli’schen Zirkusruf gefolgt sein. Bei einem durchschnittlichen Kartenpreis von 27 Euro kommt so ein erkleckliches Sümmchen zusammen, mit dem sich ein Zirkus unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern führen lässt. 80 bis 90 Mitarbeiter, darunter rund 40 Artisten, sind immer mit auf Tournee, der Tourtross mit dem 1.500 Plätze fassenden Zelt und den unzähligen Zirkuswagen wird mit der Bahn von Ort zu Ort bewegt. Als Spitzenartist im Roncalli-Universum kann man übrigens durchaus 1.000 Euro pro Vorstellung lukrieren. Alle Mitarbeiter – das wird gern erwähnt – sind angestellt und krankenversichert.

In der Zirkuswelt ist dies eher ungewöhnlich, denn üblicherweise hat man es dort mit Selbständigen zu tun. Folglich rennen einem die Künstler mit Bewerbungen auch das Zelt ein. Allerdings relativiert Paul: „Viele fühlen sich berufen, aber nur wenige sind tatsächlich auserwählt.“

Eine Beobachtung, die der gebürtige Niederösterreicher derzeit auch als Mitglied der ORF-Talent-Castingshow „Die große Chance“ macht und einem manchmal bei der Entscheidungsfindung helfen kann. „Ich suche nach exquisiten Talenten und nichts, was man schon tausendmal gesehen hat.“ Fündig kann man da übrigens eben auch beim ORF werden. „Einen Künstler, der dort bei der ‚Großen Chance‘ durchgefallen ist, habe ich zu mir in den Zirkus geholt. Ich schau tiefer und sehe Potenzial, das man fördern muss“, so Bernhard Paul, der als Clown Zippo früher selbst oft in der Manege anzutreffen war.

Da drängt sich die Frage auf, ob auch für Heurigenwirt Martin Zimmermann, der als Motorenimitator und in Begleitung von „Krone“-Journalist Michael Jeannée vor wenigen Tagen für einiges Kopfschütteln sorgte, Platz bei Roncalli wäre. „In der Küche ja, er ist ja ein recht guter Koch“, lacht der Direktor über den PR-Gag.

Markenimperium

Daneben hat Bernhard Paul unter dem Namen Roncalli auch ein kleines Entertainment-Imperium aufgezogen. In Düsseldorf bespielt er etwa das Varieté-Theater Apollo. Mit der Dinnershow „Panem et Circenses“, die in einem historischen Spiegelzelt in der Nähe von Essen abgehalten wird, mischt man in der Erlebnisgastronomie mit. In Hamburg betreibt Roncalli einen historischen Weihnachtsmarkt. Das stärkt den Namen und die Marke und macht Roncalli zu einem beliebten Kooperationspartner.

„Wir sind in der glücklichen Lage, uns Partner für Projekte aussuchen zu können.“ In letzter Zeit war dies etwa die Kaffeekette Tchibo, die unter dem Label Roncalli Diabolos, Jonglierkeulen, Balancierseile oder Teddybären verkauft. Für VW gestaltete man eine Roncalli-Sonderedition für den Familienkombi Caddy. Der Name scheint jedenfalls zu ziehen, 20.000 Stück wurden bislang davon abgesetzt.

Als nächstes Projekt „bespielt“ Bernhard Paul am Rhein eine ganze Stadt. Mit antikem Geschäftsinventar, das der leidenschaftliche Sammler über die Jahre zusammengetragen hat, wird eine ganze Stadt nachgebaut. Der Charme der Nostalgie soll Tagesausflügler anlocken, die in alten Krämer läden, antiken Restaurants und Handwerksgeschäften die Wirtschaft beleben. Brot und Spiele eben.

– Manfred Gram

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