
Michael Pistauer
©FOTO: MONTANA AEROSPACE/GUENTER PARTHManager Michael Pistauer ist das Mastermind hinter den Börsengängen der Tojner-Gruppe, die kürzlich den Kupferteile-Spezialisten Asta Energy an die Börse brachte. Wie er die Wiener Börse sieht und warum die Aktionäre die Varta-Schlappe abgehakt haben.
trend: Herr Tojner hat Sie als treibende Kraft hinter den Börsengängen seiner Gruppe bezeichnet. Stimmt das?
Michael Pistauer: Ich glaube schon.
trend: Was reizt Sie so an der Börse?
Ich halte viel von der Börse, weil ein Listing für das Unternehmen vorteilhaft ist. Dadurch hat man einen permanenten Spiegel durch Investoren, Analysten und den Kurs. Man weiß immer, wie man im Vergleich zum Wettbewerb dasteht. Das wirkt sich meistens sehr positiv auf das Unternehmen aus. Bei privat geführten Unternehmen wissen Mitarbeiter oft gar nicht, wie viel Gewinn gemacht wird. Das ist bei uns anders. Ich werde nie vergessen, wie mich ein Mitarbeiter in Rumänien einmal angesprochen hat, um mir seine Ideen zur Steigerung des EBITDA zu präsentieren. So können Mitarbeiter direkt sehen, welche Auswirkungen ihr Tun hat.
trend: Aber für den Hauptinvestor zahlt sich so ein Börsengang auch meist aus …
Ja und nein. Bei Varta oder der Aluflexpack etwa haben wir nur frisches Geld über die Kapitalerhöhung hereingeholt und keine alten Aktien verkauft. Bei der Asta war jetzt die Nachfrage so extrem hoch, dass wir das Volumen erhöhen und Altaktien verkaufen mussten.
trend: Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Wir sind mit der Asta Energy am Puls der Zeit. Für Netzausbauten sind die Komponenten der Asta stark gefragt. Das erkennen auch die Investoren.
trend: Wie sieht die Aktionärsstruktur nach dem Börsengang der Asta aus?
Michael Tojner besitzt etwas mehr als 50 Prozent. 5,9 Prozent hält einer von Astas Großkunden, Siemens Energy. Zudem konnten wir drei weitere Cornerstone-Investoren an Bord holen. Der Rest der Aktien ist sehr breit gestreut. Es sind auch sehr viele Retailkunden, mehr als 1.000, dabei. Das war uns sehr wichtig.
trend: Heißt der IPO-Erfolg der Asta, dass die Kleinaktionäre die Ereignisse um Varta, wo viele ja viel Geld verloren haben, vergessen haben?
Der Niedergang von Varta erfolgte ja nicht von heute auf morgen und war Monate vorher absehbar. Und sehr viele Kleinaktionäre haben vorher auch sehr viel Geld damit verdient. Natürlich tun mir die leid, die es am Schluss erwischt hat, aber den höchsten Verlust hatte Michael Tojner selbst. Er konnte als Insider während der Krise anders als andere Anleger nichts verkaufen.
trend: Wurden Sie jetzt im Zuge des Börsengangs häufig auf Varta angesprochen?
Eigentlich nicht. Ich denke, die Leute haben verstanden, dass alles getan wurde, um das Unternehmen zu retten.
trend: Warum haben Sie den Börsengang in Frankfurt und nicht in Wien gemacht?
Wir haben 2023 in Wien einen Testlauf gestartet, aber das Feedback der Investoren war nicht sehr euphorisch. Viele Fonds haben einen engen Raster, wo sie investieren dürfen und wo nicht, und viele können aufgrund dieser Raster nicht in Österreich investieren. Vielleicht liegt das auch daran, dass in Wien in der Vergangenheit kaum IPOs waren und Wien deshalb gar nicht in den Raster aufgenommen wurde. Und es gibt ja auch kaum Investmentfonds in Österreich. Unsere Investmentbank hat uns ganz klar empfohlen, in Frankfurt an die Börse zu gehen, denn dort sind auch die Peers wie Siemens Energy.
trend: Macht eine so kleine Börse wie jene in Wien Sinn?
À la longue denke ich, dass eine einzige europäische Börse als Gegengewicht zu den amerikanischen Börsen sinnvoller wäre.
Asta Energy startet erfolgreich an der Frankfurter Börse
Nach Varta, Aluflexpack und Montana Aerospace hat Investor Michael Tojner mit Asta Energy Ende Jänner erneut ein Unternehmen an die Börse gebracht. Die angeblich mehr als zehnfach überzeichnete Emission war das erste IPO des heurigen Jahres in Frankfurt. Der Ausgabekurs der Aktie lag bei 29,50 Euro, der erste Börsenkurs bei 43 Euro. Der Nettoerlös durch den Börsengang lag bei 125 Millionen Euro. Nach dem IPO besitzt die Tojner-Gruppe 54,7 Prozent am Unternehmen, der Streubesitz liegt bei 39 Prozent.
trend: Sie haben jetzt bereits vier Unternehmen in der Tojner-Gruppe an die Börse gebracht. Wie legen Sie das an?
Wir haben einen sehr speziellen Ansatz und kennen auch schon die Mechanismen in den Investmentbanken. Wir gehen bereits mit einer fertigen Investmentstory zu den Banken und geben das Zepter nie ab. Uns sind ganz kleine Teams wichtig, weil der Prozess sonst zu aufwendig wird. Wir wollen auch nicht Dutzenden Anwälten oder Investmentbankern gegenübersitzen. Bei zu vielen Leuten stehen wir auf und gehen.
trend: Im Prospekt von Asta steht, dass Sie eine Option mit dem Hauptaktionär ETV abgeschlossen haben, bis zu 500.000 Aktien (rund drei Prozent an Asta) zu kaufen. Warum nicht während des IPOs?
Ich habe am Börsengang selbst mitgemacht und werde diese Option auch ziehen. Aber alles ist sich während des Börsengangs aufgrund der Hektik nicht ausgegangen. Ich glaube jedenfalls an das Unternehmen.
trend: Das Kapitel über Interessenkonflikte im Prospekt ist sehr dick. Darin steht auch, dass Sie in diversen Funktionen in der Gruppe tätig sind, deren Interessen jener als Asta-AR-Präsident zuwiderlaufen könnten. Warum haben Sie in der Gruppe so viele Funktionen?
Ich habe gar nicht mehr so viele. Meine Hüte sind relativ wenig geworden. Ich bin etwa seit Kurzem nicht mehr im Vorstand der Montana Aerospace und wir haben die Unternehmen sehr sauber getrennt. Im Prospekt steht auch, dass die Montana Tech die Option hat, die Grundstücke der Asta zu kaufen, und Asta diese zurückleast.
trend: Verringert sich dadurch der Wert der Asta nicht?
Nein. Da werden vor dem Kauf Gutachten über den Wert der Immobilien erstellt, und so kann sich Asta ganz auf ihr operatives Geschäft konzentrieren. Für die Aktionäre ist das durchaus attraktiv. Das Geld, das man erlöst, kann zusätzlich für die Expansion verwendet werden.
trend: Die MTC Service GmbH, eine Gesellschaft der Gruppe, bekommt für den Asta-Börsengang eine Advisory Fee von 1,5 Prozent der Bruttoerlöse, also fast zwei Millionen Euro. Wofür genau?
Das waren einmalige Services für die Vorbereitung des Börsengangs.
trend: Asta ist sehr eng mit anderen Gesellschaften der Gruppe verflochten, z. B. über Darlehen von Montana Aerospace. Ist das für Anleger nicht alles sehr unübersichtlich?
Dadurch, dass die Asta in dem Unternehmensverbund war und herausgelöst wurde, gibt es eben Verbindungen zu anderen Gesellschaften in der Gruppe. In Summe hat man die Trennung aber sehr sauber vollzogen.
trend: Asta baut in Bosnien aus. Besteht die Gefahr, dass die Produktion von Oed nach Bosnien verlagert wird?
Eigentlich gibt es aufgrund der Kosten keinen Grund, in Österreich zu investieren, aber wir haben es geschafft, in Oed die Wertschöpfung so zu optimieren, dass wir dort sogar ausbauen können. Der Großteil der Forschung und Innovation findet in Österreich statt.
trend: Und wie sehen Ihre weiteren Börsenprojekte aus?
Jetzt haben wir einmal die Asta sehr erfolgreich an die Börse gebracht, und die wollen wir jetzt auch auf die Reise bringen. Das ist alles andere als trivial.
Zur Person
Michael Pistauer, 56, ist seit 2009 in diversen Funktionen in der Tojner-Gruppe tätig, nachdem der Betriebswirt davor bei Arthur Andersen und im Vorstand von JoWooD und Inku gearbeitet hat. Aktuell ist er Aufsichtsratspräsident von Asta Energy sowie Aufsichtsrat bei Varta und Montana Aerospace.
Das Interview ist im trend.PREMIUM vom 20. Februar 2026 erschienen.
