
Der US-Riese GE Healthcare baut seine Aktivitäten in Oberösterreich aus – für die Politik ein erster herzeigbarer Schritt, um die Schlüsseltechnologie Life Sciences zu stärken.
Der US-Medizintechnikkonzern GE Healthcare baut seinen Ultraschall-Standort in Zipf in Oberösterreich aus, wie Österreich-Chef Gerald Seifriedsberger gemeinsam mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und René Tritscher, Chef der Austrian Business Agency (ABA), zum Auftakt der Investorenkonferenz „Meet Austria" in Schloss Schönbrunn bekannt gab.
Bis Ende 2027 soll die Produktionskapazität von 20.000 auf 30.000 Geräte pro Jahr erhöht werden. Wie hoch die Investitionssumme ist und wie viele neue Mitarbeiter es braucht, wurde nicht beziffert – es ist davon abhängig, ob auch Forschung und Entwicklung ausgebaut wird. Das soll sich im Lauf des Jahres entscheiden.
Die frühere Kretztechnik in Zipf, die auf Ultraschallgeräte spezialisiert ist, soll künftig auch Geräte für die Bereiche Radiologie, Kardiologie und Chirurgie herstellen.
Medizintechnik als Teil der Life Sciences ist von der Regierung als eine von neun Schlüsseltechnologien definiert worden. Nicht alle Branchen waren von der Mitte Jänner präsentierten Industriestrategie angetan. Etwa die Papierindustrie, der keine große Zukunft eingeräumt wurde, oder die Zementindustrie, der es an Verbindlichkeit für angekündigten gesetzlichen Flankenschutz zur Dekarbonisierung fehlt.
Life Sciences mit jetzt schon 40 Milliarden Euro Umsatz, 70.000 Beschäftigten und einer Forschungsquote von über 20 Prozent ist dagegen eine unverrückbare Größe. Doch wer bekommt wie viel von den 2,6 Milliarden Euro, die bis 2029 in die Zukunftssektoren fließen sollen?
Die ABA hat schon vor „Meet Austria" einen CEO Round Table veranstaltet, in dem die Chancen für das Thema Life Sciences ausgelotet werden sollten. Fazit: Der Industriestrategie wird eine eigene Life-Sciences-Strategie folgen. Dass damit „noch in diesem Jahr" gestartet werden soll, wie ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums bestätigte, ist den Industrievertretern jedoch entschieden zu defensiv: Das müsse rascher gehen, so der Tenor. Fachkräfte-, Logistik- und Forschungsthemen gilt es so schnell wie möglich anzugehen. Das Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna, das in den letzten zehn Jahren mehr als eine Milliarde Euro am Standort Wien investiert, sieht laut CEO Pavol Dobrocky etwa trotz verschlechterter Standortfaktoren noch immer Ausbaupotenzial. „Österreich hat die Chance, ein Leuchtturm für Life Sciences zu werden“, ist Nicole Schlautmann von MSD Austria sogar überzeugt.
