Unerwartete Bieterschlacht um ams-Osram

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 © Armin Weigel/ams Osram

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Laut Berichten steht ein Verkauf einzelner Unternehmensteile an Infineon knapp bevor. Doch ein bislang anonymes Österreichsyndikat nennt nun erste Details zu einem Konkurrenzangebot. Es geht um 1,5 Milliarden Euro.

Österreich-Syndikat: Sechs Family-Offices und Investoren

Der standortpolitisch ohnehin höchst spannende Verkauf von Unternehmensteilen, den der tief in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Halbleiterkonzern ams-Osram mit Sitz in Graz angekündigt hat, gewinnt zusätzliche Brisanz: Ein neu formiertes Österreich-Syndikat tritt als „Weißer Ritter“ auf den Plan, um einen gerüchteweise fast schon fixen Deal mit Mitbewerber Infineon doch noch zu kippen - Infineon ist prominent mit einer Tochtergesellschaft in Österreich vertreten.

Speziell im Fokus steht bei den Verhandlungen u.a. der hoch spezialisierte Produktionsstandort von ams-Osram in Premstätten bei Graz. Seit dem Erwerb von Osram im Jahr 2020 ist der deutsche Einfluss bei ams stets gewachsen, Teile des Aufsichtsrates sind mittlerweile mit Ex-Infineon und Siemens-Managern besetzt.

Doch nun scheint alles anders: Man biete deutlich mehr als Infineon, sagt im Interview mit trend ein Sprecher einer Gruppe aus sechs österreichischen Unternehmern und Family-Offices, die jeweils 150 Millionen Euro Eigenkapital in die Hand nehmen wollen. Als Finanzpartner sei Black Rock mit an Bord. Man will den Standort nicht nur erhalten, sondern weiter in Österreich investieren, und könne gemeinsam mit angestrebten EU-Förderungen ein 1,5 Milliarden-Euro-Paket anbieten. Das Besondere: Namentlich outen will sich die Gruppe erst nach den letzten politischen Gesprächen, heißt es, zwei Minister habe man bereits überzeugt.

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ams-Osram-Vorstände: CEO Aldo Kamper und CFO Rainer Irle können plötzlich aus zwei Angeboten wählen.

Begehrtes Asset: Einziges Chipwerk dieser Qualität in Europa

Auch wenn trend die Ernsthaftigkeit der der Redaktion bekannten konkreten Gesprächspartner nicht in Zweifel zieht (auch die Süddeutsche Zeitung berichtete darüber), die Stichhaltigkeit des Angebots insgesamt kann vorerst nicht überprüfen werden. Tatsächlich ist die Entscheidung von ams-Osram dank hoher Förderungen jedenfalls auch eine Frage der Standortpolitik. Kommt es so schlimm wie etwa die Gewerkschaft befürchtet, wäre das kolportierte Infineon-Angebot nämlich nicht nur nominell niedriger, sondern würde auch den Ausverkauf der Medizintechnik- und der Industriesparte bedeuten. Damit könnte der Löwenanteil der Gewinnbeiträge des Standorts (170 Millionen Euro Ebit) verloren gehen und das gesamte Werk in Gefahr bringen, rechnet das neue Österreich-Syndikat.

Dessen Argumentation könnte bei der Politik auch aus anderen Gründen Anklang finden. Ob Infineon nämlich von dem wertvollen Know-how aus Premstätten, ein europaweit einzigartiges Asset in der umkämpften Halbleiterindustrie, tatsächlich profitieren kann, scheint ungewiss. Lange Zeit steckte man in anderen Technologiepartnerschaften mit der taiwanesischen TSMC. Restrukturierungen, die in Österreich und Deutschland schon über tausend Mitarbeitern den Job gekostet haben, bremsen den Bewegungsspielraum zusätzlich.

Klagen unausweichlich, wenn der Deal durchgepeitscht wird

Formal gesehen hat das Österreich-Syndikat noch weitere Argumente im Köcher. Eine Herauslösung der profitabelsten Teile müsse jedenfalls von einer Generalversammlung der Aktionäre entschieden werden. Würde das ohne breitere Diskussion durchgepeitscht, wären Klagen von Aktionären oder Anleihebesitzern unausweichlich, heißt es. Das plakative Bild des trend-Gesprächspartners: „Das ist so wie wenn man seinen Aston Martin in der Garage verpfändet, dann aber einzeln Motor, Getriebe oder Fahrwerk verkauft“. Ein erster Versuch des Österreich-Konsortiums, mit Vorstand und Aufsichtsrat von ams-Osram in Kontakt zu treten, sei jedenfalls zurückgewiesen worden.

Was dazukommt: Sowohl Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer als auch Innovationsminister Peter Hanke haben öffentlich zu verstehen gegeben, dass Förderungen zurückverlangt würden, wenn ams-Osram bisherige Standortgarantien durch einen Verkauf des Werks Premstätten unterlaufe. Es geht um viel Geld: So wurde etwa rund 200 Millionen Euro aus dem European Chips Act in Aussicht gestellt, weitere 227 Millionen hat die Republik Österreich als Teil der industriepolitischen Strategie zugesichert.

Weder ams-Osram noch Infineon wollten auf trend-Anfrage eine Stellungnahme zu den neuen Entwicklungen abgeben, man will Anfang nächster Woche nähere Details zu den Plänen bekannt geben.

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