Richter Pharma: Wachstum mit tierischem Fokus

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Richter-Pharma-Eigentümer Florian Fritsch (l.) und CEO Roland Huemer

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Das Welser Familienunternehmen Richter Pharma glaubt an den Standort Österreich. Eigentümer Florian Fritsch und CEO Roland Huemer investieren in ein neues Werk für Tiermedizin. Im Herbst kommt das erste selbst entwickelte Medikament auf den Markt.

Vom Besprechungsraum öffnet sich der Blick auf das weitläufige Gelände der Welser Kunstmühle der Familie Fritsch. Die 1876 errichtete Mühle war ein Jahrhundert lang weit über die Region hinaus für ihr Mehl und ihre Teigprodukte bekannt. Nach der Stilllegung kaufte Florian Fritsch seinen Cousins das imposanteste Gebäude ab, renovierte es und machte es ab 2009 zum Firmensitz von Richter Pharma. Das Unternehmen gilt heute als der marktführende Veterinär-Pharmahändler des Landes und befindet sich im Alleineigentum von Florian Fritsch. Der Unternehmensname geht auf die frühere Eigentümerfamilie Richter zurück, die vor 150 Jahren mit einer Apotheke am Welser Stadtplatz den Grundstein legte. Jahrzehnte später verbanden sich die Familien Richter und Fritsch durch Heirat.

Florian Fritsch, studierter Pharmazeut und langjähriger Vorstandschef von Richter Pharma, steht seit 2013 dem Aufsichtsrat vor. „Tiere haben in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt“, sagt der 71-Jährige. Seine Mutter, aber auch seine beiden Schwestern und seine Frau seien ambitionierte Reiterinnen. Auf der Landwirtschaft der Familie, die er heute betreibt, habe es einige Esel und andere Nutztiere gegeben. Und zusammen mit seinem Sohn Alexander züchte er Labradore für die Jagd.

Richter Pharma zählt zu den bemerkenswertesten, aber kaum bekannten Unternehmen seiner Branche. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der Umsatz auf 941 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Davon werden rund zwei Drittel mit Spezial-Dienstleistungen für Pharmahersteller erzielt und ein Drittel als Großhändler für Medikamente. Als solcher beliefert man Hospitäler, Apotheken und Tierärzte. Der Rest von 50 Millionen entfällt auf das stark wachsende Geschäft der Tierarzneimittel-Herstellung. Logistik und Produktion sind in Wels angesiedelt – ein selten gewordenes Bekenntnis zum Industriestandort Österreich.

Während viele Unternehmen angesichts der konjunkturellen Unsicherheit auf die Bremse treten, investiert Richter Pharma weiter konsequent in Innovationen und Wachstum. Und dies in einem Bereich, wo die Margen zwar üppiger ausfallen als im Großhandel, der Kapitalbedarf aber deutlich größer ist: der Tiermedizin.

Die erste Produktionsstätte hat Fritsch Anfang der 90er-Jahre nahezu im Alleingang hochgezogen: „Das war ein echtes Abenteuer. Unser heutiger CEO war damals noch nicht an Bord. Und es gab damals nur wenige, die mir helfen konnten“, erinnert er sich. Mit der Erweiterung, in die 35 Millionen Euro flossen, verdreifacht sich die Kapazität auf zehn Millionen Injektionsfläschchen für Hunde, Katzen, Pferde und Nutztiere. „Wir wollen uns von einem reinen Arzneimittelversorger hin zu einem integrierten Dienstleister rund um Gesundheit und speziell Tiergesundheit entwickeln“, sagt Aufsichtschef Fritsch, der erfahrene Unternehmer an seiner Seite schätzt.

Darunter IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl, der die Produktions-Expertise seiner Starlim-Gruppe in den Aufsichtsrat einbringt und sagt: „Florian Fritsch ist ein visionärer, naturverbundener Unternehmer, der langfristig denkt. Haustiere nehmen in der Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein. Dass Richter Pharma diesen Kompetenzbereich stärkt und von Österreich aus in verschiedene Exportländer geht, ist der beschlossene und richtige Weg.“ Ein weiterer Mitglied und „guter Freund“ von Fritsch ist Ex-Umdasch-Chef Reinold Süßenbacher. Fritsch Sohn Alexander, der die Apotheke am Welser Stadtplatz führt, nimmt derzeit als Gast teil.

Nischenstrategie als Wachstumstreiber

Der Wachstumsturbo, den Richter Pharma jetzt zündet, erfordert in gewisser Weise tierischen Mut. Der Markt für Tiergesundheit wird von internationalen Konzernen dominiert. Marktführer ist der US-Riese Zoetis, für den Richter Pharma exklusiv den Vertrieb in Österreich inne hat. Weitere gewichtige Player sind Boehringer Ingelheim und Merck mit der Tochter MSD Tiergesundheit, die in Wien und Krems produziert. Durch die insgesamt steigendenden Tierzahlen, die hohe Akzeptanz von Haustieren und zunehmende Fälle von chronischen Erkrankungen wächst der weltweit Tiermedizin-Markt bis 2031 mit rund acht Prozent pro Jahr.

Hier ist Richter Pharma bisher mit einer klaren Nischenstrategie erfolgreich: „Uns war klar, dass wir als größter österreichischer Tiermedizinhersteller in Familienbesitz nicht mit den globalen Konzernen mithalten können. Daher konzentrieren wir uns darauf, Medikamente, bei denen das Patent abgelaufen ist, zu veredeln“, sagt Huemer. Dabei kann sich der Zusatznutzen ganz unterschiedlich zeigen: in Form einer Tablette, die leichter teilbar ist, einer besseren Verabreichungsform, wenn ein Medikament ins Ohr eines Tieres geträufelt werden muss, oder über verträglichere Konservierungsmittel.

Der Schwerpunkt des Sortiments liegt auf dem Thema Schmerzen. Großes Potenzial sieht man im Bereich chronische Schmerzen. „Die in der Corona-Zeit angeschafften Haustiere kommen langsam in ein Alter, wo chronische Schmerzen zunehmen“, sagt Huemer, „sie werden in den nächsten Jahren stärker in die Behandlung reinkommen.“

Medikamenten-Launch im Herbst

Mit der Ausrichtung „Generic Plus“ ist die 2023 gegründete Tochter Vetviva, in der die Tiergesundheitsthemen gebündelt sind, erfolgreich unterwegs. Doch nun will man, trotz der finanziellen Beschränkungen eines Familienunternehmens, in die nächste Phase starten und eigene Medikamente entwickeln: „Zusammen mit einem Unternehmen aus Südeuropa bringen wir gerade ein innovatives Stammzellenprodukt zur Zulassung und freuen uns auf einen spannenden Launch im Herbst“, sagt der CEO. Das neue Präparat soll bei entzündlichen Darmerkrankungen insbesondere bei Hunden zum Einsatz kommen.

Die Expansion in der Tiermedizin ist auch eine Reaktion auf den Margendruck im Pharmagroßhandel. Hier orientiert sich die Vergütung am Medikamentenpreis. Und viele Arzneimittel der Basisversorgung wie Schmerzmittel, Magenschutz oder Antibiotika kosten heute oft nur ein paar Euro. Huemer: „Bei einer seit 2004 nicht valorisierten Spanne bleibt für uns kaum ein Deckungsbeitrag. Als Großhändler sind wir somit zur Effizienz verdammt.“

Digitalisierung für Tierärzte

Da wendet man sich lieber stärker den Tierärzten zu und unterstützt sie bei der Digitalisierung. Begonnen hat man vor vielen Jahren mit der Entwicklung einer elektronischen Bestellplattform, die zu einem digitalen Ökosystem weiterentwickelt wurde, das vom Praxismanagement bis zur Online-Terminvereinbarung alles abdeckt.

Mittlerweile sind auch KI-Funktionen eingebaut. So können Tierärzte ihre Befunde diktieren, diese werden dann per Spracherkennung in einen Patientenbrief umwandeln. „Unser Ziel ist es, die Tierärzte zu entlasten. Dies ist wichtiger denn je, da wir in Österreich mit einem Tierärzte-Mangel konfrontiert. Es fehlen bis zu 100 Nutztier-Spezialisten“, sagt Huemer.

Ein wichtiges Produkt ist die elektronische Tierakte. In der „Eltiga“-App können alle wichtigen Gesundheitsdaten des Haustieres gesammelt werden. „Es gibt Tiere wie die Katze Nala. Sie ist mit 4,6 Millionen Followern längst eine globale Marke. Wir wollen diesen Trend nutzen und in unserer App mehr Unterhaltungselemente einbauen“, schwebt Huemer vor, der selbst eine Katze zu Hause hat. Viel Zeit für den Austausch mit anderen Tierfreunden wird ihm in seinem Job aber eher nicht bleiben.

Richter Pharma in Zahlen

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 14. August 2026 erschienen

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