Warum Herba Chemosan unter Druck steht

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Andreas Windischbauer, CEO Herba Chemosan

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In die Feierlaune des Managements nach der Komplettübernahme des Pharmahändlers Herba Chemosan mischt sich auch Kritik an der Untätigkeit der Politik im Medikamentenbereich.

Fast genau vier Jahre, nachdem das Topmanagement mit Hilfe der Invest AG, einer Tochter der Raiffeisenlandesbank OÖ, Herba Chemosan übernommen hat, sind die drei Vorstände Andreas Windischbauer, Maximilian von Künsberg Sarre und Andreas Janka seit Kurzem Alleineigentümer des österreichischen Marktführers im Pharmagroßhandel. „Von Anfang an war die Invest AG als ein Partner auf Zeit geplant. Jetzt war der richtige Zeitpunkt“, sagt CEO Windischbauer.

Die Unternehmensgruppe setzt gut zwei Milliarden Euro um und ist profitabel. Der Gewinn betrug zuletzt rund 47 Millionen. Die Feierlaune ist dennoch getrübt. Wie schon in einem trend-Interview vor drei Jahren beklagen die Vorstände nach wie vor die unzureichende Vergütung im staatlich regulierten Großhandel, der für 1,7 Milliarden Euro Umsatz steht. Windischbauer: „Die Spannen wurden seit 2004 nicht angepasst. Dieser Bereich steht schwer unter Druck.“ Laut Finanzchef Künsberg ist er für sich gesehen kaum profitabel. „Die notwendigen Investitionen von 50 Millionen in Cybersecurity und Logistik lassen sich mit diesen Spannen jedenfalls nicht finanzieren.“

Vorstand Andreas Janka ergänzt, dass der akute Medikamentenmangel (1.200 Präparate sind derzeit nicht verfügbar) die Logistikkosten in die Höhe treibt, „weil etwa kontingentiert und nach Alternativen gesucht werden muss“.

Nachdem die Förderung aus dem Infrastruktursicherungspaket aus Spargründen halbiert wurde, gibt es nun 13 Cent pro Packung. „Damit lässt sich keine Zukunft planen“, sagt Windischbauer. Zwar ist man über die Tochter Savona auch in der Herstellung von Pharmazeutika (u. a. „Immun 44“ oder „Asmoken“) und in der Medizintechnik tätig – wobei gutes Geld verdient wird. „Aber dauerhafte Querfinanzierung kann nicht der Sinn von Unternehmertum sein.“

Die Herba-Manager weisen darauf hin, dass der Politik das Problem bewusst sei, „aber wir müssen endlich vom Reden ins Tun kommen. Es müssen Signale für eine Lösung kommen. Sonst werden wir selbst aktiv werden.“ Was bedeuten könnte, dass Herba Chemosan günstige Medikamente, die trotz eigener Produktivitätssteigerungen nur mit Verlust transportiert werden können, nicht mehr ausliefert - wie vor ein paar Jahren schon einmal angedroht.

Der Artikel ist in der trend.EDITION vom 20. März 2026 erschienen.

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