
Viktoria Izdebska scheitert mit ihrem Unternehmen für Sales Intelligence und spricht über die Gründe für das Aus.
Viktoria Izdebska war gerade einmal 19 Jahre alt, als sie 2022 als eine der jüngsten Gründerinnen des Landes ihr Unternehmen für Vertriebsunterstützung gründete: Mit Salesy bereitet sie Daten auf, die Unternehmen für den B2B-Vertrieb nutzen. Ziel ist, Leads mit sehr hoher Qualität anzubieten. Nach dieser Logik schuf Izdebska mit ihren IT- und Vertriebsexperten „eine der größten europäischen Datenbanken für B2B“, wie sie sagt. Für bestimmte Kunden und Branchen wurden diese Daten maßgeschneidert, zusätzlich angereichert, um die Abschlusswahrscheinlichkeit weiter zu erhöhen.
Der trend hat Izdebska seit der Gründung in losen Abständen begleitet und über ihre Herausforderungen berichtet: Die reichten vom technischen Set-up, über das Hineinwachsen in die Führungsrolle und Teamdynamiken, bis hin zu Umzügen und Cash Management – und das alles vor dem Hintergrund der Pandemie und nachfolgender Krisen. Bei einem Gespräch im Jänner 2025 erzählte Izdebska, dass ihr Team im Schnitt 100 Unternehmen pro Tag anrufe. „Oft gesteht uns das Gegenüber, dass sie insolvent sind.“ Ein Jahr später muss sie diese Nachricht selbst ihren Kunden weitergeben. Kurz vor Weihnachten muss ihr Unternehmen Insolvenz anmelden, eine Finanzierungsrunde mit US-Investoren mit fünf Millionen Dollar zerschlägt sich.
Intensive Investorensuche in den USA
Die verhaltene Wirtschaftslage in Österreich veranlasst Izdebska früh, über die Grenzen von Österreich zu schauen, um dort Vertriebspartner und Investoren zu finden. 2025 spricht sie mit über 180 Investoren, dies- wie jenseits des Atlantik: „Wir wussten, dass wir ein VC-Case sind. Deswegen sind auch die Business Angels eingestiegen. In Europa waren viele Investoren aufgrund der schwierigen Lage der VCs zögerlich und wollten nicht einsteigen.“
Izdebska geht im Sommer 2025 nach San Francisco und macht sich auf Investorensuche: „Mit EWOR, Davidov Ventures und Andreessen Horowitz Scout Fund konnten wir kleine Tickets abschließen“, erzählt sie. Im Raum steht auch eine rechtliche Übersiedelung nach Delaware. Viele Start-ups von außerhalb der USA nutzen diesen sogenannten „Delaware-Flip“, um leichter an US-Investoren zu kommen. „Das hätte uns 150.000 bis 200.000 Euro gekostet und dazu wäre noch die Problematik der Visa gekommen. Als Gründerin hätte ich das Visum leichter bekommen, für die Mitarbeitenden hätte das bis zu 100.000 Euro pro Person gekostet.“
Die Erfolgsaussichten werden immer im Spätherbst immer düsterer: „Im November war mir klar, dass wir das Schiff drehen müssen. Wir hatten das Kapital der Business Angels bereits zugesagt bekommen. In Summe war es aber zu wenig, und die Herausforderungen durch die US-Konkurrenz haben mir wenig Hoffnung gemacht: Zu sehen, mit welchem Tempo die US-Konkurrenten am US-Markt arbeiten, das hätten wir in unserer Lage nicht mehr hinbekommen“, sagt sie.
Kurz vor Weihnachten zieht Izdebska die Reißleine und versucht mit der Masseverwalterin, das wichtigste Asset bestmöglich zu verwerten. „Wir haben fast zwei Millionen Euro in diese Datenbank investiert und klären gerade die juristischen Details,“ so Izdebska. Interessenten für das Herzstück des Unternehmens gibt es: „Ein US-Unternehmen, das nach Europa expandieren will, ein deutscher Finanzdienstleister und eine Vertriebsagentur interessieren sich dafür“, sagt sie.
Vertrieb als Leidenschaft und neue Pläne
In der rückblickenden Analyse sieht Izdebska einige Aspekte klarer. „Unterschätzt haben wir sicher die Diskrepanz zwischen manueller und automatisierter Datenaufbereitung. Die Daten für die Kunden individualisiert nachzubearbeiten, macht die Kunden glücklich, weil sie bessere Abschlüsse haben. Manuelle Nacharbeiten sind aber teuer. Rückwirkend hätten wir vielleicht auch auf ein Provisionsmodell setzen sollten“, beschreibt sie eine wichtige Erkenntnis.
Die intensiven Erfahrungen der letzten Jahre wird die junge Frau jedenfalls in nächste Projekte mitnehmen: Ihr Engagement und ihre Expertise wird geschätzt. Von zwei Start-ups aus dem Health- und B2C-Bereich hat sie Angebote bekommen, ihr Know-how als Mitgründerin einzubringen. Keine Option für sie. „Ich möchte meine Skills im Vertrieb weiter verbessern und mich mit Micro-SaaS beschäftigen“, sagt sie. Wenn die Insolvenz über die Bühne ist, will sie wieder in die USA gehen und sich dort um neue Chancen umsehen. „Der Unternehmergeist ist extrem stark und inspirierend dort.“
Zum Unternehmen
Die AST (Advanced Sales Technology) war unter der Marke Salesy und später Octrace am Markt tätig, und hatte am Höhepunkt 20 Mitarbeitende (am Schluss acht Personen) und brachte es kumuliert auf 1,3 Millionen Euro Umsatz und eine Bewertung von 20 Millionen Euro. Kernstück ist eine Datenbank mit Unternehmens- und Kontaktdaten von 48 Millionen europäischen Unternehmen (mit Schwerpunkt auf die DACH-Region), für die Branchen Finanzdienstleistungen, Industrie, Logistik, Energie, Bau, Handel und technologiegetriebene B2B-Unternehmen. Insgesamt enthält die Datenbank über 75 Millionen Finanzdatensätze und mehr als eine Milliarde laufend aktualisierter Datenpunkte, für Markt-, Risiko- und Vertriebsanalyse.
