
OeKB-Vorstand Helmut Bernkopf über die aktuelle Situation in der Exportwirtschaft, Handlungsempfehlungen und Unterstützungsmöglichkeiten.
trend: Die heimische Exportwirtschaft hat derzeit an vielen Fronten zu kämpfen. Wo sehen Sie die größten Belastungen?
Helmut Bernkopf: Am heimischen Wirtschaftsstandort sind es nach wie vor die hohen Lohn- und Energiekosten sowie die Bürokratie. Im internationalen Geschäft sind es die bekannten handels- und geopolitischen Konflikte sowie die anhaltende Konjunkturschwäche in Europa. Hinzu kommt der enorme Konkurrenzdruck, insbesondere durch Anbieter aus China.
Die vor kurzem von der Statistik Austria veröffentlichten Zahlen für 2025 zeigen beim Wert der Warenexporte einen Rückgang von -0,5 %. Wie beurteilen Sie dieses Ergebnis, und wie fällt Ihre Erwartung für 2026 aus?
In Anbetracht der vorhin skizzierten Gemengelage hat sich die heimische Exportwirtschaft sehr beachtlich geschlagen und einmal mehr ihre hohe Resilienz unter Beweis gestellt.. Meine Erwartungen für 2026 sind grundsätzlich positiv – bei Lohnabschlüssen wurden gute Kompromisse gefunden, die europäische Konjunktur zieht langsam wieder an, und sowohl auf europäischer als auch nationaler Ebene sind wichtige Maßnahmen auf Schiene gebracht worden. Gerade die abgeschlossenen Handelsabkommen können wichtige Impulse liefern. Ein länger andauernder Krieg im Iran und eine Ausweitung des Nahostkonflikts hätten natürlich schwerwiegende Auswirkungen und würden diesen Aufschwung wieder bremsen.
Was sind Ihre Handlungsempfehlungen in der aktuellen Situation und welche Unterstützungsmöglichkeiten kann die OeKB hier bereitstellen?
Unsere Key-Message gilt seit vielen Jahren und wird zunehmend dringlicher: Es gilt, die Absatzmärkte breiter zu diversifizieren, um besser am Wachstum in dynamischen Schwellen- und Entwicklungsländern partizipieren zu können. Mit Exportgarantien des Bundes können Unternehmen auch die damit teilweise verbundenen höheren Risiken absichern. Zudem agiert die OeKB zunehmend als Trade Creator. Mit unserem proaktiven Zugang sprechen wir direkt ausländische Generalunternehmer an und positionieren die österreichischen Exportsektoren sowie unsere Absicherungs- und Finanzierungslösungen gezielt dort, wo es wichtig ist. Ergänzend bieten wir sogenannte „Shopping Lines“ für den Einkauf von Waren und Dienstleistungen aus Österreich an.. Im Inland muss der Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent vorangetrieben werden, den wir ebenfalls gezielt unterstützen können.
Der Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert nun bereits mehr als vier Jahre. Wie ist die Situation für Exporte in die Ukraine? Gibt es dafür Unterstützung?
Die OeKB stellt seit Oktober 2022 Absicherungsmöglichkeiten für Geschäfte im Privatsektor zur Verfügung und hat seither viele kleine Geschäfte heimischer Exporteure erfolgreich unterstützt. Große Exportgeschäfte bzw. Investitionen werden aufgrund der Risiko- und Gefahrenlage von den österreichischen Unternehmen aktuell noch nicht getätigt. Mit einer speziellen risikodotierten Ukraine-Fazilität haben das Bundesministerium für Finanzen (BMF) und die OeKB bereits die Voraussetzungen geschaffen, dass österreichische Exportunternehmen am Wiederaufbau der Ukraine noch besser partizipieren können. Und in Österreich verfügen wir gerade auch im Bereich der Verkehrs- und Energieinfrastruktur, der Wasseraufbereitung oder im Bausektor über Unternehmen, die international zur absoluten Spitze zählen.
Zurück ins Inland, wo Sie ja einige Schwächen des Wirtschaftsstandorts adressiert haben. Wie wirkt sich das auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus?
Bei den Investitionen sehen wir auch aufgrund des unsicheren Ausblicks nach wie vor eine Zurückhaltung. Hier wäre mehr Dynamik überaus wichtig, weil ansonsten die mittel- bis langfristige Realisierung von Produktivitäts- und Innovationspotenzialen gefährdet wird. Deshalb optimieren und erweitern wir gemeinsam mit dem BMF auch stetig unsere Unterstützungsmöglichkeiten und setzen gezielte Wachstumsimpulse. So haben wir beispielsweise die Möglichkeiten unserer attraktiven Finanzierungen mittels der Exportinvest auf Unternehmensgründungen und -übernahmen sowie zuletzt auch auf Energieversorgungsunternehmen für den Netzausbau ausgeweitet.
Zum Abschluss: Die OeKB wurde vor 80 Jahren gegründet. Hätten Sie sich gewünscht, dass dieses Jubiläum in etwas ruhigere Zeiten fällt?
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ein klares ja – aus OeKB-Sicht habe ich diesbezüglich keine Wünsche. Wir sind dazu da, das Wirtschaftswachstum zu fördern und den Standort Österreich im globalen Wettbewerb zu stärken – und das gilt in herausfordernden Zeiten ganz besonders. Wir haben 2025 eine hohe Nachfrage nach unseren vielfältigen Produkten und Services verzeichnet t – insofern fällt das Jubiläum auf einen guten Zeitpunkt.
Zur Person
Helmut Bernkopf ist seit 2016 im Vorstand der OeKB und u.a. für den Bereich Export Services zuständig.
Das Interview ist in der trend.EDITION vom 20. März 2026 erschienen.
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