trend Top 500: Umsatz steigt, Kaufkraft sinkt

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Hans Peter Schützinger, CEO Porsche Holding
 © Porsche Holding

Hans Peter Schützinger, als CEO Porsche Holding die neue Nummer eins

©Porsche Holding
  1. home
  2. Aktuell
  3. Unternehmen

Analyse: Österreichs Top-500-Unternehmen schafften 2025 zwar einen um 1,6 Prozent höheren Umsatz als 2024, blieben damit aber weit hinter der Inflation zurück. Kaufkraftbereinigt bedeutet das: Es ging weiter bergab.

Es gibt Jahre, die vergisst man am besten. Zum Beispiel 2025. Stimmt, immerhin konnten die Top-500-Unternehmen im alljährlichen trend-Ranking vergangenes Jahr einen Gesamtumsatz von 620 Milliarden Euro erzielen, was 1,6 Prozent mehr war als 2024. Doch die Inflationsrate in diesem Jahr lag bei flotten 3,6 Prozent. Kaufkraftadjustiert schrumpften Österreichs wichtigste Unternehmen 2025 also um zwei Prozent. Und um dann noch mit dem realen Wirtschaftswachstum von ohnedies bescheidenen 0,6 Prozent Schritt halten zu können, hätte die Oberliga der heimischen Wirtschaft nominell sogar um mehr als vier Prozent wachsen müssen.

Einen gewissen Anteil an den mäßigen Zahlen hat Vorjahressieger OMV. Das Unternehmen rutschte im Ranking vom ersten Platz des Jahres 2024 auf Rang drei ab. Schuld daran ist ein geradezu dramatischer Einbruch des Nettoumsatzes um 28,5 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro. Belastend wirkten sich die niedrigeren Erdölnotierungen sowie eine schwächere Nachfrage aus. Gut lief es hingegen in der Chemiesparte, unter anderem dank einer Umgliederung bei Borealis. Vom Spitzenplatz verdrängt wurde die OMV allerdings mit nicht ganz „fairen“ Mitteln: Die Porsche Holding, 2024 noch auf Platz zwei, dehnte ihren Tätigkeitsbereich im vergangenen Jahr auf Italien und Schweden aus, wo sie den Großhandel mit allen Marken des VW-Konzerns übernahm.

Gegenwind

Insgesamt hatten die Top-500-Unternehmen im vergangenen Jahr mit einigem Gegenwind zu kämpfen. Das schwache Wirtschaftswachstum bildete keineswegs die einzige Herausforderung. Wenig erfreulich entwickelte sich unter anderem die Wettbewerbssituation. Laut Eurostat zogen Österreichs Lohnkosten 2024 um neun Prozent an (nur in Bulgarien, Kroatien und Lettland gab es eine höhere Steigerung). Diesen Kostensprung mussten die Unternehmen im Folgejahr in ihren Kalkulationen unterbringen, was angesichts der Konkurrenz auf dem Weltmarkt nur zum Teil möglich war.

Wenig Dynamik zeigt sich in der Zusammensetzung des Rankings. Neu unter den Top Ten ist der Metallverarbeiter Benteler mit Headquarter in Salzburg, der jüngst mit dem Erwerb der Deutsche-Bahn-Tochter Ioki den Sprung in den Bereich autonomes Fahren wagte.

Nur rund zwei Dutzend Newcomer, die im Ranking 2024 noch nicht vertreten waren, schafften auf Anhieb den Sprung in die obersten 300, und unter den top 100 gab es überhaupt nur zwei neue Namen. Der erste ist auf Platz 46 zu finden: Die Unternehmensgruppe Dr. Cornelius Grupp, die allerdings schon bisher indirekt durch die über die Eigentümerschaft verbundene CAG-Holding vertreten war. Etwas weiter hinten, auf Rang 53, folgt die aus den Jenbacher Werken hervorgegangene Innio Holding. Das Tiroler Unternehmen wurde vor einigen Jahren vom US-Konzern GE übernommen und später an den amerikanischen PrivateEquity-Fonds Advent weiterverkauft. Dieser formte aus dem Gasmotorenhersteller eine Gruppe, die mittlerweile einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro und ein Ebit von 300 Millionen erzielt. Erst kürzlich brachte Advent einen Teil des Grundkapitals an die Börse. Die Gruppe ist seither mit rund 24,5 Milliarden Euro Marktkapitalisierung bewertet.

Ein Blick hinter die nüchternen Umsatzzahlen offenbart ein typisches Merkmal der österreichischen Wirtschaft: nämlich den allgegenwärtigen Einfluss der öffentlichen Hand. An rund einem Viertel der Top-20-Unternehmen sind Staat oder Bundesländer beteiligt bzw. befinden sie sich gänzlich im Besitz der öffentlichen Hand. Bei den 100 größten Unternehmen liegt dieser Anteil immer noch über einem Fünftel.

Hier finden Sie das digitale Nachschlagewerk der 500 größten Unternehmen Österreichs 2026.

Dieser Artikel ist in der trend.EDITION vom 26. Juni 2026 erschienen.

Logo
trend. Abo

Nur jetzt ein ganzes Jahr trend. für nur €10,99 pro Monat!