
Oliver Holle, CEO des Risikokapitalfonds Speedinvest, über die Finanzierungskrise in der Start-up-Szene, den von der Regierung geplanten Dachfonds und seinen neuen 600-Millionen-Euro-Fonds.
trend: Bitpanda plant, an die Frankfurter Börse zu gehen. Wie wichtig ist dieser Schritt als Signal für die unter Druck stehende Start-up-Szene in Europa?
Oliver Holle: Die Wiener Kryptoplattform ist absolut IPO-ready. Aber nur weil Bitpanda einen Börsengang plant, ist das IPO-Fenster deswegen nicht generell weiter offen. Davon würde ich erst sprechen, wenn es eine Kaskade von Börsengängen in Europa gibt. Aber das ist vorerst nicht zu erwarten. Der massive Liquiditätsstau wird sich erst auflösen, wenn wir eine Lösung im Ukraine-Krieg sehen. Unter den aktuellen Bedingungen gibt es noch immer sehr viele globale Investoren, die zurückhaltend auf Europa schauen.
trend: Aber die Situation ist nicht für alle Start-ups gleich schwierig.
Wir erleben gerade eine zweigeteilte Welt. Bei KI sehen wir extrem hohe Kapitalzuflüsse. Aber das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt. Nahezu alle anderen Themen – mit Ausnahme von Rüstung, Energie und KI-Infrastruktur – stehen stark unter Druck. Es ist weiterhin viel weniger Kapital am Markt als noch vor wenigen Jahren, auch in den USA. In der Wachstumsphase eine Finanzierungsrunde in Europa aufzustellen, ist weiterhin sehr anspruchsvoll. Das gelingt nur den allerbesten Start-ups.
trend: Was heißt das für Österreich?
Die Konsolidierung wird sich weiter verschärfen. Auch einige unserer Portfoliofirmen sind davon betroffen. Das kann gut ausgehen, wie im Fall von Myclubs, oder auch schmerzhaft, wie etwa beim Mikromobilitätsanbieter Tier Mobility. In jedem Fall eröffnen Marktbereinigungen auch neue Chancen für die starken Start-ups, Marktanteile auszubauen und weiter zu wachsen.
trend: Mit einem Dachfonds will die Regierung die angespannte Finanzierungslage entschärfen. Wie konkret sind die Pläne bereits?
Wir hatten vor ein paar Tagen ein Abendessen, wo ich sehr starke Signale wahrgenommen habe, dass es in der Regierung einen Schulterschluss zu dem Projekt gibt. Auch die Notwendigkeit eines international attraktiven Set-ups ist klar erkannt. Jetzt geht es eher um die Frage, ob es ein Momentum gibt und sich österreichische und internationale Player wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen finden, die so ein Vehikel finanziell anschieben.
trend: Und wie ist die Resonanz?
Das kann ich schwer beurteilen. Ich kann mir allerdings auch ein alternatives Szenario vorstellen mit einem kleineren, von der öffentlichen Hand gemanagten Dachfonds. Selbst das wäre ein Riesenschritt vorwärts, weil dann eine vernünftige Summe in die heimische Venture-Szene fließt. Und es wäre allemal besser, als die nächsten drei Jahre von einem 500-Millionen-Euro-Dachfonds zu träumen, und es fließt gar kein Geld.
trend: Und um Geld aus dem Fonds würde sich Speedinvest bemühen?
Eine solche Möglichkeit würden wir selbstverständlich nutzen. Die Ironie dabei: Ausländische Dachfonds aus Deutschland, Frankreich und auf EU-Ebene haben bereits vor Jahren in uns investiert, während ein österreichischer Ankerinvestor seit Jahren fehlt – schlicht, weil es hierzulande keinen eigenen Dachfonds gibt. Vor zehn, 15 Jahren war das noch anders, da hat uns die AWS als einer der ersten Fondsinvestoren sehr geholfen.
trend: Derzeit sammeln Sie Geld für den fünften großen Fonds, „SI5“, ein. Was ist hier geplant?
Wir peilen rund 600 Millionen Euro für unsere neue Fondsgeneration an, das entspricht dem Volumen, das wir 2022 eingesammelt haben. Es ist ein schwieriges Marktumfeld für Venture Capital. Uns kommt allerdings entgegen, dass wir ein etablierter Player mit Büros quer über Europa sind. Das macht uns extrem interessant für Investoren aus Asien und dem Mittleren Osten, die zunehmend nach Europa schauen. Ich war letzte Woche in Tokio und Südkorea, nächste Woche bin ich in Katar und Abu Dhabi, um neue Partnerschaften aufzubauen und Kapital nach Europa zu holen. Es ist ein anstrengender, aber auch ein lohnender Weg, weil diese Investoren große Tickets investieren und so auch für unsere Gründer neue Brücken für deren Geschäft aufgebaut werden.
Zur Person
Oliver Holle ist Gründer und CEO von Speedinvest, dem in Wien beheimateten größten europäischen Frühphasenfonds mit über 400 Beteiligungen in ganz Europa und über 1,2 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 6. Februar 2026 erschienen.

