
In der Bitpanda-Zentrale in Wien war die Stimmung auch schon mal entspannter.
©APA-Images, Weingartner-FotoDie Kryptobörse Bitpanda bekommt Probleme mit Token-Anlegern, die ihr Geld mangels entsprechender Leistung zurückhaben wollen. Die Forderungen gehen in die Millionen.
„Sicherheit und regulatorische Führungsrolle bleiben die Grundlage unseres Erfolgs und ein klares Unterscheidungsmerkmal auf dem Markt.“ Diese Worte entstammen dem jüngsten Lagebericht der Bitpanda GmbH mit Sitz in Wien. Überhaupt war die österreichische Kryptobörse stets bemüht, sich – anders als die Konkurrenz – als Musterschüler in Sachen Regulatorik darzustellen. Doch diese glänzende Fassade scheint allmählich zu bröckeln.
Im August verhängte die Finanzmarktaufsicht FMA bekanntlich die erste Strafe nach der MiCAR-Verordnung ausgerechnet gegen Bitpanda. 70.000 Euro muss das Unternehmen wegen Termin- und Formfehlern bei der Veröffentlichung eines Whitepapers im Zuge eines Token-Launchs im vergangenen Jahr bezahlen. Wie der Website der FMA zu entnehmen ist, war Bitpanda aber alles andere als „amused“ darüber, dass die Behörde dies öffentlich machte, und lässt die Rechtmäßigkeit dieser Veröffentlichung nun überprüfen.
Da kommt ein möglicher weiterer Rechtsverstoß der Kryptobörse nicht unbedingt gelegen. Dieser Tage ging ein elfseitiges Aufforderungsschreiben, verfasst von der Anwaltskanzlei Aigner Lehner Zuschin, an Bitpanda raus, das es in sich hat. Auch hier ist von rechtlichen Problemen im Zusammenhang mit der Emission von Token die Rede. Bitpanda, so der Vorwurf, habe die Token Pan (Emission 2018) und Best (2019) ohne Kapitalmarktprospekt angeboten, beworbene Rechte später gestrichen oder gar nie angeboten und Interessenkonflikte verschwiegen. Außerdem seien beide Token 2025 zwangsweise durch den Token VSN ersetzt worden, der deutlich weniger wert ist und dessen Kurs seit der Emission stark nachgab. „Die Anleger haben auf den guten Ruf von Bitpanda vertraut und in großem Stil Token gekauft“, fasst Anwalt Lukas Aigner zusammen. Mehr als 10.000 Anleger, die mehrere Millionen Euro in die Token investiert haben, seien betroffen. Aktuell vertritt die Kanzlei drei Anleger, einen davon mit einem Investment von mehr als zwei Millionen Euro, sowie den Verein potenziell geschädigter Kryptoanleger.
Weder bei Pan noch bei Best war die Mehrheit der Token für die Anleger bestimmt, mutmaßt die Kanzlei in ihrem Aufforderungsschreiben. Eine Mehrheit der Token verblieb bei Bitpanda. Dieser Interessenkonflikt sei aber gegenüber Anlegern nie offengelegt worden. Erst im Whitepaper, das im Zuge der VSN-Emission erstellt wurde, werden Konflikte eingeräumt.
Für Aigners Kollegen Ivan Dimov ist klar: „Die Anleger können die Rückabwicklung verlangen.“ Denn die Angebote der Token wären prospektpflichtig gewesen. Darüber hinaus hätten seine Mandanten Anspruch auf Schadenersatz, ist Dimov überzeugt: „Sie haften unseren Mandanten für den Schaden aus allen ihren Erwerben von Pan und Best und aus dem Umtausch in VSN wegen unrichtiger und unvollständiger Information, verschwiegener Interessenkonflikte und des Zwangsumtauschs, auch für steuerliche Nachteile“, heißt es in dem Aufforderungsschreiben. Zusätzlich werden Zinsen für Alternativinvestments, etwa Bitcoin, als Schaden angeführt.
Eine Anfrage des trend wird von Bitpanda knapp beantwortet: „Zu den konkreten inhaltlichen Vorwürfen oder weiteren Schritten werden wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern“, heißt es. Das Unternehmen verweist aber erneut darauf, dass Bitpanda „seit seiner Gründung für höchste regulatorische Standards, Transparenz und Sicherheit“ steht. Die Forderungen kommen für die Bitpanda GmbH zur Unzeit, hat sie doch letztes Jahr einen Gewinn in Höhe von 14 Millionen Euro eingefahren.