
Peter Steinberger, im Innviertel aufgewachsen, tüftelt seit Jahresbeginn für Open AI im Silicon Valley an den KI-Agenten der Zukunft. Im Interview zieht er ein Zwischenresümee und spricht über die österreichische Unart, vorrangig auf Probleme zu schauen statt auf die Chancen.
trend: Woran arbeiten Ihre Agenten gerade, während wir sprechen?
Peter Steinberger: Beim Aufwachen heute Morgen wies mich mein persönlicher Agent Dots auf einen Terminkonflikt in meiner Agenda hin. Jetzt gerade stelle ich ein Web-Framework um, daran arbeiten vermutlich 20 Agenten gleichzeitig. Dann gibt es noch einen Orchestrator, also einen Chefagenten, der arbeitet an Tests, und einen, der die Codequalität verbessert. Alles in allem sind schätzungsweise 50 Agenten jetzt gerade für mich am Arbeiten. Ich habe das Gefühl, zu jedem Zeitpunkt arbeitet aber mindestens einer für mich.
trend: Gibt es bestimmte Dinge, die Ihre Agenten nicht dürfen?
Im Privaten gebe ich den Agenten sehr viel Spielraum. Im Arbeitsumfeld ist es deutlich strenger, da haben alle einen Guardian, also einen Aufpasseragenten, mit dem sie verhandeln und gegenüber dem sie rechtfertigen müssen, wieso sie beispielsweise Dateien verschicken wollen. Das kontrolliere ich auch genauer.
trend: Wie fühlt es sich an, die jüngste Technologierevolution losgetreten zu haben?
(Überlegt lange.) Ich tue mich schwer, das in Worte zu fassen. Mein Leben war vor einem Jahr ganz anders. Ich hatte dreizehn Jahre lang enorm viel gearbeitet und dann nach dem Verkauf meiner Firma eine dreijährige Pause eingelegt. Vor einem Jahr war ich gerade erst in die Techwelt zurückgekehrt und hatte so viel Freude daran, KI auszuprobieren.
trend: Das taten Sie enorm erfolgreich: Der von Ihnen programmierte Agent Open Claw hat die Welt im Sturm erobert.
Die Geschwindigkeit des Wandels bei KI ist wirklich atemberaubend, und sie nimmt immer noch weiter zu. Vergangenes Jahr kam alle paar Monate ein neues Modell heraus, und nun geschieht das alle paar Wochen. Man erwartet es schon fast. Ich kann mir gerade nichts Spannenderes vorstellen, auch wenn die Arbeit sehr intensiv ist.
trend: Sie verbringen enorm viel Zeit mit den Modellen, denn Sie arbeiten sieben Tage die Woche. Werden Sie manchmal auch von Ihren Agenten überrascht?
Jeden Tag. Vor einem Jahr waren die Modelle ja bereits gut, aber man musste viel mit ihnen direkt interagieren. Ich gab einen Befehl ein, das Modell führte etwas aus, ich dachte nach und gab einen neuen Befehl ein. Ich tat das parallel bei drei oder vier Modellen, aber es war alles noch sehr händisch. Heute gebe ich ihnen Metaziele: „Schreibe Software. Finde Schwachstellen mit Blick auf die und die Charakteristika und behebe sie. Mache, so viel du kannst, eigenständig und stelle mir deine Rückfragen gesammelt, wenn ich später zurück am Schreibtisch bin.“ Dass die Modelle Probleme derart verstehen und die übergeordneten Zusammenhänge erkennen können, das war vor einem Jahr noch mein Job. Sie helfen mir teilweise auch, das Problem auf mehreren Ebenen zu beleuchten oder in einer Weise, auf die ich nicht selbst gekommen wäre (...)
Lesen Sie den ganzen Artikel im trend.PREMIUM vom 6. November 2026.