Der AAirpass – Oder die schlechteste Idee der Airlines-Geschichte

Der AAirpass – Oder die schlechteste Idee der Airlines-Geschichte

Mit dem sogenannten "AAirpass" von American Airlines (AA) sollten Firmen jene Mitarbeiter ausrüsten, die geschäftlich viel für sie unterwegs waren. Einer dieser Pässe kostete 250.000 Dollar und berechtigte den Inhaber beliebig viele First-Class-Flüge auf allen AA-Strecken in Anspruch nehmen – und das auf Lebenszeit. Für weitere 150.000 Dollar konnte eine beliebige Begleitperson mitfliegen.

Nun sind 250.000 Dollar tatsächlich eine Menge Geld, und vor fast 30 Jahren war dies erst recht der Fall. Doch American Airlines musste lernen was auch viele All-You-Can-Eat-Restaurants lernen mussten: unlimited heißt unlimited, und eine Lebenszeit kann verdammt lang sein.

Tatsächlich kauften vor allem Privatpersonen das Flatrate-Ticket und die meisten von ihnen flogen das ausgegebene Geld innerhalb von nur wenigen Monaten wieder herein.

So fanden die AAirpass-Besitzer immer mehr Gefallen an ihrem Pass und nutzten ihn großzügig aus. Das Lieblings-Footballteam spielt an der Ostküste, man wohnt aber leider an der Westküste? Kein Problem mit dem AAirpass. Zweimal die Woche hin und retour – und das kostenlos. Zum Abendessen nach Tokio oder ein Ausstellungsbesuch in Paris – warum nicht? Manche sparten sich den abendlichen Restaurant-Besuch und flogen einfach in die nächste Stadt und genossen das First-Class-Menü im Flieger.

Vielfliegen zahlt sich aus

Hinzu kam, dass Besitzer des AAirpasses genau wie alle anderen Kunden Prämienmeilen sammeln konnten, die bei Partnern des Frequent-Flyer-Programms eingelöst werden können. Nahm der Kunde einen Begleiter mit, gab es dafür sogar noch Extrameilen. Vielfliegen zahlte sich also aus. Die Meilen konnten in Hotels oder bei Autovermietungen eingelöst werden. Auch für Stornos oder Umbuchungen fielen keine Gebühren an (bei Vielfliegern mit derart vielen Prämienmeilen auf dem Konto kümmert sich der VIP-Kundenbetreuer gerne um diese lästigen Unannehmlichkeiten). Es gab Leute die bis zu 18 Mal pro Monat flogen und dabei mehr als 30 Millionen Meilen sammelten.

Erst als American Airlines mit massiven finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wurden auch die AAirpässe auf ihre Rentabilität überprüft. Das Problem wurde erkannt, das Ausmaß aber lange Zeit schwer unterschätzt. So korrigierte man den Preis des All-You-Can-Fly-Tickets 1990 erst auf 600.000 Dollar, 1993 schließlich auf eine Million Dollar. Erst 2004 zog man die Reißleine und stellte das Angebot komplett ein. Aus gutem Grund: Die Rechnung von AA ging in keinster Weise auf: Wie eine interne Untersuchung auswies, kostete der AAirpass den Konzern rund eine Million Dollar – pro Person und Jahr!

Anstatt schnelles Geld zu machen, verlor die Fluglinie jedes Jahr Millionen. Als die Airline finanziell mehr und mehr ins trudeln geriet, ging die Airline sogar soweit, Detektive auf jene Passbesitzer anzusetzen, die das System am meisten ausnutzten. Zweck der Übung war es, ihnen eine Verletzung der allgemeinen Geschäftsbedingungen nachzuweisen und ihnen den Pass abzuerkennnen.

Mittlerweile ist American Airlines in die Insolvenz geschlittert. Der Flugbetrieb läuft zwar im Moment weiter, die Flatrate-Tickets gelten aber vorerst nicht mehr. Einige Passbesitzer haben AA deswegen geklagt. Die Prozesse laufen noch.

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