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Reisetipp: Magic Kingdom Bhutan

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 © Gerald Sturz

Spiritualität. Die fotogenste Sehenswürdigkeit Bhutans ist das Taktshang-Kloster, das sich auf über 3.000 Meter Höhe befindet und das wie ein Vogelnest an einer Felswand hängt. 

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Der trend-Traveller erfüllte sich einen lang gehegten Wunsch und reiste nach Bhutan. Es wurde eine der eindrucksvollsten Reisen, die er je unternommen hatte.

Es ist ein weiter Weg in das Land, in dem das Glück seiner Bewohner das Maß aller Dinge ist. Das dachte sich der trend-Traveller, als er aus dem Fenster des Airbus A319 von Drukair, der Royal Bhutan Airways, blickte und sah, wie er auf Augenhöhe am Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt, vorbeischwebte. Es war in der Tat eine lange Reise gewesen. Er war im noch winterlichen Wien gestartet, hatte einen Zwischenstopp in der trocken-heißen arabischen Wüste gemacht, einen Tag im tropisch-schwülen Neu-Delhi verbracht, um dann um ein Uhr in der Nacht sein Hotel zu verlassen, um den nächtlichen Flug nach Paro zu erwischen, dem einzigen internationalen Flughafen des Königreichs Bhutan. Jetzt sah er zu, wie jenseits des Fensters die schneebedeckten Gipfel des Himalaya-Gebirges in einem strahlenden Weiß leuchteten. Dann tauchte das Flugzeug in tiefe Täler hinab, immer tiefer, es schlängelte sich durch eine Reihe von Schluchten, die immer enger wurden. Fast schien es, als würden die Tragflügel die Felswände streifen. Hatte nicht ein aktuelles Ranking den Flughafen von Paro zum zweitgefährlichsten ­Airport der Welt ernannt? Dann setzte das Flugzeug ruhig am Flughafen von Paro auf. Der trend-Traveller atmete tief durch.

Vor dem Flughafengebäude warteten Mani, der die nächsten Tage sein Guide sein wird, und Wangchuck, der Fahrer. Beide trugen Gho, die bhutanische Nationaltracht für Männer, eine Art knielangen Wickelrock, der mit einem Gürtel zusammengehalten wird. Dazu schwarze Kniestrümpfe. Die Luft war klar und frisch. Es war bitterkalt.

Mit der Reise nach Bhutan hatte sich der trend-Traveller einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Und tatsächlich: Es wurde eine der faszinierendsten Reisen, die er in den letzten Jahren unternommen hatte. Es war die Reise in ein friedfertiges und von Spiritualität geprägtes Land mit einer sehr intakten Natur, mit mächtigen Gebirgszügen, mit beeindruckenden Klöstern und Festungen. Bhutan ist das letzte von einst vielen Königreichen am Fuß des Himalayas. Nicht einmal 800.000 Menschen leben in dem Land, das so groß wie die Schweiz ist und das zwischen jene beiden Länder drängt, die mehr als eine Milliarde Einwohner haben – China und Indien. Es ist das erste Land, das von sich behaupten kann, CO2-negativ zu sein. Doch es gibt nicht nur dieses real existierende Bhutan. Es gibt auch das Bhutan der Mythen und der Legenden. So reitet der Besucher, der auf dem Weg nach Bhutan ist, auf den Flügeln eines Drachen ein. So zumindest steht es auf dem Boardingpass der Drukair: „On the Wings of the Dragon“. Druk Yul nennen die Bhutaner ihr Land, das Land des Donnerdrachens. Der König ist der Druk Gyalpo, der Drachenkönig. Es ist das Land, in dem das sagenhafte, paradiesische Shangri-La vermutet wurde, es ist ein Land voller Götter, Dämonen und Geister.

Mit dem 7.570 Meter hohen Gangkhar Puensum hat Bhutan den höchsten unbestiegenen Berg der Welt. Er ist nicht unbestiegen, weil er so schwierig zu besteigen wäre, sondern weil es in Bhutan verboten ist, sich über 6.000 Meter hinaufzubewegen. Zum Schutz der Natur und der Götter, sagen die einen. Um den legendären Yeti, der dort oben haust, nicht zu ­verschrecken, behaupten andere.

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Der Dzong von Punakha. Von hier aus wurde einst das Land regiert, bevor Thimphu zur Hauptstadt Bhutans ernannt wurde. Dzongs nennt man jene mächtigen Gebäudekomplexe, die eine Kombination von Kloster, Verwaltungsbehörde und Festung sind.

 © Gerald Sturz

Ein exklusives Reiseziel

Nach Bhutan fährt man nicht spontan. Es ist ja nicht nur so, dass es eine weite Reise nach Bhutan ist. Es ist auch eine teure Reise. Man braucht ein ­Visum, und man muss für jeden Tag, an dem man sich im Land aufhalten will, eine sogenannte Sustainable Development Fee (SDF) zahlen – zurzeit sind das 100 Dollar pro Tag. Wer dann durchs Land reisen will, braucht Auto mit Fahrer und Guide. Selbst Autofahren darf man nicht, Sehenswürdigkeiten ohne einheimische Begleitung besuchen auch nicht. Rucksack­touristen sind hier nicht willkommen.

Dem König und seinen Beratern gelingt es sehr gut, die Welt auf Distanz zu halten und nur so viel Einfluss von außen zuzulassen, wie es notwendig ist, um den Anschluss an den Rest der Welt nicht zu verlieren und dennoch Bhutans Eigenheit, seine intakte Natur, seine Spiritualität, seine Kultur erhalten zu können. Erst seit etwa 50 Jahren öffnete es sich in kleinen Schritten dem Tourismus, erst seit 1999 gibt es Fernsehen und Internet. Wie viele Touristen zurzeit im Land seien, fragte der trend-Traveller seinen Guide Mani. Es sei einiges los, es ­werden wohl zwischen 200 und 300 sein, antwortete er.

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Nahe der Hauptstadt Thimphu steht mit dem 54 Meter ­hohen Buddha Dordenma eine der größten Buddhastatuen der Welt.

 © Gerald Sturz

Wanderbares Bhutan

Am besten lernt man Bhutan und seine Täler kennen, indem man wandert. Die Wege führen durch Wälder und über Reisfelder und sind gesäumt von Klöstern und Festungen, von Gebetsfahnen und Gebetsmühlen, von Tempeln und Stupas, Buddha symbolisierenden kleinen Bauwerken. Wandern ist hier eine recht spirituelle Erfahrung.

Dzongs nennt man jene mächtigen Bauten, die eine Mischung aus Festung, Kloster und Verwaltungsgebäude sind. Besonders eindrucksvoll ist der Dzong von Punakha, von dem aus einst das Land regiert wurde. Er liegt zwischen zwei Flussarmen, und als der trend-Traveller ihn besuchte, fand gerade eine Veranstaltung mit Tanz und Gesang statt. Alle waren ­farbenfroh gekleidet, alle waren fröhlich und ausgelassen, der trend-Traveller war entzückt.

Selbstverständlich stieg der trend-Traveller auch zum Taktshang-Kloster hoch, der berühmtesten und fotogensten Sehenswürdigkeit des Landes. Es wird auch Tigernest genannt, weil der Legende nach im achten Jahrhundert Guru Rinpoche, der bedeutendste Heilige Bhutans, auf dem Rücken einer Tigerin hinaufgeflogen sei, um in einer Felshöhle zu ­meditieren. Wie ein Vogelnest hängt das Kloster in mehr als 3.000 Meter Höhe an der Felswand, angeblich bloß festgehalten durch die Haare irgendwelcher Göttinnen. Gut drei Stunden brauchte der trend-Traveller für den Aufstieg. Es lohnte sich. Steil geht es bergauf, man wandert durch Pinienwälder, auf halber Strecke gibt es eine Raststation, die Luft wird immer dünner, 400 Stufen runter und 400 Stufen wieder rauf, immer wieder vorbei an Gebetsfahnen, Gebetstrommeln und Stupas. In einer Felshöhle stehen unzählige Tsa-Tsas, jene kleinen, handflächengroßen Kegel aus Mehl, Wasser und bisweilen auch aus der Asche von verstorbenen Verwandten; man findet sie in Bhutan allerorts, in Höhlen, auf Felsen, an Stupas.

Das Kloster ist ein labyrinthischer Bau mit vielen Räumen, Altaren und Treppen. Auch hier heißt es: „No shoes, no photos.“ Wer in Bhutan Tempelanlagen und Klöster betritt, muss die Schuhe ausziehen und darf in den Innenräumen keine ­Fotos machen. Wacker wanderte der trend-Traveller bloßfüßig über eiskalte Steinböden.

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Gefeiert wird in Bhutan auch sehr gerne, zum Beispiel in der Festung von Punakha.

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Das Glück ist ein Ort

1972 erklärte König Jigme Singye Wangchuck, dass der Gross National Happiness Index wichtiger sei als das Bruttoinlandsprodukt, und die Verpflichtung des Staates, Bedingungen zu schaffen, die das Bruttonationalglück fördern, wurde in der Verfassung festgeschrieben. Wenig später dachte man sich den Werbeslogan „Happiness is a ­place“ aus. Wie glücklich sind die Bhutaner nun tatsächlich? Die Frage stellte also der trend-Traveller beim Abendessen im Restaurant „Shambala“ in Thimphu Kezang Choden, der Mitarbeiterin des Bhutan Tourist Office. „Es geht nicht um Glück im westlichen Sinn“, antwortete sie, „sondern um eine holistische Weiterentwicklung, die keinen zurücklässt und die vor allem Gesundheit, Bildung, Nachhaltigkeit, Sinn für Gemeinschaft umfasst. Es geht um Zufriedenheit. Und da sind wir sehr erfolgreich. Alle Umfragen zeigen es.“

Wenn Freundlichkeit, Gelassenheit und Ruhe Ausdruck von Zufriedenheit sind, dann machen die Bhutaner ihre Sache gut. „No hurry, no worry“ steht auf Schildern, die man immer wieder am Straßenrand sehen kann. Und daran hält man sich auch.

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