
Handel im Wandel: Neue Geschäftsmodelle und ein gutes Gespür für veränderte Bedürfnisse waren in den von Corona geprägten Jahren entscheidend, um sich am Markt zu behaupten.
Inflation, stockende Lieferketten und ein verändertes Kaufverhalten: Mit ineinander verschränkten Herausforderungen kämpfte in den vergangenen Jahren der österreichische Handel. Nicht zuletzt wegen der Pandemie wurden die Karten neu gemischt: Während der stationäre Handel 2020/2021 unter Lockdowns litt, boomte das Onlinegeschäft.
Den Shift in Richtung digitaler Warenkorb machten sich innovative Unternehmen wie Vresh, ein 2012 gegründetes Modelabel, zunutze. Die Linzer Bekleidungsmarke – mit 98 Prozent durchschnittlichem Umsatzwachstum auf Platz eins im B2C-Handel – setzt auf faire Produktion und Unabhängigkeit von externen Dienstleistern. „Viele Menschen wollen heute genauer wissen, wo ihre Kleidung herkommt, wer sie produziert und welche Materialien sie direkt auf der Haut tragen“, so CEO Michaela Geiseder: „Wir entwickeln zeitlose Kleidung für den Alltag und produzieren fair und möglichst ressourcenschonend in Europa. Vom Produkt über die Verpackung bis zum Versand haben wir den Prozess selbst in der Hand.“ Der Versand direkt aus dem Linzer Shop schaffe Nähe zur Community, die dank verstärkter Onlinepräsenz und gezielter Werbung auf Social Media mittlerweile auch in Deutschland wächst. Als wichtigen Faktor für die Gewinnung von Neukund:innen nennt Geiseder die Umorientierung des Modelabels von Skater- und Streetwear hin zu schlichteren Basics.
Alles andere als schlicht sind hingegen die Designs der Marke Pure&Fun von Healthy Kids, Wachstumschampion im B2B-Handel: Wer im Supermarktregal nach einem gesunden Snack für Kinder sucht, wird seit einigen Jahren von bekannten Filmfiguren wie den Disney-Prinzessinnen und den Vierbeinern aus „Paw Patrol“ angelacht. Freilich leuchten da die Kinderaugen, und auch Eltern greifen beim Bio-Sortiment von Pure&Fun – darunter Getränke, Riegel und Quetschies – gerne zu. Das Erfolgsrezept: „Kinder entscheiden nach der Verpackung, Eltern nach Nährwerten und Zutaten – genau diese beiden Welten bringen wir zusammen“, so Co-Gründer Reinhold Hinterplattner. „Unser Wachstum basiert nicht auf einem einzelnen Produkt, sondern auf einem skalierbaren Geschäftsmodell“, erklärt Mitgründer Christian Eibl. Dass die Verbindung von Bio-Lebensmitteln mit beliebten Lizenzmotiven in elf europäischen Ländern – darunter neben Österreich die Schweiz, Ungarn und Polen– funktioniert, sehen die beiden Väter als gute Basis für langfristiges Wachstum. Ihr Engagement hat ihnen bereits mehrere Auszeichnungen eingebracht: Bei den Licensing International Germany Awards 2022 war Healthy Kids „Newcomer des Jahres“, beim Salzburger Wirtschaftspreis Wikarus 2025 Drittplatzierter der Kategorie „Unternehmensgründung“.
Wenngleich der Lebensmittelsektor weniger stark von der Pandemie betroffen war, erschwerten Lockdowns, Homeschooling und ausbleibende Treffen den Aufbau des Start-ups, erzählt Eibl. Bis 2030 soll Pure&Fun als Bio-Lebensmittelmarke für Kinder in Europa weiterwachsen und den Umsatz dank Sortimentserweiterungen verdoppeln. Die Konkurrenz im Handel bleibt jedoch groß, betont Hinterplattner: „Regalplätze im Handel sind sehr begrenzt, bessere Kinderlebensmittel müssen sich oft gegen jahrzehntelang etablierte Produkte behaupten.“
Auch Geiseder berichtet von Herausforderungen in der Aufbauphase: Besonders zu Beginn seien die Produktionskapazitäten schwer einzuschätzen gewesen. Für die Zukunft zeigt sie sich dennoch zuversichtlich und hofft, dass immer mehr Menschen die Auswirkungen ihres Konsumverhaltens hinterfragen und sich für nachhaltige Kleidung entscheiden.