Trump, Putin und die Exporte

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Kanadas Premier Mark Carney in Davos

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Kanadas Premier Mark Carney hat in Davos eben einen Zusammenschluss mittelgroßer Länder gefordert, um den USA, China und Russland etwas entgegenzusetzen. Für Österreich gilt: Der Industriestrategie sollte ein Plan für die Außenwirtschaſt folgen. Aus dem trend-Leitartikel.

Vor einem Jahr ist völlig überraschend Strabag-CEO Klemens Haselsteiner gestorben, drei Tage vor dem Amtsantritt von Donald Trump in den USA. In seinen letzten trend-Interviews erklärte der junge Industrielle, auf welche Auslandsmärkte außerhalb der EU der Baukonzern unter seiner Führung setzen wolle, nachdem die hochfliegenden Russland-Pläne seines Vaters Hans Peter Haselsteiner gescheitert waren: Er nannte Großbritannien und Kanada, liebäugelte mit Indien sowie mit ausgewählten südamerikanischen und afrikanischen Ländern, und er schlug kurz darauf mit einer Großakquisition in Australien zu. Die USA nannte er nicht. Demokratie, politische Stabilität und Rechtsstaatlichkeit sollten fortan die Richtschnur sein, so Haselsteiner.

Ein Jahr später stehen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern fast alle Staaten Europas vor der kniffligen Frage, mit wem künftig Wirtschaftsbeziehungen forciert werden sollen. Nach zwölf Monaten Donald Trump ist klar, dass man auf die transatlantische Partnerschaft nicht mehr bauen kann – dazu hätte es der jüngsten Eskalation rund um Grönland nicht bedurft. Was ein Investor über die Verlässlichkeit Trumps und seiner engsten Berater kürzlich in der „Financial Times“ geäußert hat, sehen auch viele andere so: „Niemand will sich engagieren, wenn ein sch*** Zufallstweet die gesamte Außenpolitik des Landes wieder ändern kann.“ Die USA sind unberechenbar geworden, das spiegelt sich bereits in den österreichischen Exporten wider, die im ersten Halbjahr 2025 um 14,4 Prozent einbrachen. Die noch nicht vorliegenden Investitionszahlen werden kaum besser ausfallen.

Dass der Feind meines Feinds automatisch mein Freund ist, gilt außenwirtschaftlich jedoch keineswegs. Sein Glück stärker bei den geopolitischen Widersachern Trumps zu versuchen, der antiamerikanischen Welt rund um die BRICS-Staaten, wäre zu kurz gedacht, immerhin steht das R in diesem Akronym für Russland, das C für China. Im geopolitischen Spiel der Großen und Mächtigen ist die Gefahr, in diesen Ländern in ökonomische Geiselhaft zu geraten, mindestens genauso groß.

Es gilt, eine dritte Einflusssphäre zu definieren – und zu formen. Kanadas Premier Mark Carney hat in einer vielumjubelten Rede am World Economic Forum in Davos am 20. Jänner gefordert, dass sich die Mittelklasse der Länder rund um den Globus verbünden sollte, um den USA, China und Russland etwas entgegenzusetzen.

Zur Auswahl von Klemens Haselsteiner sind sicher noch asiatische Länder wie Südkorea und Japan hinzuzufügen. Ob über Handelsabkommen oder über ein festeres Netzwerk, ist einerlei. Entscheidend ist, dass die EU das Heft in die Hand nimmt. Wer, wenn nicht die EU-Europäer, die im Inneren ständig die Interessen von 27 Mitgliedsstaaten ausbalancieren müssen, könnte das auf einer noch höheren Ebene?

Für Österreichs exportorientierte Unternehmen, die in den letzten Jahrzehnten eine beispiellose Erfolgsgeschichte in Sachen Globalisierung geschrieben haben und rund 60 Prozent der nationalen Wertschöpfung generieren, gilt es, sich an neue Verhältnisse anzupassen. Dazu brauchen sie politische Unterstützung.

In der nun endlich präsentierten Industriestrategie der schwarz-rot-pinken Bundesregierung werden zwar neun Schlüsseltechnologien von Halbleitern bis Mobilität definiert. Das macht jedoch nur Sinn, wenn man gleichzeitig die globale Kooperation in diesen Bereichen sichert: von Forschungszugängen bis zu den Rohstoffen, um die Produktion sicherzustellen, aber auch bei den Absatzmärkten. Wenn die Standortagentur Austrian Business Agency (ABA), wie es Regierungswunsch ist, für die definierten Technologien Firmen aus anderen Ländern nach Österreich holen soll, sollte man zu diesen Ländern gute Kontakte pflegen.

Wirtschafts- und Außenministerium sind ebenso gefordert wie die neue Führung der Wirtschaftskammer. Wie wirkt sich die veränderte Zollkulisse aus? Wie muss sich in der Folge die Kammer mit ihren Außenwirtschaftscentern aufstellen? Und wie sieht eine Exportförderung aus, die den Gegebenheiten der neuen Weltordnung gerecht wird?

Die letzte Außenwirtschaftsstrategie stammt aus dem Jahr 2018 mit einem Addendum von 2022, als die Pandemie und der russische Angriff skrieg einige der Grundannahmen erschüttert hatten. Es ist höchste Zeit für ein Update: kein monatelanger Prozess wie bei der Industriestrategie, sondern eine rasche, schnell adaptierbare Orientierungshilfe für die Exporteure, verbunden mit ebenso reger wie zielgerichteter Besuchsdiplomatie.

Es geht dabei, wohlgemerkt, nicht um staatlich geplante Außenwirtschaft. Die Unternehmen wissen in der Regel selbst am besten, welche Märkte für sie chancenreich sind und wie sie ihre Kunden rund um den Globus erreichen. Politischer Flankenschutz ist jedoch unverzichtbar.

Der Kommentar erschien erstmals im trend.PREMIUM vom 16. Jänner 2026, er wurde anlässlich des World Economic Forum am 21. Jänner ergänzt.

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