
Schienen und Weichen der Voestalpine bleiben weltweit hoch gefragt - auch in den USA.
©voestalpine AGCEO Herbert Eibensteiner ortet Verlust von Industriearbeitsplätzen im Trump-Land, hält aber an den bestehenden Standorten des Stahl- und Technologiekonzerns in Nordamerika fest.
„Uns weht ein eisiger Wind um die Ohren", kommentierte Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner spontan einen Windstoß, der während seiner Ausführungen in einem Hintergrundgespräch in Wien durch das geöffnete Dachfenster fuhr.
Eibensteiner meinte natürlich auch die Unberechenbarkeit der internationalen Märkte, mit der der Stahl- und Technologiekonzern mit Hauptsitz Linz zu kämpfen hat. Seit Donald Trumps Zollkriegen fiel ein „hoher zweistelliger Millionenbeitrag für Zölle" an, nur ein Teil kann weiter gegeben werden. Auch Lieferungen von Brasilien, wo das Unternehmen mehrere Standorte betreibt, in die USA - Ausnahme: Flugzeugteile - sind von hohen Zöllen betroffen. Und China lenkt seine Exporte nach Südamerika und Europa um, wo die Preise unter Druck kommen.
Wie sich im Gefolge der aktuellen Grönland-Krise etwaige neue Zölle auf Deutschland, deren Autoindustrie ein wichtiger Kunde der Voestalpine ist, und die EU auswirken – darüber wollte Eibensteiner nicht spekulieren. „Wir passen uns an", war sein Standardsatz.
Mit seinen 49 Standorten in den USA selbst ist der Konzern für lokale Produktion aber gut aufgestellt. 20 Prozent hält das Unternehmen noch an der Direktreduktionsanlage für Eisenschwamm in Corpus Christi, Texas, die 2015 eröffnet worden war und seit 2022 zu 80 Prozent dem Mitbewerber Arcelor Mittal gehört. Sowohl Material für automatisierte Hochregallager, etwa für Amazon oder Walmart, als auch Eisenbahnsysteme sind hoch gefragt.
Während Eibensteiner für 2026 in Deutschland und Österreich eine „leichte Belebung" auf 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum erwartet, sind es bei den USA laut Oxford Economics 2,8 Prozent. Die guten Zahlen seien vor allem durch den Boom bei Rechenzentren für die KI begründet, in der US-Industrie gebe es hingegen einen Verlust von Arbeitsplätzen, so der Industriemanager.
500 Voestalpine-Standorten gibt es weltweit, „jetzt werden es ein bisschen weniger", kündigte Eibensteiner an. Er bezog sich jedoch nicht auf Nordamerika, sondern auf die laufende Umstrukturierung des Geschäfts mit Autokomponenten in Deutschland.
Die Voestalpine setzte zuletzt mit knapp unter 50.000 Mitarbeitern weltweit 15,7 Milliarden Euro um und erwirtschaftete ein Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen in Höhe von 1,3 Millliarden Euro.
