
Bei der EZB zeichnet sich ein historischer Führungswechsel ab. Wer als Christine Lagardes Nachfolger:in ins Rennen geht und wer EZB-Chefökonom:in werden soll.
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Die Eurozone steht vor einer der umfassendsten Führungswechsel in der 28-jährigen Geschichte der europäischen Zentralbank. Laut Financial Times (FT) will man sich noch bis Ende Dezember auf ein „großes Paket” für die drei Top-Positionen – Präsidentschaft, Chef-Ökonom:in und Direktoriumsmitglied – der Notenbank einigen.
Auslöser des Umbruchs ist der erwartete, vorzeitige Rücktritt der EZB-Präsidentin Christine Lagarde - die Französin ist heute, Montag, zu Besuch in Wien. Laut FT könnte Lagarde ihren Rücktritt bereits diesen Oktober auf der Geldpolitischen Sitzung der EZB bekanntgeben. Regulär würde ihre Amstzeit bis Oktober 2027 laufen. Hintergrund: Die EZB-Präsidentin verhandelt seit über einem Jahr mit dem Weltwirtschaftsforum (WEF) über den Vorsitz des Gremiums, das hinter dem jährlichen Davos-Treffen steht. Eine Entscheidung des WEF-Vorstands wird für Oktober oder November erwartet. Parallel zur EZB-Präsidentschaft laufen auch die achtjährigen Amtszeiten von Chefökonom Philip Lane und Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel im kommenden Jahr aus. Die neue Führungsspitze müsse aus „starken Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Profilen” bestehen.
Rennen um die Nachfolge Lagardes
Laut FT sind die aussichtsreichsten Kandidaten für die Lagarde-Nachfolge: Pablo Hernández de Cos, aktuell Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sowie Klaas Knot, der ehemalige Präsident der niederländischen Zentralbank. Auch der deutsche Bundesbankpräsident Joachim Nagel soll laut FT Interesse siganlisiert haben. Das wäre allerdings unwahrscheinlich, denn dann wären zwei der wichtigsten EU-Institutionen – EZB und Kommission – gleichzeitig von Deutschen geführt. Als möglichen Überraschungskandidat brachte David Marsh, Vorsitzender des Think-Tanks OMFIF, den früheren französischen Zentralbankgouverneur François Villeroy de Galhau ins Spiel. 2019 platzierte der franzäsische Präsident Emmanuel Macron Lagarde in letzter Minute als Favouritin.
Rangeln um den Chefökonom:in-Posten
Die deutsche Bundesregierung positioniert sich derweil für den Posten der Chefökonom:in, der als zweitwichtigste Funktion nach der EZB-Präsidentschaft gilt. In Berlin ist das Modell mit einer nicht-deutschen Präsident:in und einer deutschen Chefökonom:in die potenzielle Vorlage für die Besetzung. Als Kandidat:innen sind dort Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier, die Stanford-Professorin Monika Piazzesi, sowie der ehemalige leitende IWF-Ökonom Tobia Adrian im Gespräch.
Frankreich hat jedoch ebenfalls Ambitionen auf den Posten und nennt Agnès Bènassy-Quéré, Vizepräsidentin der Banque de France, sowie Laurence Boone, ehemalige OECD-Chefökonomin und derzeit Leiterin des Corporate- und Investentbanking-Geschäfts von Santander Frankreich. Eine Einigung zwischen Frankreich und Deutschland könnte schwierig werden. Laut FT gilt in Berlin eine Kombination aus einer spanischen Präsident:in und einer französischen Chefökonom:in als kaum akzeptabel. Umgekehrt dürfte Paris eine niederländische Präsident:in mit deutscher Chefökonom:in blockieren.