Die Zentralbanken vor der Zinswende

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EZB-Gebäude in Frankfurt
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Für die EZB in Frankfurt stehen wichtige Entscheidungen über die Zinspolitik an.

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Steigende Inflation im Zuge geopolitischer Spannungen setzt die großen Notenbanken unter Druck. Sowohl EZB als auch US-Notenbank Fed stehen vor richtungsweisenden Zinsentscheidungen.

Am 11. Juni findet die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rats statt, und sie zählt schon jetzt zu den meistdiskutierten seit Langem. Denn durch die steigende Inflation als Folge des Irankriegs ist auch die Europäische Zentralbank unter Druck, erstmals seit September 2023 den Einlagensatz anzuheben – mit entsprechenden Folgen für Sparer:innen, Kreditnehmer:innen und Konjunktur.

Vor diesem Hintergrund gilt eine erste Zinserhöhung seit September 2023 inzwischen als sehr wahrscheinlich. Zahlreiche Ökonom:innen erwarten, dass die EZB den Einlagensatz am 11. Juni um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent anheben wird. Einige Marktbeobachter:innen halten sogar eine weitere Zinserhöhung bis September 2026 auf 2,50 Prozent für möglich, sollte sich der Preisdruck als hartnäckiger erweisen als bislang angenommen.

So erwartet auch Unicredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer Zinsanhebungen im Juni und im September um insgesamt 50 Basispunkte, „wobei wir hinsichtlich der Anhebung im Juni mittlerweile sehr sicher sind.“ Eine erste Zinssenkung wird erst für Mitte 2027 prognostiziert.

Zunehmender Handlungsdruck innerhalb des EZB-Rats

Im EZB-Rat haben sich die Positionen zuletzt weiter verhärtet. Bundesbankpräsident Joachim Nagel gehört zu den entschiedensten Befürwortern einer Zinserhöhung. Er warnt in einem Interview mit dem Handelsblatt davor, die Auswirkungen der hohen Energiepreise zu unterschätzen, und hält weitere Inflationsanstiege für möglich. Selbst bei einem raschen Ende des Konflikts im Nahen Osten könne die Teuerung länger erhöht bleiben als bislang erwartet.

Auch Österreichs Nationalbankgouverneur und EZB-Ratsmitglied Martin Kocher hält eine Zinserhöhung inzwischen für kaum vermeidbar. Sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht deutlich entspannen, werde es schwierig sein, eine Anhebung zu verhindern, sagte er gegenüber der APA. Als möglichen Schritt nennt Kocher 25 Basispunkte, schließt jedoch auch stärkere Anpassungen nicht aus.

Deutlich vorsichtiger äußert sich hingegen François Villeroy de Galhau. Der französische Notenbankchef verweist auf die weiterhin unsicheren Aussichten für die Kerninflation und mahnt in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“, die Diskussion über konkrete Zinsschritte nicht vorwegzunehmen. Dennoch sei die EZB laut dem französischen Notenbankchef bereit, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen.

Inflation bleibt über Zielniveau

Zusätzlichen Handlungsdruck liefern die jüngsten Inflationsdaten: Die Teuerungsrate im Euroraum stieg im Mai auf 3,2 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit September 2023. Ökonom:innen verweisen zunehmend auf sogenannte Zweitrundeneffekte, da sich die höheren Energiepreise inzwischen auch auf andere Bereiche der Wirtschaft auswirken. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält deshalb eine Zinserhöhung im Juni aus heutiger Sicht für notwendig.

Ein Blick in die USA

Auch in den USA richtet sich der Blick auf die Geldpolitik. Die Federal Reserve entscheidet am 16. und 17. Juni erstmals unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh über den weiteren Kurs. Warsh übernimmt die Notenbank in einer Phase steigender Inflationsraten, einer robusten Konjunktur und zunehmenden politischen Drucks. So sprach sich US-Präsident Donald Trump am Sonntag gegen eine Zinserhöhung der Federal Reserve aus.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten zuletzt überraschend starke Arbeitsmarktdaten: Im Mai wurden laut dem Jobs Report 2026 172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, deutlich mehr als erwartet. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 4,3 Prozent. Die robuste Entwicklung spricht gegen baldige Zinssenkungen. Angesichts der weiterhin erhöhten Inflation halten einige Ökonom:innen Zinserhöhungen nicht für ausgeschlossen.

Einige Ökonom:innen schließen inzwischen sogar weitere Zinserhöhungen nicht mehr aus, sollte der Inflationsdruck in den USA weiter anhalten.

Für Sparer:innen und Kreditnehmer:innen sowohl in Europa als auch in den USA ist der Juni damit ein richtungsweisender Monat. Die Entscheidungen der beiden großen Zentralbanken dürften die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der kommenden Quartale maßgeblich prägen.

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