
Geht es nach Frankreichs Präsident Macron, soll die EZB weitere Aufgaben übertragen bekommen. Das sieht aber nicht jeder so.
Wenn Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine seiner Grundsatzreden hält, bleibt meist kein Auge trocken. Mit viel Pathos – „Europa könnte sterben“ – schwört er die Europäer auf harte Zeiten und mehr Zusammenhalt ein. So auch vor wenigen Tagen an der renommierten Sorbonne-Universität in Paris.
Macron ist ohne Zweifel ein Meister des gesprochenen Worts. Anders als sein deutscher Amtskollege Olaf Scholz etwa gelingt es ihm oft, die Massen mit seinen Reden zu bewegen. Ob die darin vorgetragenen Ideen auch mehrheitsfähig sind, steht aber auf einem anderen Blatt.
So regte Macron zuletzt an, die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) zu stärken, sie also nicht bloß mit Bekämpfung der Inflation zu beauftragen, sondern ihr auch die Verantwortung für das Wirtschaftswachstum und die Dekarbonisierung der Wirtschaft umzuhängen. Konkret sollen entsprechende Ziele in den Handlungsrahmen der EZB aufgenommen werden, schwebt dem französischen Präsidenten vor.
Die Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten: Die EZB tue gut daran, sich an ihre Kernkompetenzen zu halten und sich nicht nur auf andere Projekte zu fokussieren, meinte etwa der österreichische Finanzminister Magnus Brunner.
Als eines dieser unliebsamen Projekte nannte er etwa den digitalen Euro. Auch ein deutscher Regierungssprecher lehnte die Ideen des Franzosen höflich, aber bestimmt ab.
Wer mitreden will, muss wissen, was wichtig ist.
Jetzt Abo wählen und weiterlesen
