ÖBB-Joint-Venture in ukrainischen Oligarchen-Händen

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Ein Joint Venture zwischen Voestalpine und Rail Cargo Austria zum Bau eines speziellen Güterwaggons landet im ukrainischen Mischkonzern des Oligarchen und kurzzeitigen Vizepremiers Sergii Tigipko.

Auf die Bedeutung der exportstarken heimischen Bahnindustrie wird dieser Tage besonders gerne verwiesen. Nun wird bekannt, dass ausgerechnet Transant, ein Joint Venture zwischen der ÖBB-Tochter Rail Cargo und der Voestalpine zur Entwicklung eines Leichtbau-Fahrgestells für Güterwaggons, ins Ausland verkauft wurde. Wie aus der im Juni vorgelegten Voestalpine-Bilanz 2025/26 ersichtlich ist, wurden die letzten verbliebenen Anteile von ursprünglich 50 Prozent „um ein paar Millionen Euro“ komplett veräußert. Und vor wenigen Wochen ist nun auch der staatliche Eisenbahnriese als Miteigentümer selbst ausgestiegen. Erst im März trennte sich die Rail-Cargo von ihrem letzten verbliebene Anteil von 5,88 Prozent an dem Unternehmen, bestätigt die ÖBB dem trend auf Anfrage. Begründung: „Waggonbau ist keine Kernkompetenz“.

Vom Mobilitätsstaatspreis zum Ukraineschnäppchen

Über die Gründe des Ausverkaufs kann nur spekuliert werden. Mit dem Rückzug der Voestalpine ab 2023 kam Stück für Stück der ukrainische Mischkonzern TAS Group mit Sitz in Zypern als Teilhaber in Spiel. Dahinter steht Sergii Leonidovich Tigipko, einer der reichsten Oligarchen der Ukraine, früher als Vizepremier und Nationalbankpräsident politisch tätig. Er handelt nicht nur mit Immobilien, Versicherungen und Finanzprodukten, sondern auch mit Energie sowie landwirtschaftlichen und mineralischen Rohstoffen. Gut vorstellbar, dass die Ukraine hohes Interesse an leichten und modular ausbaufähigen Waggonkonstruktionen hat. Und umgekehrt dürfte ein echtes Joint Venture mit Partnern aus einem kriegsführendem Land für einen Staatsbetrieb wie die ÖBB deutlich heikler sein als – wie zuletzt – ein paar interne Überlegungen anzustellen, neue EU-Mittel für militärisch-zivil genutzte Dual-Use-Infrastruktur abzugreifen.

Dabei war Transant einst der ganze Stolz von Ex-Rail-Cargo-Chef Clemens Först, dessen bis April laufender Vertrag auch im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen der ÖBB nicht mehr verlängert wurde. Der Linzer Spezialstahl und ein paar konstruktive Innovationen ergaben höhere Zuladungsgrenzen, somit einen Kostenvorteil im Betrieb. Das Projekt war so vielversprechend, dass es 2019 den Mobilitäts-Staatspreis des Infrastrukturministeriums erhielt, kurz danach wurde das Joint-Venture mit der Voestalpine zur Produktion und Vermarktung gegründet.

Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 12. Juni 2026 erschienen.

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