
Die große trend-Umfrage: Nur eine knappe Mehrheit der Österreicher:innen findet, dass grundsätzlich mehr gearbeitet werden soll. Die Verantwortung dafür liege jedoch bei Staat und Unternehmen.
Die Österreicher:innen arbeiten im internationalen Vergleich weniger als andere Industriestaaten. Liegt der OECD-Durchschnittswert bei 1.736 geleisteten Arbeitsstunden pro Jahr, sind es hierzulande lediglich 1.432 Stunden. Jedoch nur eine knappe Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass mehr geleistet werden soll, wie die neueste Umfrage des Linzer Market Instituts zeigt. In Deutschland zeigt sich ein noch klareres Bild: Knapp 70 Prozent der Deutschen unter 50 Jahre finden nicht, dass mehr gearbeitet werden muss, um den Wohlstand zu sichern.
Als „sehr wichtig“ stufen lediglich 22 Prozent der Befragten in Österreich die Notwendigkeit von mehr Arbeit ein. Dabei gibt es deutliche Unterschiede nach Alter. „Je länger Menschen in Pension sind, desto wichtiger finden sie, dass mehr gearbeitet wird“, analysiert Market-Expertin Birgit Starmayr. Personen über 60 Jahren könnten bei abnehmender Arbeitsleistung wohl die eigene Pension gefährdet sehen. Dahingegen meinen junge Menschen nicht, dass mehr gearbeitet werden soll.


Bei der Frage, wer für ein höheres Arbeitspensum verantwortlich ist, zeigt sich ein klares Bild. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht den Staat oder die Arbeitgeber in der Bringschuld, Vollzeitarbeit und Überstunden attraktiver zu gestalten. Menschen mit höherer Bildung appellieren stärker an die Unternehmen, jene mit niedrigerem Bildungsabschluss an den Staat. Lediglich 18 Prozent der Österreicher:innen meinen, Arbeitnehmer:innen sollen von sich aus mehr leisten.


Freiwillig auf Annehmlichkeiten verzichten will die Mehrheit jedenfalls nicht. Einen Feiertag, etwa aus dem jetzt anstehenden Reigen 1. Mai, Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam, zu streichen, ist ein Tabu. „Dieser Vorschlag geht für die meisten Österreicher:innen überhaupt nicht in Ordnung“, so Starmayr. Ebenfalls unbeliebt: die Wochenarbeitszeit kollektivvertraglich zu erhöhen. Unterstützung finden hingegen staatliche Anreize, die Vollzeitarbeit besser zu stellen, und die steuerliche Begünstigung von Überstunden.


Info
Diese repräsentative trend-Umfrage wurde vom market-Institut durchgeführt. n = 1.000 Befragte.
Die Umfrage ist in der trend.EDITION vom 24. April 2026 erschienen.
