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Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage mit minus 31,9 Punkten erheblich schlechter als im Vormonat (minus 21,2 Punkte). Auch die Erwartungen für die kommenden Monate trübten sich deutlich ein: Dieser Indikator sank von minus 12,1 auf minus 17,9 Punkte. "Die Folgen der Kriegshandlungen im Nahen Osten treffen die ohnehin angeschlagene Chemiebranche mit voller Wucht", sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.
Die chemische Industrie litt bereits vor dem am 28. Februar begonnenen Iran-Krieg unter einem ausgeprägten Auftragsmangel, der sich im März weiter verschärfte. Hinzu kommen nun stark gestiegene Kosten für Rohöl, Rohstoffe und Energie. Um den Kostendruck aufzufangen, planen die Unternehmen mit deutlich höheren Preisen, fanden die Ifo-Forscher heraus.
Gleichzeitig brachen die Beschäftigungserwartungen mit minus 32,1 Punkten auf ein historisches Tief ein. "Die Unternehmen können die schwierigen Rahmenbedingungen kaum beeinflussen", sagte Wolf. "Ihnen bleibt daher nur der Abbau von Arbeitsplätzen als Handlungsspielraum."
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Deutschland hat in dieser Woche seine Warnung vor Lieferengpässen wegen des Iran-Kriegs verschärft. Besonders angespannt ist die Lage demnach bei Cyclohexan, Glycol, Melamin und Methanol. Diese Stoffe werden unter anderem für die Herstellung von Nylon, Klebstoffen und als Lösungsmittel benötigt. "Der Iran-Krieg zeigt schonungslos, wie verwundbar Europa geworden ist", erklärte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Auch der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs warnte vor steigenden Rohölpreisen sowie anhaltenden Störungen globaler Lieferketten, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Branche deutlich verschärften.
CHALAMPÉ - FRANKREICH: FOTO: APA/APA/POOL/BENOIT TESSIER