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Nachdem in Kaliningrad die beklagten Strabag-Kernaktionäre sowie die Raiffeisenbank Russland und ihr Mutterkonzern Raiffeisenbank Russland auf Rechtsmittel verzichtet hatten, hatte Rasperia vor der nunmehrigen Transaktion eine Exekutionsbewilligung angefordert, die laut Gerichtsregister am 28. Oktober auch ausgestellt wurde.
Ausgangspunkt der komplexen Causa, die mit der aktuellen Transaktion zumindest in Russland zu Ende gegangen sein könnte, war die durch EU-Sanktionen bedingte Entmachtung des russischen Strabag-Kernaktionärs Rasperia im Strabag-Konzern 2022 gewesen. Rasperia und sein zumindest damaliger Besitzer Oleg Deripaska fühlten sich durch den Schritt ungerecht behandelt. Nachdem rechtliche Schritte in Österreich gescheitert waren, hatten die Russen in ihrer Heimat mehr Erfolg: Auf Grundlage von Kaliningrader Gerichtsbeschlüssen konnte die Holdinggesellschaft etwa 2,4 Mrd. Euro Schadenersatz bei der Raiffeisenbank Russland lukrieren. Die Bank war dabei nur wegen ihrer "Verwandtschaft" zum Strabag-Kernaktionär Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien geklagt worden, der Eigentümerin der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die ihrerseits 25 Prozent am Raiffeisenbank Russland-Mutterkonzern RBI hält.
Nachdem 2025 beim Handelsgericht in Kaliningrad zunächst von Rasperia beantragt worden war, den Beklagten Schadenersatzklagen und andere rechtliche Schritte im Ausland gänzlich zu untersagen, kam es im Sommer 2026 zu einem Kompromiss: Das Gericht erlaubte insbesondere auch RBI und der Raiffeisenbank Russland reziproke Schadenersatzklagen gegen Rasperia im Ausland bis zu einem Limit von 2,85 Mrd. Euro. Im Einklang mit europäischen Sanktionsbestimmungen brachten RBI und Tochter kurze Zeit später eine Klage beim Landesgericht für Zivilrechtssachen (LGZ) Wien auf 3,15 Mrd. Euro Schadenersatz ein und bekamen diese Summe mittlerweile rechtskräftig zugesprochen.
Die 300 Mio. Euro-Differenz zwischen der vom russischen Gericht genehmigten Summe und der tatsächlichen Klagesumme sowie 42 Mio. Euro wollte sich Rasperia wie erwartet von einem russischen Konto des österreichischen Bankkonzerns zurückholen. Die abgebuchten 30.836.589.219 Rubel entsprachen am Tag der Ausstellung der Exekutionsbewilligung am 28. Oktober nach dem damaligen Kurs der russischen Zentralbank 342,26 Mio. Euro. Bedingt durch eine leichten Rubelabwertung der letzten Tage würde die Rubelsumme mit Stand vom Mittwoch indes lediglich 336,64 Mio. Euro entsprechen.
RBI selbst plant in Wien indes auf Grundlage der Entscheidung des LGZ Wien und mit Hilfe der Finanzmarktaufsicht FMA Zugriff auf EU-sanktioniertes und bisher eingefrorenes Vermögen von Rasperia in Österreich zu erhalten. Konkret wollen RBI und Raiffeisenbank Russland Rasperias 28,5 Millionen Strabag-Aktien verwerten sowie Zugriff auf an die russische Holdinggesellschaft nicht ausbezahlte Strabag-Dividenden und die Gelder einer Barausschüttung aus einer Strabag-Kapitalherabsetzung im Jahr 2024 bekommen.