OeNB: Zinsschritt bei anhaltender Inflation unausweichlich

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Kocher erwartet baldigen Zinsschritt
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Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung des Gouverneurs der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Ratsmitglieds Martin Kocher bei ausbleibender Entspannung der Inflation nicht um eine Zinserhöhung in nächster Zeit herumkommen. "Wenn sich die Lage nicht deutlich verbessert, wird an einem Zinsschritt in der nächsten Zeit kein Weg vorbeiführen", sagte Kocher am Montag im Interview mit der Schweizer "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ).

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Der Verzicht auf eine Zinserhöhung im April sei zwar vertretbar gewesen. Die Notenbank dürfe mit einer Straffung der Geldpolitik jedoch nicht zu lange warten, falls die durch den Iran-Konflikt getriebenen Energiepreise nicht rasch nachgäben. Zugleich betonte Kocher, es sei "nicht seriös", sich Wochen vor der nächsten Zinssitzung am 11. Juni festzulegen. Die EZB werde weiterhin datenabhängig von Sitzung zu Sitzung entscheiden.

Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten trifft Kocher zufolge eine Phase beginnender wirtschaftlicher Erholung in Europa, insbesondere in Deutschland und Österreich, und gefährdet diese. Das Risiko einer stagflationären Entwicklung sei daher nicht auszuschließen, auch wenn sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt bisher widerstandsfähig zeigten. Entscheidend sei, wie lange der Konflikt andauere.

Zugleich warnte Kocher vor möglichen Zweitrundeneffekten. Sollte der Krieg anhalten und die Energiepreise hoch bleiben, steige das Risiko höherer Lohnabschlüsse und damit zusätzlicher Preisdynamik. Allerdings könnten sich die Effekte von der Inflationswelle der Jahre 2021 und 2022 unterscheiden, da die Nachfrage inzwischen schwächer sei und es Unternehmen schwerer falle, Preissteigerungen durchzusetzen.

Mit Blick auf die USA warnte Kocher vor politischer Einflussnahme auf die Geldpolitik. Es sei legitim, wenn Regierungen Notenbanken inhaltlich kritisierten. "Wenn aber über starken persönlichen Druck versucht wird, Einfluss zu nehmen, schränkt das die Unabhängigkeit einer Notenbank potenziell ein", sagte er mit Verweis auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Die Unabhängigkeit der US-Notenbank liege im langfristigen Interesse der Bevölkerung. Die EZB bezeichnete Kocher als Paradebeispiel für institutionelle Unabhängigkeit. Im EZB-Rat könne kein einzelnes Land die Entscheidungen dominieren.

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