
von
Es sei von entscheidender Bedeutung, diese Unabhängigkeit unter uneingeschränkter Achtung der Rechtsstaatlichkeit und der demokratischen Rechenschaftspflicht zu wahren. Powell habe integer gehandelt, sich auf sein Mandat konzentriert und sich unerschütterlich für das Gemeinwohl eingesetzt, heißt es weiter. "Er ist für uns ein hochgeschätzter Kollege, der von allen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, höchstes Ansehen genießt." Unterzeichner der Erklärung sind unter anderen EZB-Chefin Christine Lagarde, der Chef der Bank of England, Andrew Bailey, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Martin Schlegel, sowie der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Pablo Hernandez de Cos. Die BIZ gilt als Zentralbank der Zentralbanken.
Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei kein abstraktes institutionelles Prinzip, betonte auch OeNB-Gouverneur Martin Kocher am Dienstag. Sie sei für den Schutz der Kaufkraft der Bürger und die wirtschaftliche Stabilität von entscheidender Bedeutung. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich ebenfalls besorgt. "Ich hoffe, dass es dabei bleibt, dass Notenbanken weltweit auch unabhängig die Zinspolitik festlegen und die Wechselkurse damit auch beeinflussen können", sagte er im indischen Bangalore auf die Frage nach Ermittlungen gegen den US-Notenbankchef. "Ich hoffe, dass es auch in Amerika einen weitgehenden Konsens gibt, dass Notenbanken auch in der EU und den USA unabhängig bleiben müssen."
Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat den Streit mit Powell um den Zinskurs der von politischen Weisungen unabhängigen US-Zentralbank zuletzt verschärft: Das Justizministerium droht ihm mit einer Anklage. Anlass sind dessen Aussagen vor dem US-Kongress zu den auf rund 2,5 Milliarden Dollar gestiegenen Renovierungskosten am Sitz der Zentralbank in Washington.
Powell wies die Vorwürfe zurück. Er sieht darin einen Vorwand, um Einfluss auf die Zinspolitik zu nehmen. Die Entscheidung der US-Regierung stieß am Montag auf scharfe Kritik ehemaliger Fed-Chefs und zahlreicher führender Mitglieder von Trumps Republikanischer Partei.
Der französische Zentralbankchef François Villeroy de Galhau war Powell bereits beigesprungen. Der Chef der US-Notenbank sei ein Muster an Integrität und habe seine Unterstützung, sagte Villeroy am Montag in einer Neujahrsansprache an den französischen Bankensektor. Villeroy gehört dem EZB-Rat an, dem obersten Beschlussorgan der Europäischen Zentralbank.