
von
Außerhalb der Euroregion gab der Schweizer Leitindex SMI um gut ein Prozent auf 13.663,43 Punkte nach. Der britische FTSE-100 hielt sich mit einem Minus von 0,36 Prozent auf 10.420,53 Punkte etwas. Hier stützten die Gewinne der Ölwerte.
"Hohe Ölpreise und Anleiherenditen, sowie die anhaltenden politischen Sorgen rund um Frankreich bilden einen Dreiklang, der die Risikobereitschaft der Anleger dämpft", begründete Marktanalyst Timo Emden von Emden Research die Schwäche. "Von der Hoffnung auf einen Goldenen Oktober müssen sich Investoren fürs Erste verabschieden." Auch die anstehende Berichtssaison in den Vereinigten Staaten werfe mittlerweile ihre Schatten voraus.
Schwächster Sektor waren die Pharmawerte. Ein Kurseinbruch des Biotechnologieunternehmens argenx von über 17 Prozent belastete. Das Unternehmen hatte eine weit vorangeschrittene Phase-III-Studie mit dem Wirkstoff Efgartigimod Sc zur Behandlung des Sjögren-Syndroms gestoppt. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, zu deren Symptomen unter anderem starke Erschöpfung und extreme Trockenheit von Mund und Augen gehören.
Erneut schwach waren auch die Bankenwerte. Damit hielt die Risikoaversion in dem Sektor an. Der Blick gilt der Verschuldung Frankreichs und dem gestiegenen Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen. "Belastend wirkte gestern die Aussage des Gouverneurs der Banque de France, Moulin, dass die Bedingungen für ein Eingreifen der EZB derzeit nicht erfüllt seien", merkten die Experten der Landesbank Baden-Württemberg zu der angespannten Lage an.
"Aufgrund der Systemrelevanz Frankreichs für die Eurozone dürfte die EZB früher oder später gezwungen sein, ihr Antifragmentierungsinstrument TPI zu aktivieren", fügte Eckhard Schulte von der Vermögensverwaltung MainSky Asset Management hinzu. Der Weg dorthin könnte allerdings lang und für die Märkte schmerzhaft werden, da ein politischer Konsens erforderlich sei.
Technologiewerte und besonders Halbleitertitel litten unter den Vorgaben aus Asien, wo die Zahlen von Samsung nicht ganz die extrem hohen Markterwartungen erfüllt hatten.
Aktien der Autozulieferer standen im Schatten einer Gewinnwarnung des französischen Konzerns OPMobility. Die Aktie brach um über 19 Prozent ein und zog auch andere Werte des Sektors wie Valeo nach unten. OPMobility will nun 770 Stellen in Frankreich und Deutschland streichen. Grund sind höhere Kosten und Produktionsunterbrechungen bei Kunden wie Stellantis. Deren Aktie schwächelte mit 3,5 Prozent ebenfalls merklich.
Positive Ausnahme im schwächelnden Markt war Tesco. Die Aktie des britischen Einzelhändlers kletterte um 4,5 Prozent. Die Halbjahreszahlen seien besser als erwartet ausgefallen, begründeten die Analysten der kanadischen RBC die Gewinne. Die Experten von Jefferies hoben die robuste Marge hervor.
LA DÉFENSE - FRANKREICH: FOTO: APA/APA/AFP/THOMAS SAMSON