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Damit übertraf Bayer die Analystenerwartungen, die im Schnitt von 1,94 Mrd. Euro ausgegangen waren. Nach dem wegweisenden Sieg im Glyphosat-Streit vor dem Obersten Gerichtshof der USA Ende Juni rückt nun die strategische und finanzielle Zukunft des Konzerns in den Fokus. Investoren richten ihr Augenmerk vor allem darauf, wie Bayer seine Schulden abbauen will und ob es Pläne für eine Aufspaltung gibt. "Operativ sind wir auf einem guten Weg, unsere Jahresziele zu erreichen", sagte Vorstandschef Bill Anderson. Bei der Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten sei der Konzern gut vorangekommen, habe jedoch noch wichtige Meilensteine vor sich.
Das richtungsweisende Urteil des US-Supreme-Courts im Glyphosat-Streit verschafft Bayer den erhofften Rückenwind im Kampf gegen die milliardenschweren US-Klagen. Der Konzern will den juristischen Erfolg nun nutzen, um einen Sammelvergleich voranzubringen und sich wieder stärker auf das operative Geschäft zu konzentrieren. "Die vergangenen 90 Tage waren eine entscheidende Phase in den jahrelangen Bemühungen des Unternehmens, die Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen", sagte Anderson. "Wir sind durch das Urteil in einer stärkeren Position." Die Anhörung zur endgültigen Genehmigung des Sammelvergleichs über bis zu 7,25 Mrd. Dollar (6,29 Mrd. Euro) ist für den 19. August angesetzt, eine Entscheidung wird noch 2026 erwartet.
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Ende Juni entschieden, dass Kläger Bayer nicht wegen eines fehlenden Krebswarnhinweises auf dem Etikett des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup verklagen können. Die US-Umweltschutzbehörde EPA hatte Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft und Etiketten ohne entsprechenden Warnhinweis genehmigt. Dennoch verurteilten Geschworenengerichte Bayer in einzelnen Bundesstaaten wiederholt zu hohen Schadenersatzzahlungen. Die Klagewelle, die sich der Konzern mit der Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eingehandelt hatte, belastet Bayer seit Jahren und kostete viele Milliarden Dollar.
Mit dem sinkenden juristischen Druck rückt auch die künftige Konzernstruktur wieder stärker in den Mittelpunkt. "Drei Divisionen sind in der heutigen Welt nicht die Norm", sagte Anderson mit Blick auf eine mögliche Aufspaltung des Unternehmens mit den Sparten Agrar, Pharma und Consumer Health (rezeptfreie Gesundheitsprodukte). "Wir sind heute in einer viel besseren Position und prüfen regelmäßig, welches Resultat und welcher Ansatz am besten sind." Man bleibe bei dem Thema offen, werde sich aber vorerst weiter auf die Kernprioritäten konzentrieren.
Einen konkreten Schritt hat Bayer im Agrargeschäft indes bereits vollzogen: Das US-Glyphosatgeschäft bündelte der Konzern im vergangenen Monat in einer eigenständigen Einheit namens Ruveon. Ob dies der Auftakt für eine spätere Abspaltung ist, ließ Anderson offen. Die Struktur ermögliche es der Einheit, schneller und wettbewerbsfähiger zu agieren. Finanzchefin Judith Hartmann betonte, Ziel bleibe es, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, damit die Stärke der Geschäftsfelder bei der Bewertung von Bayer wieder eine größere Rolle spiele.
Den Ergebnisanstieg im zweiten Quartal hat Bayer ausschließlich dem Agrargeschäft zu verdanken. In der Sparte Crop Science legte das Ergebnis um gut 30 Prozent zu. Der Bereich profitierte von höheren Preisen und Absatzmengen beim Unkrautvernichter Glyphosat sowie der Wiederzulassung von Dicamba-basierten Produkten in den USA, die den Verkauf von Soja- und Baumwollsaatgut ankurbelte. Diese Entwicklung kompensierte die Schwäche in den Sparten Pharma und Consumer Health, die beide einen Gewinnrückgang von 3,6 Prozent verzeichneten.
Im Pharmageschäft brachen die Erlöse mit dem Milliarden-Blutverdünner Xarelto und dem Augenmedikament Eylea wegen abgelaufener Patente massiv ein. Aufgefangen wurde dies durch ein starkes Wachstum der neuen Hoffnungsträger Nubeqa gegen Prostatakrebs und Kerendia gegen Nierenleiden.
Den währungsbereinigten Ausblick für das laufende Jahr bestätigte Bayer. Wegen veränderter Wechselkurse hob der Konzern die Zielspannen auf unbereinigter Basis erneut leicht an. Für 2026 rechnet der Vorstand nun mit einem Umsatz von 44,7 bis 46,7 Mrd. Euro nach bisher 44,5 bis 46,5 Mrd. Euro sowie einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 4,20 bis 4,70 Euro statt 4,10 bis 4,60 Euro. Zudem erwartet Bayer einen schnelleren Schuldenabbau als bisher. Die Nettofinanzverschuldung soll bis Jahresende auf 29 bis 30 Mrd. Euro sinken; zuvor hatte der Konzern 32 bis 33 Mrd. Euro angepeilt. Hintergrund ist der Einstieg des US-Finanzinvestors Apollo bei einer Tochtergesellschaft, der rund drei Mrd. Euro einbringt.